100 Jahre FC St. Pauli – schöne Fotos

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Um eines vorweg klarzustellen: Ich bin spätestens seit 1983 Anhänger von Hamburgs Nummer 1, dem HSV, und ich konnte gar nicht anders. Im Alter von zehn Jahren saß ich im alten Volksparkstadion und sah einen 5:0-Sieg über Borussia Dortmund, kurz zuvor hatten Magath, Hrubesch und Co in Athen den Europapokal der Landesmeister geholt und ihn stolz präsentiert. Ich wurde also Fan des bestmöglichen Vereins Europas und wohl auch der Welt, denn soviel war ich ja nicht herumgekommen. Von St. Pauli hörte ich auch erst später, der Verein vor der Haustür war ansonsten nur Altona 93.

Schlappen

Mit einem Kollegen und St. Pauli-Fan in Personalunion machte ich mich wenige Tage vor dem Hamburger Lokal-Derby auf, um die Sonderausstellung zum 100-Jährigen des Vereins zu besuchen, zumal sie bereits im Oktober wieder abgebaut wird, wie es aussieht. Da ich selbst durch die Arbeit in verschiedenen Museen vorbelastet bin, interessierte mich natürlich auch die Inszinierung der Historie und ich muss sagen, dass dies durchaus gelungen ist. Viele Fotos, auch vermeintlich unwichtige, wurden zusammengetragen und werden für meinen Geschmack in ihrer Schlichtheit perfekt präsentiert. Darüber hinaus hat man auch viel Wert auf den Einsatz auch digitaler Medien gesetzt, was nur in wenigen Fällen „etwas viel“ geworden ist, wie die Hörstationen in der Ausstellung und im Viertel – hier ist der Clou, dass man bei jeder Stadion eine Festnetznummer anruft und dann vom Anrufbeantworter etwas erzählt bekommt. Ohne Flatrate ist das Unsinn und daher habe ich auch darauf verzichtet.

Was mir als Historiker gefehlt hat in der Aufarbeitung der NS-Zeit war eine umfangreiche Reflexion nicht nur der Rolle Wilhelm Kochs, die ausgesprochen knapp ausfällt, sondern vielleicht noch mehr jener des Dr. Otto Wolff, denn nicht nur nach Recherchen von St. Pauli-Kenner René Martens (in der taz) spielte der SS-Standartenführer eine bedeutende Rolle in der „Entjudung“ der Hamburger Wirtschaft. Beim FC St. Pauli hat man die Vergangenheit des Trägers der Goldenen Ehrennadel auch noch Anfang der 1990er in einem Nachruf durchweg positiv beurteilt und auch heute ist man offiziell noch zu keinem anderen Schluss gekommen.

Insgesamt fällt mein Fazit für diese sehr gefällige Ausstellung positiv aus, wenngleich abgesehen von den oben angesprochenen Mängeln, hier und da Themen nur angerissen und nicht zu Ende erzählt werden (Kommerzialisierung, Kult) und natürlich die Zahl der Exponate eher überschaubar bleibt, doch welche Pokale will man auch zeigen? (^_~)

Kasse machen Skull & Kutte