Die Hochzeitsfotografie und ich

Photographie

Dat Engelschen

Ich könnte jetzt an einem Diaprojektor herumschrauben, einen Schritt zur Seite tun und feststellen, die Geschichte der Hochzeitsfotografie sei eine Geschichte voller Mißverständnisse, aber ich würde damit nur ein holpriges Plagiat fabrizieren und das will man ja nicht. Ich stelle den potentiellen Fotografen meiner eigenen Hochzeit nur auf eine schwere Probe, weil ich eigene Bildideen habe, doch das soll hier nicht Thema sein.

Eingespannt wurde ich, für den kommenden Mai, eine Hochzeit zu fotografieren, schließlich mache ich ja Fotos und habe so eine tolle Kamera. Fängt das immer so an? – Man hat eine tolle Kamera und darum wird man erhoben in den Olymp der Fähigen?

Leichte Verunsicherung macht sich da breit, aber dann sage ich mir, wer so erfrischend einfach argumentiert, hat vermutlich schon viel schlechtere Hochzeitsfotos gesehen, als ich sie zustande bekommen würde. Es gibt sie und sie werden bezahlt, aber man sollte nicht auf niedrigste Erwartungshaltungen bauen.

Letzte Woche fragte mich dann einer, dessen Verlobte selbst Fotografin ist, ob ich denn nicht ihre Hochzeit fotografieren könnte und wieder wand ich mich. Doch an diesem Wochenende hatte ich die Chance, herauszufinden, ob ich mir vorstellen könnte, es zu machen.

So ganz konnte ich nicht aus meiner Haut und machte wieder mehr den Beobachter als die fotografische Rampensau, die ich nicht bin und nicht sein möchte. Ich weiß also, wie ich meinen Stil umreissen könnte, wenn ein Pärchen fragt. Ich habe auch noch lebhaftere Bilder als jenes vorgestellte geschossen – u.a. alle Gäste per Instax Mini, aber a) bleiben die beiden so anonym und b) ist es mein Favorit: diese Stille kurz nach dem Jawort und Segen – ein Wimpernschlag, wahrgenommen aus einer Ecke der Kirche, unaufdringlich.

1 Kommentare

  1. Ja, so ähnlich gings mir auch. Ich hab sogar erst abgelehnt, aber dann wurde mit Dorffotograf, so einer mit Ladengeschäft in der Fussgängerzone, ja genau so eins mit den grausigen Kinderportraits auf Bärenfell und ovalen Rahmen mit schön soft und heller Vignette und so, als Alternative gedroht. Naja, ich hab halt gesagt, dass ich das umsonst mache, weil ich für nix garantieren kann und ich auch nicht weiss, ob mein Stil gefällt etc. War alles in allem doch mehr Arbeit als gedacht, aber die Bilder sind so gut angekommen, dass sie mir unbedingt Geld geben wollten im Nachhinein. 1 Euro pro Bild immerhin :D

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