Minnispunktar – isländische Notizen

Allgemeines / Service

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Waren die letzten Beiträge zum Island-Urlaub hier im Grunde kaum mehr als eine Sammlung von Impressionen mit Bildunterschriften, will ich in diesem Post nun die Kameras und die sonstige Auswahl an Ausrüstung ebenso skizzieren, wie zusammentragen, was ich nach meinen Erfahrungen empfehlen möchte und wovon ich abrate. Keinesfalls erhebe ich bei den Tipps den Anspruch, das Land in dem Maße zu kennen, dass ich allumfassend Auskunft geben kann, aber ich darf meine Eindrücke teilen.

Kameras

Als die Pläne, nach Island zu reisen, langsam reiften, legte ich mir schon die Argumente zurecht, wie ich meiner Frau gegenüber den Kauf einer Hasselblad XPan begründen könnte. In Zeiten, in denen das Zinsniveau in Europa auf Spareinlagen einer schleichenden Enteignung gleicht, klang Hasselblad nach Geldanlage. Ich kaufte sie, ich verliebte mich in sie und musste sie wegen eines kaputten Messsuchers kurz vor Reiseantritt zu Fototechnik Wiese in Hamburg zur Reparatur bringen. Rechtzeitig war sie jedoch wieder instand gesetzt und sie tat freudig ihren Dienst in Reykjavik und bei den Ausflügen in die Natur, wobei das 45mm zumeist das Objektiv der Wahl war, das 90mm nur selten zum Einsatz kam. Die zweite analoge Kamera war eine Fuji Klasse S mit Normalbrennweite, die ich mit einem Kodak Elitechrome geladen als eine Art Schnappschusskamera benutzte, habe ich doch schon die letzten Urlaube allesamt auch auf Diafilm dokumentiert.

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So ganz verzichten wollte ich auf eine digitale Kamera aber nicht und es lag so nahe, meine Sony NEX-6 mit in die Tasche zu tun, doch als man mir bei Pentax anbot, dass ich doch noch einmal mit der Ricoh GXR würde spielen dürfen, packte ich meine Voigtländer 4.5/15mm und 4/25mm sowie das Zeiss 1.5/50mm mit M-Bajonett ein, wobei ich in der Praxis zumeist das Ultraweitwinkel benutzen sollte, um die Weite des Landes noch ein bisschen mehr zu unterstreichen. Das mir ebenfalls mitgegebene „Kompaktkamera-Modul“ mit riesigem Zoom-Bereich nutzte ich dagegen selten. Was mir bei übrigens meiner ersten Begegnung mit der GXR gar nicht aufgefallen war, aber jetzt umso mehr Beachtung fand, ist der Umstand, dass man als längste Belichtungszeit 180 Sekunden einstellen kann ohne in den Bulb-Modus gehen zu müssen. Das ist schon sehr komfortabel, wenngleich sie in dieser Disziplin von der neuen GR um Längen geschlagen wird.

Zubehör

Da ich wild entschlossen war, Langzeitbelichtungen zu machen, musste natürlich auch ein Stativ mit und da fiel meine Wahl auf das Cullmann Magic 355 Compactpod, das sich in Hamburg auch bei für hiesige Verhältnisse starkem Wind sehr gut bewährt hat. Allerdings ist Wind auf Island eine ganze Ecke kerniger und so reichte die Stabilität des so wunderbar kompakten Dreibeins, das perfekt in das Laptopfach des Crumpler Jackpack Half passt, dann und wann nicht aus. Das Stativ, das hier wirklich bestehen will, muss weiter spreizbare Beine haben, stabilere Stege und die Möglichkeit bieten, beschwert und/oder gar verankert zu werden. Das ist in dem Preissegment vermutlich nicht möglich, aber es wäre sehr hilfreich gewesen, wenngleich mir dennoch Langzeitbelichtungen gelungen sind.

Darüber hinaus hatte ich unter anderem noch folgendes Equipment mit eingepackt, als da wären Filmboxen für zehn Kleinbildfilme, einen Drahtauslöser, eine Wasserwaage für den Blitzschuh, eine Stativplatte, wobei es gerne zwei hätten sein dürfen, einen Ersatzakku, das iPad mit SD Card-Reader als Imagetank und schließlich ND10-Filter in verschiedenen Durchmessern.

Fotofachhandel

Ich war ja, Leser mit gutem Erinnerungsvermögen werden sich vage erinnern, sehr gut ausgestattet und musste den Fachhandel gar nicht weiter bemühen, doch ist es doch immer gut zu wissen, wo man im Falle eines Falles einkehren könnte.

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Als wir nun in der Galerie Fotografi (Skolavörðustigur 4a) standen, fragte ich den Besitzer doch einfach, wo man zum Beispiel noch Filme würde kaufen können, worauf er mir, in seiner Sammlung alter Kameras sitzend, zwei Visitenkarten reichte und ich will gerne mit euch teilen, welche Geschäfte er mit dieser lässigen Geste empfehlen wollte: Reykjavik Foto in der Laugavegur 51 und Foto Val in der Skipholti 50B.

Verköstigung

Zu einem guten Urlaub gehört ja auch, dass man sich an Speis und Trank laben kann und das haben wir nach unserer Einschätzung ganz gut hinbekommen. Nachdem wir am ersten Abend bei SS pylsan am alten Hafen auf den Spuren von Bill Clinton und James Hetfield wandelten und den angeblich besten Hot Dog der Insel aßen, folgten wir später Hendryk M. Broder, der das Café Paris in der Altstadt als einen seiner bevorzugten Orte beschrieben haben soll.

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Vielleicht wäre es auch einer unseren liebsten Orte geworden, wenn nicht Islandic Fish & Chips, unweit des Museums für Photographie, derartig leckere Kost feilgeboten hätte. Häufiger eingekehrt sind wir schließlich im Café Stofan in der Aðalstræti 7, wo sich trotz zentraler Lage eher der Isländer als der komplett durch Globetrotter durchgeshoppte Tourist niederlässt.

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Route 42

Aufpassen muss man auf Island, wenn man sich auf eigene Faust auf den Weg macht. Nicht umsonst, wird man nachdrücklich gebeten, vor längeren Touren seine Route zu hinterlegen, damit die Suchmannschaften schneller fündig werden können. Ich hatte nur für einen Tag ein Auto gemietet und wollte auch nur ein bisschen in den Westen, an der Küste entlang bis an die Spitze bei Garður, dann nach Süden bis Grindavík und schließlich ab Krysvík über die Straße 42 nach Norden nach Hafnarfjörður, um von dort zurück in die Hauptstadt zu fahren. Wir folgten einem Hinweis im DUMONT-Reiseführer (2012, S. 129), weil man dort noch einmal einen schönen Blick auf die Landschaft haben sollte. Abgesehen davon, dass es eigentlich überhaupt keine Chance gab, anzuhalten um Fotos zu machen, verschwieg Sabine Barth in ihrem Tipp, dass diese Straße nach einigen Kilometern leider keine Asphaltstraße mehr ist, sondern eher eine verdichtete Piste, deren Befahren die Autovermietungen eigentlich überhaupt nicht gerne sehen, aber am Ende musste ich da ja wieder raus und zu wenden war nicht wirklich möglich.

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Mein Tipp daher: versorgt euch mit guten (sic!) Straßenkarten und sprecht ggf. die geplante Route mit dem ortskundigen Verleiher durch. Ich hatte dank eines Datenroaming-Pakets von Vodafone am Ende auf Google Maps‘ Navigation vertrauen können, weil unsere Karten – inklusive der des Verleihers – nicht so gut waren, wie angenommen. Wer schlecht im Kartenlesen ist, könnte sich ja vielleicht dafür zu begeistern, eine geführte Tour im martialischen Geländewagen von Arctic Trucks zu buchen. Ich könnte mir vorstellen (sic!), dass man da als Fotograf noch ganz andere Ecken der Insel zu Gesicht bekommt.

Shopping

Für viele Menschen ist es unerlässlich, im Urlaub einzukaufen, auch in Ländern, die gemeinhin teuerer sind als Deutschland. Auch ich wollte unbedingt etwas kaufen und zwar eine Regenjacke der Firma 66°NORTH, die auf Island omnipräsent ist. Die Jacke hatte ich im deutschen Onlineshop schon gesehen, wollte mir aber vor Ort (Bankastræti 5) einen Eindruck verschaffen. Am Ende habe ich sie dann nach Anprobe usw. in Reykjavik gekauft, doch sollte man bedenken, dass sie auch bei Inanspruchnahme von „Duty Free“, was angeboten wird, teurer sein kann als bei Bestellung aus Deutschland. Ich verweise daher noch auf den von mir nicht aufgesuchten Outlet-Store in der Faxafen 12 und auf den Duty Free Shop am Flughafen in Kevlavik. Allerdings ist der Urlaub ja schon vorbei, wenn man am Airport ist und damit gewiss einige Tage, an denen man sich eine solche Jacke o.a. gewünscht hätte.

Islandpullover sind dagegen scheinbar das typische Mitbringsel, doch ich habe nicht zuletzt ob der vermutlich angemessenen und doch hohen Preise davon Abstand genommen und nur noch – im Mai! – eine leichte Lammwollmütze bei Icewear (Þingholtsstræti 2-4) günstig erstanden.

one more thing …

Wir sind mit SAS und Icelandair über Kopenhagen gereist und während mir fast einleuchtete, dass man auf dem kurzen Sprung nach Dänemark trotz frühster Stunde kein Frühstück bekommt, nicht einmal ein Heißgetränk inklusive hat, war ich schon sehr enttäuscht, dass auch während der drei Stunden nach Island – abgesehen von einem Kaltgetränk – nichts angeboten wurde. Ich musste mir ein Baguette mit der Kreditkarte kaufen. Das mag bei den Billigfliegern hinnehmbar sein, aber auf derartigen Linienverbindungen halte ich es tatsächlich, und da lasse ich mir zu gerne ein gewisses Anspruchsdenken vorwerfen, für nicht akzeptabel. Ich werde Gesellschaften mit einem so beschränkten Service nach Möglichkeit in Zukunft meiden. Ich idealistischer Träumer.

Dass ich mit meinem Peli 1510 Carry On Koffer Schwarz (amazon-Link) mal wieder Probleme beim Einchecken des Gepäcks und beim Umsteigen hatte, sei am Rande erwähnt. Ich bin es kaum anders gewöhnt. „No, no tools and no weapons. Just my pants.“

Ach, da wäre dann doch noch ein echter Profitipp: Viele Analogkameras brauchen Batterien – spottet nur! – und am Flughafen Kopenhagen gibt es ein kleines Elektrogeschäft, das CR2-Batterien führt.

66° North Regenjacke Snaefell Men’s Jacket kiwi green (CAMPZ via amazon)

2 Kommentare

  1. Rainer Duesmann sagt

    Hallo,
    danke für den interessanten Bericht und die Fotos.
    Als GXR Nutzer möchte ich gerne wissen ob man in Hamburg zur Zukunft des Systems etwas verlauten liess?

  2. Stephan sagt

    Mir hat niemand etwas darüber gesagt. ;-)

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