Was erlauben Leica?

Photographie

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Es ist vermutlich billiger als recht, sich mit der Überschrift bei einer italienischen Trainerlegende zu bedienen, doch trifft es vermutlich den Querschnitt aller Töne, die spätestens seit der Bestätigung der Solmser, dass die X Vario genau so auf den Markt kommt, wie es Spatzen schon seit Wochen von den Dächern brüllten. Eine Leica X2 mit einem überhaupt nicht lichtstarken Zoom-Objektiv, einem APS-C-Sensor und ohne Sucher wurde aus dem, was man frecherweise als „Mini M“ angekündigt hatte.

Da gibt man sich auch gerne die Mühe, um in der Pressemitteilung die Kamera noch heißer erscheinen zu lassen, als sie vermutlich ist. Das Gros der Rezensenten wird sie, wie ich, noch nicht in Handen gehalten zu haben. Doch wenn es schon heißt

Besonderes Merkmal der Leica X-Reihe ist der für dieses Kameraformat ungewöhnlich große, leistungsstarke CMOS-Bildsensor mit über 16,5 Megapixeln (effektiv 16,2 MP) im APS-C Format.

, dann werde ich nicht „Münchhausen!“ schreien, aber zumindest genüsslich darauf hinweisen, dass u.a. die kompakten Systemkameras von Sony NEX und Fuji ebenso über einen derart großen Sensor verfügen, wie die Ricoh GR und z.T. die GXR, die Fuji X100S oder Nikons A. Richtig ist, dass fast keine diese Kamera eine fest verbaute Zoomlinse hat, doch ebenso nicht falsch ist die Behauptung, dass dies auch ohne größeren Belang ist.

Was aber diskutabel ist, ist der Preis von 2450,00 Euro, den man durch den mit einem Leica-Schriftzug „aufgewerteten“ EVF von Olympus für 400,00 Euro und weitere Zubehörteile über die 3000er Grenze hieven kann. Das ist viel Geld für eine kompakte Kamera mit einer auf den ersten und zweiten Blick uninteressanten Linse. Zu diesem Preis bekommt man bereits die Sony DSC-RX1 mit einer traumhaften Scherbe von Carl Zeiss, Vollformatsensor und etwas Drumherum. Eine andere, ebenfalls spannende Alternative wäre die Fujifilm X-E1 oder die Schwester Fujifilm X-Pro1, die jeweils inklusive des Fujinon XF18-55mm f2,8-4 R LM OIS günstiger zu bekommen ist. Und wenn Sony seiner NEX endlich mal ein gutes (sic!) Standardzoom verpasst, dann darf auch die in den Kreis der besten Alternativen aufrücken.

Vielleicht gibt es für eine solche Kamera, wie die X Vario, einen Markt, das kann ich nicht beurteilen, doch anstatt ein solches Patchwork-Dings auf den Markt zu bringen, hätte man sich vielleicht seiner Tradition bewusst sein und einen Nachfolger für die CL entwickeln sollen. Vorstellbar wäre da doch eine Systemkamera mit M-Bajonett, die mit dem neuen (kommenden) EVF von Olympus, gescheitem Peaking o.ä. zu einem von „normalen“ Fotofreunden bezahlbaren Preis – von meiner Warte aus betrachtet – viel mehr positive Aufmerksamkeit erhalten hätte, als diese ernüchternd belanglose Dings.

Schade Leica, sehr schade!

http://de.leica-camera.com/photography/compact_cameras/x_vario/

Update: Mittlerweile hatte ich Gelegenheit, die Kamera bei Foto Richter am Münchner Rathaus einmal selbst in Augenschein und in die Hand zu nehmen. Wenngleich die Haptik schon sehr hochwertig ist und der freundliche Geschäftsinhaber mir erklärte, dass sich das Gerät wie geschnitten Brot verkaufe, ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. Das lag am Ende dann auch nicht daran, dass nach Aussage Foto Richter die Bildqualität nur bis ISO 1600 gut genug sei, um mit ihr zufrieden zu sein. Nun weiß ich nicht, wo hier Zufriedenheit anfängt und aufhört, aber es gibt einen ausreichend großen Markt für X Vario, wie es scheint und ich muss auch nicht mit dieser Zoom-Kamera angesprochen werden.

 

Ricoh Digitale Systemkamera (16 Megapixels, 3-fach opt. Zoom, 7,62 cm (3 Zoll) Display) GXR mit Objektiv 3,5-5,5/24-85 mm)

25 Kommentare

  1. Zugegeben: Ich war auch mehr als erstaunt über das wenig innovativ erscheinende Konzept der X Vario. Doch aus meiner Sicht lohnt es sich, etwas differenzierter hinzuschauen. Was wohl die meisten verwundert ist die geringe Lichtstärke des Objektivs. Im Bokeh- und Available-light-Hype nachvollziehbar. Doch was, wenn genau diese Feautures (also Freistellen und Fotografieren bei schwachen Lichtbedingungenen) gar nicht benötigt werden (Landschaftsaufnahmen, Reportage, Street)? Eine Frage des persönlichen Stils. Was, wenn es auf einen flexiblen Brennweitenbreiten, hohe Schärfentiefe und Auflösung ankommt? Wenn man eine möglichst klassisch zu bedienende, schnörkellose, zuverlässige Kamera sucht? Dann wird die X Vario für ihre Zielgruppe interessant.
    Ich erinnere mich noch gut an die Aussage meines Opas, der seit lebenlang sehr ambitioniert mit analogen Spiegelreflexkameras gearbeitet hat und bei den ersten Fotos aus seiner digitalen Kompaktkamera mit kleinem Sensor feststellt: „Grandios diese Schärfentiefe, da brauch ich ja gar nicht mehr so weit abblenden.“
    Leica steht für langlebige und zuverlässige Produkte, die durch ihre Reduktion und vermeintlichen Mängel eine teils puristische und aufgrund des Preises elitäre Käuferschicht anlocken. Mit der X Vario bleibt Leica seiner Linie treu – auch wenn ich mir persönlich mehr Innovation z.B. eine Kombination aus Messsucher, fest verbautem Objektiv und Vollformatsensor gewünscht hätte. Doch ich bin vor kurzem auf das Fuji X-System umgestiegen. Das passt zu mir und meinen Anforderungen.

  2. Joel: Ganz ehrlich, große Schärfentiefe bei viel Licht kriege ich mit ner guten Lumix mit einem Leica Glas für 1/8 des Preises auch hin…
    Also, diese Kamera für DAS Geld ist absoluter Quatsch und was für Schwaben aus’m Prenzlauer Berg, die mit dem „M“-Aufkleber auf der Kompakten den nicht vorhandenen Mercedes (den man dort aufgrund der Dichte nicht parken kann) kompensieren.

  3. Stephan sagt

    Ob da jetzt bevorzugt Schwaben angesprochen werden, glaube ich ja nicht. ;-)

  4. Stephan sagt

    Wie ich ja schrieb, habe ich keinen Überblick über die zu erwartende Nachfrage, doch für mich ist die Kamera eine glatte Enttäuschung – trotz der „rebranded“ Lumix‘ im Portfolio.

  5. Michael P. sagt

    Die X Vario ist sicherlich keine Kamera, die mit den neuesten Features um sich wirft.
    Vollformatsensor, super Lichtstärke und ISO 50k sind sicherlich super – aber unbedingt notwendig?
    Für eine Kamera, die man einfach so mitnimmt, um Alltags- oder Urlaubsbilder zu machen wahrscheinlich nicht.
    Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ISO 3200 wirklich brauchte.
    Ein interner Sucher wäre jedoch wirklich schön gewesen.
    Meiner Meinung nach ist die X Vario eine gute Allgemeinkamera. Sie wird keine Monochrom oder Nikon D4 ausstechen – aber dafür wurde sie auch nicht konzipiert.

    Der Preis ist hoch angesetzt – aber so ist das doch immer bei Leica ;)
    Wer es sich leisten kann und diese Kamera haben möchte, wird sie sich kaufen. Wenn sie zu teuer ist oder nicht gefällt, kann man noch auf genügend andere zurückgreifen.
    Das einzige, was mich stört, ist, die X Vario als ‚Mini M‘ zu bezeichnen – hat sie doch herzlich wenig mit irgendeiner M zu tun.

  6. Stephan sagt

    Bei der Frage, ob teuer oder nicht, spielt es für mich immer eine Rolle, ob mir dieses oder jenes den aufgerufenen Preis wert ist. Wenn dem so ist, dürfte es auch kostspieliger werden, aber mir wäre diese Leica den Preis nicht wert.

    Wenn ich „Alltags- oder Urlaubsbilder“ machen möchte, kaufe ich wohl eher eine Sony RX100 oder die neue Olympus PEN mit Standardzoom. Von gesparten Rest zahle ich dann den Urlaub. ;-)

  7. Florian sagt

    Die CL kommt schon von Panasonic, da kann Leica doch nicht das Gleiche machen…

  8. Stephan sagt

    Magst Du das etwas ausführlicher skizzieren?

  9. Pingback: Nicht nur Fuji... - Seite 7

  10. Aus Kostengründen werde ich mir wohl nie eine Leica kaufen. Aber man schielt doch immer auf diese Traditionsmarke. Aber diese Kamera verstehe ich wirklich nicht. Wie hoch soll denn die Qualität sein um diesen Preis zu gerechtfertigten ?
    Für den Mut der M Monochrom hab ich Leica beneidet, aber diese Kamera ist irgendwie belanglos…. Schade….

  11. Es ist eine Kamera, die so belanglos ist, dass es kaum lohnt, darüber allzu viele Worte zu verlieren. Schade Leica, da wäre mehr möglich gewesen …

  12. In Deine Artikel hast Du als Alternative noch die Samsung NX-Reihe vergessen. Dass man dort für 1/10 des Preises (!) eine NX 1000 mit 20-50 mm bekommt, die – ebenfalls im APS-C-Format – 20 Megapixel aufbietet (und mit dem knackscharfen 20 -50 mm auch tatsächlich bedient), ist schon fast erschütternd (mein Erfahrungsbericht dazu: http://stefansenf.de/?p=1904 ). Klar, so eine NX ist ein Plastikbomber aus China und die Leica ist eine Leica aus Deutschland. Aber für die Ergebnisse ist das relativ belanglos. Dafür ist die NX auch noch kleiner und halb so schwer.

    Umgekehrt ist es natürlich auch so, dass man einer drittel Blende Unterschied (am Tele-Ende) zu gängigen Kitoptiken anderer Hersteller jetzt auch nicht zu viel Bedeutung zumessen muss. Wie gut eine Optik ist, lässt sich zum Glück nicht allein in Blendenwerten ausdrücken. Warten wir doch mal ab, was sie so zu ‚produzieren‘ im Stande ist. Falls Du eine zum Testen ergatterst, werde ich Deinen Bericht mit Spannung erwarten.

  13. Stephan sagt

    Nun, ganz vergessen hatte ich sie nicht, ich schrieb ja „u.a.“, aber da Samsung mir trotz Anfrage vor etlichen Wochen immer noch kein Gerät hatte zur Verfügung stellen können, habe ich die mir sonst unbekannte NX nicht genannt.

    Eine Leica Vario X werde ich dagegen nicht begehren zum Test. Der Apparat macht mich so überhaupt nicht an. ;-)

  14. Bernhard Kling sagt

    Als Kanzler Helmut Schmidt Ende der 70er Jahre einer arroganten deutschen Fotoindustrie mangelnde Konkurrenzfähigkeit gegenüber Japan vorgeworfen hat, war das Geschrei groß. Offensichtlich hat er Recht behalten. Meine Canon-Knipse, die nicht einmal 10%(!) der Leica gekostet hat, jedenfalls ist jener in praktisch allen Punkten deutlich überlegen. So sieht’s aus, sagt ein sparsamer Oberschwabe.

  15. In dieser Kategorie gibt es doch einige nette Alternativen. So z. B. auch die Olympus E-PL5. Die ist deutlich kompakter und natürlich auch leichter, lichtstärkere Objektive etc.

    Immerhin aber sieht die neue Leica aus wie eine Leica und das dürfte der Zielgruppe schon reichen.

  16. Bernhard Kling sagt

    Tja, es gibt Leute, bei denen ist nicht nur wichtig, dass etwas sehr viel kostet – nein, es darf auch qualitativ niemals auf der Höhe der Zeit sein. Gerade eben habe ich die neuesten Bilder von meiner 177Euro-Canon-Knipse aufm großen (kalibrierten) Computer-Bildschirm betrachtet. Da sieht man was im Wortsinne „preis-wert“ ist, auch wegen all der eingebauten Möglichkeiten. Und auch in der Beziehung scheint mir diese unechte Leica ein schlechter Witz. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Bildqualität dem überlegen, was von Panasonic typischerweise so daherkommt…

  17. Stephan sagt

    Eine „177Euro-Canon-Knipse“ wird die Leica dann doch noch schlagen …

  18. Bernhard Kling sagt

    Man muss das in Relation betrachten. Aber ich habe jedenfalls noch keine (Test-)Bilder einer Lumix gesehen, die – vor allem bei höherer Empfindlichkeitseinstellung – hätten überzeugen können. Zum Kommentar von „DasMaddin“: Die Schwaben im Prenzlauer Berg fallen wahrscheinlich dort deswegen als untypisch auf, weil sie mit Geld umgehen können…

  19. Gerd sagt

    Da spricht wieder deutsche Kleinkariertheit mit superschlauen Kommentaren zur neuen Leica, wohl mit mind. 10 Jahren Knipserfahrung.
    Diese Kamera ist edel und trifft wohl auch die Nutzungsgewohnheiten de analogen wie digitalen Photographie-Erfahrenen.
    Sie sprechen nicht immer nur über die Technik und Geiz-Preise, über fotografische Begriffe und Zusammenhänge, die sie meist nicht verstehen, sondern sie produzieren Fotos mit fotografischem Talent. Mit einer wertigen Kamera made in Germany und nicht mit diesem asiatischen Plastikkram und Weihnachtsmenüs in der Kiste.
    Reduktion auf das Wesentliche scheint scheinbar abhanden gekommen sein.
    Ich war jedenfalls überrascht über den günstigen Preis der neuen Leica!
    So, jetzt könnt Ihr über mich herfallen!
    Unter dem Motto: es nützt nicht nur nichts keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein sie auszudrücken!

  20. Bernhard Kling sagt

    Geld für Dinge ‚rauszuhauen, die nicht „preis-wert“ sind, kann für manche Leute schon Befriedigung genug sein. Blöd bloß, dass dies all den vernüftig denkenden Banausen so schwer vermittelt werden kann.

  21. schade, dass mit so viel negativen Emotionen über einen Gegenstand, ein Ding geredet wird. Es ist doch jedem zu gönnen, dass er eine Kamera findet und erwirbt, die seinen Bedürfnissen entspricht. Dem einen ist hohe Auflösung wichtig, einem anderen ein schönes Bokeh, ein Dritter legt Wert auf angenehme Haptik. All das ist o.k., Hauptsache es kommen gute Bilder raus. Und bei wirklich guten Bildern ist die Frage nach der Kamera
    ganz unwichtig.

  22. Stephan sagt

    … und ich habe die üblen Beleidigungen unter den Kommentaren schon gelöscht. ;-)

  23. Dabei ist soziale und kommunikative Kompetenz so wichtig, wenn man gute Fotos machen will. Leider scheint es dafür nur ganz wenige Kurse zu geben. Stattdessen kann sich der „ernsthafte Amateur“ aus einem überbordenden Angebot an Technikworkshops aussuchen, was zu ihm passt.

  24. Stephan sagt

    Ach, es gibt bestimmt auch unausstehliche Zeitgenossen, die gute Fotos machen. ;-) Jeder soll einfach machen lassen …

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