Manfrotto 055 Kugelkopf im Alltag

Photographie / Test

Orange Punkte und Flächen

Vor einigen Monaten schickte Manfrotto mir einige Informationen zur neuen Stativkopffreihe aus Magnesium und da ich ja ein neugieriger und sehr aufgeschlossener Zeitgenosse bin, ließ ich mir den „055 Magnesium Kugelkopf mit 200PL“ ins Haus schicken, um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen. Mein Dank geht dafür an Manfrotto, das mich nach meinem Urlaub mit dem Testkandidaten erfreute.

Cam at Work

Mit einem Gewicht von 883 Gramm kommt der Neue etwas wuchtiger daher als mein bisher benutzter 498RC2, der mit 616 Gramm (jeweils inklusive Stativplatte) etwas schlanker ausfällt, aber im Gegensatz zum 055, der auf 12 kg ausgelegt ist, laut Hersteller „nur“ bis 8 kg belastbar ist. Beides erscheint mir für Vollformat-DSLR oder analoge Mittelformat ausreichend und diese beiden Kamera-Typen werden auch recht gleichberechtigt benutzt, was vom 055er Universalqualitäten verlangt.

Klar ist auch, dass ein so kräftiger Kopf einen entsprechenden Unterbau benötigt und da ich kein Betonfundament zur Hand hatte, nahm ich mein treues Berlebach Report 3002-Holzstativ, das mit den 2,80 kg Eigengewicht plus Kopf und schließlich Kamera erst durch einen mittelmäßigen Tropensturm zu erschüttern sein wird.

Standhaft

Nun habe ich diese Kombination seit einigen Wochen im Gebrauch und muss einräumen, dass sie mir für den schnellen Schwenk oder einen längeren Walk per pedes dann doch etwas zu schwer ist und in solchen Fällen das Carbon-Stativ den Vorzug erhält. Im Studio aber vertraue ich auf die Standfestigkeit, ebenso – soweit möglich – an der Elbe und natürlich bei der Nutzung des Nodal Ninja-Panoramakopfes, den ich zuletzt in erster Linie für 360 Grad-Panoramen und Aufnahmen nach der Brenzier Methode bei wenig Licht eingesetzt habe.

Schräghaltung

Etwas martialisch in der Anmutung macht der neue Kopf einen hochwertigen Eindruck, wenngleich mich die Gestaltung der sauber arbeitenden Bedienungselemente etwas ratlos zurücklässt. Bei der Nutzung einer DSLR halte ich die Kamera bei der Ausrichtung mit der rechten Hand und fixiere die Kugel dann mit dem großen Hebel an der linken Seite – die Form dessen suggeriert mir aber, dass ich mit Rechts fixieren sollte. Dass die Aussparung im Kopf dann auf der rechten Seite liegt und die Kamera für das Portraitformat im Uhrzeigersinn um 90 Grad (oder etwas mehr, wenn man möchte) mag dann aus gegebenen Platzgründen unvermeidbar sein. Bleibt man bei keiner gewählten Einstellung bleibt die Libelle der Wasserwaage in der Stellung unbenutzbar. Möglicherweise ist meine Vorgehensweise ja exotisch, aber der Kollege, dessen Studio ich habe benutzen dürfen, war ähnlich unschlüssig und die lustige Anleitung brachte kaum mehr Licht in die Sache.

Doch verlassen wir den kleinen Schattenwurf, denn hiervon abgesehen ist der Stativkopf ein echter Malocher. Scheinbar unerschütterlich tut er wie aufgetragen, die Kugel läuft samtweich, lässt sich bombenfest arretieren, die Friktion ist darüber hinaus wunderbar dosierbar. Auch die Aufnahme der Stativplatten macht einen so soliden Eindruck, dass ich auch einmal das ganze Ensemble inklusive Kamera auf die Schulter nehme und zum nächsten Ort laufe – ohne ständig darauf zu lauschen, ob nicht doch etwas auf den Boden schlägt. Das ist ein Vertrauensbeweis meinerseits – ein großer!