Sony RX1 – die Betrachtung

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Reduktion der Ausrüstung ohne den Verzicht auf Leistung – das klingt zunächst einmal nicht ganz so leicht, doch wenn man sich vor Augen führt, dass ein aktuelles Smartphone vielen PCs der jüngeren Vergangenheit weit überlegen ist, dann könnte man geneigt sein, die grundsätzliche Blockadehaltung zumindest kurz zu überdenken, dürfte aber an den Gesetzen der Physik festhalten.

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Sony kündigte im vergangenen Herbst eine digitale Vollformatkamera im kleinen Gehäuse an und auf die Ankündigungen folgte mit der Sony DSC-RX1 Cyber-shot (amazon-Link) ein greifbares Produkt, so greifbar, dass Sony so freundlich war, es mir für knapp zwei Wochen leihweise zur Verfügung zu stellen.

Eines Morgens also klingelte der Paketbote und brachte einen nicht zu schweren Karton (mit Akku und Speicherkarte wiegt die RX1 482 Gramm) in meine Küche und nachdem ich die Batterie in der Kamera – hier spart Sony aber mal wirklich am falschen Ende! – aufgeladen hatte, wagte ich erste scheue Schritte. Zunächst einmal war ich wirklich fast schockiert von den Abmessungen, denn die Kamera selbst ist nur wenig größer als eine MC-Hülle. Die Älteren werden sich erinnern: das waren geschrumpfte Tonbaldspulen in einem Plastikgehäuse, die man … Ach, lassen wir es. Die Cyber-shot ist zwar nicht hemdtaschentauglich mit dem großen Objektiv und dem mir ebenfalls überlassenen elektronischen Aufstecksucher, aber – nehmen wir den Sucher ab – kompakter als die NEX-6 mit dem 30mm von Sigma. Wer schon die ganze Zeit anbringen möchte, dass es mit der Leica M und ihren 9er Vorgängern schon längst eine kompakte Vollformatkamera geben würde, verkennt, dass diese im Verhältnis zur Sony riesig groß ist.

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Hatten ich und die New York Times noch die RX100 als die beste Kompaktkamera der Welt bezeichnet, geht man am Big Apple der Frage, ob diese Behauptung mit Erscheinen der RX1 Bestand hat, aus dem Wege und schweigt sich über die Kamera aus. Auch ich tue mich bei der Beantwortung der Frage schwer – nicht, weil die Leistungen so dicht beieinander liegen würden, ich weiß nicht, ob die RX1 eine Kompaktkamera ist.

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Skizzieren wir also die Leistungsdaten der kleinen Fullframe! Ein Vollformat-Exmor-Sensor im Verhältnis 3:2 mit 24,3 Megapixeln (effektiv), Carl Zeiss Sonnar T* mit Blende 2 bis 22, Brennweite 35mm, ISO von 50 bis 25.600 (im Menü ohne weitere Einstellungen angeboten), 5 Bilder/s, Verschluss Bulb und 30s-1/4000s, etc. Für eine noch tiefergehehende Auflistung empfehle ich die Übersicht auf sony.de. Ich habe die Anleitung und die technischen Daten nicht weiter studiert. Seit den Autoquartetts der Kindheit habe ich das Interesse daran doch ein wenig verloren und halte mich heute lieber an den Philosophen Tim Taylor, der sagte: “Real men don’t need instructions.” Har, Har!

Doch was bringt mir das alles, diese technische Potenz? – Die Brennweite schreit ja nach Reportage, bietet Städtereisen an – was für ein Glück, dass ich in einer Stadt lebe und es ausprobieren konnte. Auf dem Weg zur Arbeit packte ich sie immer wieder ein, machte Spaziergänge an der Elbe, wagte die eine Langzeitbelichtung, die mir der bei Minusgraden schnell in die Knie gehende Akku noch erlaubte und hier regte ich mich dann aber wirklich darüber auf, dass Sony bei einer derart teuren Kamera kein Ladegerät mitliefert.

Man on a Bridge

Bei der RX100 hielt ich es noch für verschmerzbar, hier weise ich nun zähneknirschend hin auf das Sony ACCTRBX Zubehör Kit inkl. NP-BX1 Akku und BC-TRX Multi-Reiseladegerät (amazon-Link). Das führt uns gleich weiter zu den Perlen der Zubehörliste, denn da die RX1 ja keinen Sucher außer dem Display besitzt, schaut man nach einem, den man aufstecken kann in den Blitzschuh. Für den elektronischen FDA-EV1MK (amazon-Link), der auch mir vorlag, werden von Sony 449,00 Euro verlangt, für den aus meiner Sicht etwas charmanteren optischen Sucher FDA-V1K (amazon-Link) wird ein Listenpreis von knapp 600 Euro aufgerufen. Wenngleich beide Sucher im Netz bereits günstiger zu haben sind, ist das sehr selbstbewusst. Beim elektronischen Sucher überbietet Sony sogar Leica, das für den M-Sucher 50 Euro weniger verlangt, beim optischen Sucher unterbietet man zwar Leica, bleibt aber weit über dem, was Zeiss für seine M-Modelle in die Preislisten schreibt.

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Wenn man das Gepäck klein halten möchte und dennoch mit Schärfentiefe spielen möchte, eine gewisse Dynamik erwartet, dann ist die Sony RX1, lässt man sich die Beschränkung durch die Festbrennweite ein, ein – man möge mir die boulevardeske Entgleisung nachsehen – geiles Gerät! Rauch, vielleicht weisser, steigt aus den Ohren, “habemus knipse!”, doch – die Englein halten inne – sie ist für mich nicht die Antwort auf alle Fragen!

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Lobend erwähnte ich ja schon Sonys Entschluss, vom alten Minolta-Blitzschuh endlich die Rückkehr zum bewährten ISO-Blitzschuh, wie ihn alle anderen Hersteller benutzen, vollzogen hat, das Gelächter im Studio über die Sony-Nutzer, die nach Synchronkabeln fragen, wird weniger. Nun ja, ich wollte also Blitzen und das auch entfesselt und wer meinen Beitrag gelesen hat über das Blitzen mit der NEX-6, weiß, dass für den neuen alten Anschluss bis auf einen absurd großen Systemblitz noch nichts gibt. Mit dem Elinchrom Skyport Universal Speed Set (amazon-Link) habe ich an der NEX bereits im Studio gearbeitet und das klappte auch gut, aber nun war ich mit den beiden Sony-Kameras “on location” und versuchte, via einem Yongnuo RF-602 C3 (amazon-Link) einen Master- und einen Slave-Blitz auszulösen, doch oben abgebildete Kontakte im Blitzschuh bremsten mein Vorhaben. Ich adaptierte also meinen alten Yongnuo CTR-301P, den ich mit dem Sony-Adapter an den Blitzschuh brachte. Sehr aufmerksame Zeitgenossen werden registriert haben, dass man den Sucher vom Blitzschuh abnehmen muss, bevor ein Blitzauslöser montiert werden kann und hier liegt im Grunde mein Problem mit der RX1 im Studio: ich komme hier mit dem Display, das man zu allem Überfluss nicht einmal klappen kann, in so einer Shooting-Situation nicht zurecht.

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Was behalten wir also über? – Sony hat eine radikale Kamera gebaut, die dafür, dass sie so klein wie möglich sein sollte, wenige Abstriche bei der Bedienerfreundlichkeit macht. Mir fehlt weniger die Möglichkeit, das Objektiv zu wechseln, weil sie kein DSLR-Ersatz sein muss – gute Ergebnisse erzielen auch die hochwertigen Systemkameras – viel schwerer wiegt für mich der Verzicht auf den Sucher, zumal beispielsweise Fujifilm mit der X100 bewiesen hat, wie gut man es lösen kann. Die X100 muss auch beim Preis als Referenz herhalten: sie hat zwar keinen Vollformatsensor, bietet aber eine sehr gute Bildqualität und kostete 2011 nur ein Drittel der 3099,00 Euro.

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Ich wäre dennoch bereit gewesen, thaleresk mein Lachen am 30. und 31. Februar abzutreten an den japanischen Elektronikriesen, aber man hatte mich offensichtlich durchschaut und das Testgerät wieder abgeholt. Bleiben mir also zwei Punkte:

1) Es wird noch ein Vergleichstest folgen, in der die RX1 auf einen ihrer Urväter trifft.
2) Ich schließe mich meinem Freund Paddy (oben) an: “Lecker, aber zu teuer.”

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja leider leider viel zu teuer, wahrscheinlich ist sie es wert. Aber das ist schon ein stolzer Preis, Sucher kommt ja noch dazu…

  2. Es ist nicht ganz so radikal wie bei Hasselblads Lunar, aber ich werde auch bei der RX1 das Gefühl nicht los, dass man einfach zeigen wollte, dass es geht, ohne Rücksicht auf den Massenmarkt nehmen zu müssen. Der Preis ist vermutlich angemessen, ja, liegt aber dennoch weit außerhalb von dem, was Otto Normalverbraucher bereit wäre, dafür auszugeben. So wird es wohl ein Prestigeobjekt bleiben.

    Schöner Bericht, danke dafür,

  3. Marc, Christoph,

    in der Tat könnte man versucht sein, den Preis mit dem einer Fullframe-DSLR plus gutem 35mm zu vergleichen und das wäre wohl auch einigermaßen statthaft. Die objektiven Nachteile des Konzepts darf man aber auch nicht vom Tisch wischen, so lässt mich die RX1 wirklich etwas ratlos zurück. Sie ist, wie gesagt, an Radikalität kaum zu übertreffen und radikal ist nicht massenkompatibel.

  4. Ich finde die Fotos, die du veröffentlicht hast, echt klasse! Ich finde auch die RX1 toll. Trotz der optionalen Sucher, die auf mich immer so wirken, als würden sie nicht wirklich dazugehören, muss ich einfach sagen, daß ich bei so einer Kamera in der Liga und v.a. mit dem superben Output einfach einen integrierten Sucher möchte. Bin mir sicher, daß wir den alle noch sehen werden. Herzliche Grüße Alex

  5. Schade, der Preis ist ja schon ziemlich abschreckend dafür.

  6. Ja, da hat uns der Digital-Gott etwas geschenkt und spricht zu uns:

    Denn siehe, ich habe mich angestrengt und etwas geschaffen, dass ich dir Mensch in die Hände lege, damit du es nutzt und mir gleich tust im Bemühen das Beste zu schaffen. Verwandele ein Teil deines irdischen Vermögens in dieses kleine schwarze Ding und du wirst sehen, es ist der beste Teil deines Besitzes. Klein, leicht und leise habe ich es gemacht, damit du es immer mit dir führen und dir ein Bild von dieser Welt machen kannst, dessen Qualität ein Abbild ihrer Schönheit ist.

  7. Pingback: Sony TidBits | sonyalpharumors

  8. Nie mehr ohne die RX1 unterwegs. Begeisterung pur für dieses Ding ist ein absilutes Highlight. Schreibt digitalr Photogedschichte.

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