Gedanken zu 500px

Bloggerkram / Test

500px

Vor einigen Monaten bat mich ein Besucher dieser Seiten, ich möge doch einmal etwas schreiben über 500px, was ich brüsk ablehnte. „Ich mache, was ich will!“. Nun habe ich immer mal wieder ausgewählte Fotos von mir auf diese Plattform hochgeladen, möglicherweise gelungenere als jene, die ich gemeinhin flickr anvertraue und dann stellt man sich ja die Frage, ob 500px nun die bessere, die ausgewähltere, die professionellere Seite ist.

Sie ist puristischer, sie ist schlanker, sie macht einen guten Eindruck, aber ich weigere mich, $ 19,95 für die Plus- oder gar $ 49,95 for die Awsome-Mitgliedschaft auf den Tresen zu legen. Das liegt nicht daran, dass ich die Möglichkeit, ein Portfolio anzulegen, einen Store einzurichten oder Google Analytics-Einbindung grundsätzlich ablehne. Es liegt vielmehr daran, dass man ein Foto, welches nicht sofort nach dem Upload große Beachtung findet, fast wieder löschen kann. Um es einmal sehr plastisch darzustellen: die Sau, die Du durch das Dorf treibst, muss in grellen Farben angemalt und mit zwei Dutzend Glöckchen behängt die Hauptstraße entlang gescheucht werden und wenn nicht wenigstens ein halbes Dutzend Passanten „Yummy! schreit, kannst Du das Tier vor der letzten Querstraße auch erschießen. Da finde ich die Reichweite bei flickr nicht zuletzt durch die Gruppen schon besser.

Was man 500px zusprechen darf, ist, dass das Gros der gezeigten Aufnahmen qualitativ ein gewisses Niveau erreicht, doch das den Kommentaren zuzugestehen, fällt mir schon wieder schwerer und das bremst eine Interaktion mit den Besuchern schon im Ansatz, wobei ich auch kein Gequatsche erwarte oder erhoffe. „Great shot!“, „Nice pic!“, „v&f (für „gewählt“ und „als Favorit gekennzeichnet“) und „Plz visit my gallery!“ sind in Buchstaben gegossene Ernüchterung.

Ich bleibe also bei meinem kleinen kostenlosen Paket, wäge ab, was ich zu posten gedenke, erhalte mir flickr und baue mir eine eigene Portfolio-Seite auf.

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13 Kommentare

  1. Da bleibt leider nicht viel dazuzufügen. Ist so. Leider.
    Was bleibt ist die Hoffnung, dass die alte Dame Flickr uns noch lange erhalten bleibt und nicht irgendwann den Google-Tod stirbt.

  2. Allen die eine qualitative Erwartungshaltung an Bildkommentare haben, sollten ihr eigenes Kommtiererhalten mal kritisch unter die Lupe nehmen. Ich nehme mich da auch nicht aus. Ergebnis: vergiss es – es wird niemals eine massentaugliche Bildpräsentationsplatform geben die den ausführlichen Kommentar zum erforderlichen guten Ton erhebt.

    Ob es den braucht, darüber streiten sich ja ebenfalls die Geister. Der eine freut sich über ein „Klassebild“ genauso wie über die seitenlange Abhandlung über die Gedankengänge des Betrachters, der andere nicht. Ausserdem ist es ja fast schon vermessen in der Masse der dreiundzwölfzigmillionen sekündlich hochgeladener Bildbeiträge überhaupt wahrgenommen werden zu wollen.

    Was kann/sollte/darf man von solch einer Seite also erwarten? Ich persönlich denke nicht viel…

  3. Stephan sagt

    Die Frage nach der Erwartungshaltung scheine ich zu unterschwellig gestellt zu haben, Boris. ;-) Die These war ja die, dass 500px ÜBER flickr angesiedelt sei und das habe ich kritisch zu hinterfragen versucht. Dass ich mich freue, wenn jemand ein Foto von mir mag, bleibt davon gänzlich unberührt.

  4. Ob jetzt 500px besser als flickr ist oder umgekehrt, könnte ich aus dem Stegreif auch nicht beantworten. Dafür sind die Plattformen zu unterschiedlich. Da ich mich gerade mit dem Gedanken trage verschiedene Plattformen in meinem Blog mal zu vergleichen, kann ich schon mal ein paar Gedanken dazu stichpunktartig hier in die Diskussion werfen.

    Vorteil flickr: das Gruppensystem, das es ermöglicht die Fotos thematisch breiter gestreut thematisch einzusortieren. Durch die Alben werden auch ältere Uploads von Profilbesuchern entdeckt und kommentiert.
    Nachteil flickr: Die schiere Menge an Uploads, in der man gerne mal untergeht. Und dann noch die Gängelung der deutschen User bezüglich der Inhaltsfilter.

    Vorteil 500px: Der Flow, der es leicht macht neue, interessante Fotografen zu entdecken. Das Niveau der hochgeladenen Fotos ist recht hoch und inspirierend.
    Nachteil 500px: die Schnelllebigkeit und die extrem ausgeprägte Buddy-Mentalität (Votest Du bei mir, vote ich bei Dir)

    Trotzdem ergänzen sich beide für mich sehr gut. Manches Bild, das bei flickr gut ankommt geht bei 500px unter und umgekehrt. Und wenn man beide Plattformen bedienen will ist m.E. die Gefahr sich stilistisch nur noch an dieser Plattform zu orientieren, geringer

  5. Und warum hast Du die vermeintlich besseren Fotos auf die nach Deinen Bewertungsparametern (Reichweite) „schlechtere“ Seite gestellt? Weil Du die Analyse erst im Nachgang angestellt hast? Ich erinnere mich übrigens dunkel, dass man für Premium Interaktion auf so ein Lux und Laune Ding muss *chchchch* :D :D

  6. Stephan sagt

    Boris. Ich Sage ja nicht, das 500px schlechter ist, ich mag Purismus ja sehr, doch die Kurzlebigkeit und die Hektik im Flow mag ich nicht so sehr. Warum ich nun Bilder, die ich zu meinen vielleicht besser gelungenen Aufnahmen zähle, dort hochlade? – es ist wohl der Glanz des Umfeldes. ;-)

  7. Stephan sagt

    Thomas. Der Buddyismus ist zwar schon an anderer Stelle angesprochen worden, von mir aber recht gut ignoriert worden. Ich finde bei flickr die Inspiration per Suche etwas besser gelöst, bei 500px das, was man findet. ;-)

  8. Sehr guter Artikel, danke dafür. Ich schätze 500px sehr – schon der wundervollen Darstellung der Bilder wegen. Guter Vergleich mit der Sau – so um die Strassenecke… :D

  9. Du hast eigentlich alles gesagt. Und das, wie es für einen Fotografen gehört kurz und knackig. Das unwichtige weglassen… in diesem Sinne macht es 500px. Und das machen die ganz gut. Ich habe zwar auch Bilder auf 500px liegen und habe den Eindruck, dass die augenscheinliche Qualität der Bilder doch sehr gut ist.
    Die Masse an augenscheinlich tollen Bilder wirkt manchmal übersättigend auf mich, da die Perlen schwer zu finden sind. Als Perlen bezeichne ich diese Bilder, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken und mehr zeit benötigen um zu wirken. Diese Perlen gehen meines Erachtens bei 500px manchmal unter.
    Eigentlich soll man 500px nicht mit Flickr vergleichen, denn beide Plattformen sind sehr unterschiedlich.
    Zum Thema Kommentare bin ich mittlerweile der Meinung, dass alle Plattformen nur dann mit vernünftiger Kommentarfunktion laufen, wenn man selbst bereit ist viele und viele konstruktive Kommentare abzugeben.
    Ich bin mittlerweile eher dazu übergegangen Fotoblogs zu lesen, denn da kann ich die Perlen besser finden.
    Aber vielen Dank für Gedanken zu 500px.

    Viele Grüße Jürgen

  10. Schön gehustet – besser lässt sich die Mechanik wohl kaum beschreiben. Dass ein längst überfälliges Facelifting bei Flickr ausbleibt bewegt mich aktuell dazu, zweispurig zu fahren.

  11. Maik Nern sagt

    …ich bin seit 2010 bei flickr unterwegs – und die Lektüre des Artikels und der Kommentare hier haben mich überzeugt, mich mal bei 500px anzumelden.
    Und das einfach um mit Besonnenheit ein ausgewähltes Portfolio anzulegen. Scheint sich allein qualitativ ja zu lohnen!
    Kommentarkultur?
    Heiß!!
    Woher kommen wir, wohin gehen wir?
    Sind wir die Generation, die im infantilen Sehnen irgendwas irgendwie auf ein Blatt Papier kritzelte in den 70er, in den 80er, in den 90er Jahren, und unsere Eltern riefen unisono im sterotypen Chor: „oh, das hast du aber toll gemacht!“ – ?? Ist es deshalb so wichtig, dass Massen an positiven digitalen Bildkommentaren zum Substitut unmittelbaren Erfolges werden? Hätte Freud mit ein paar „gefällt mir“s anständigere Ideen in die Welt gesetzt als die von den Komplexen und der Verdrängung? Ich schweife ab.
    Ich melde mich nun umgegend (15.05.2013 22:45) bei 500px an… aufgrund dieses Artikels (nebst Kommentaren) – und meine Erwartungen sind auf absolutem Zen-Niveau!
    Stay tuned!

  12. Pingback: 500px: Fotogemeinschaft mit Look und Likes | Pyrolirium

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