Von Fotos, die ich hätte machen sollen

Photographie

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Jedes Mal, wenn ich mir die Bilder meines kurzen Urlaubs in Tokyo ansehe, ärgere ich mich darüber, dass ich im Herbst 2005 viel zu wenig Interesse daran hatte, ordentliche Aufnahmen mit nach Hause zu bringen und stattdessen an Funktionsweise der preiswerten Kamera und Bildausschnitt so rudimentär interessiert zu sein, dass ich wünschte, mir heute selbst in den Hinter treten zu können.

Nun bin ich aber nur sehr bedingt ballettbeweglich und so muss ich Mittel und Wege finden, die angemessene Selbstkasteiung auf andere Weise zu betreiben. Ich lasse also Revue passieren, welche Bilder ich mir haben entgehen lassen, was besonders schmerzhaft ist, wenn Können nunmehr hinreichend vorhanden und Aufwand vor Ort in überschaubaren Rahmen geblieben wäre. Vielleicht ist es euch ja auch einmal so ergangen. Ausschließen wollen wir das alles nicht.

Quäle ich mich also zunächst mit Tokyo, was geographisch am weitesten von Hamburg entfernt ist und die Wahrscheinlichkeit, dass ich zeitnah dorthin zurückkehre besonders gering ist. Ich habe versäumt, am Harajuku Bahnhof am Rande des Yoyogi Park die Gothic-Szene gewissenhaft abzulichten – obiges Bild ist die Perle aus dem verwackelten Mist – und auch die absolut sehenswerten Rockabillies fehlen unbedingt in meinen Fotos, obwohl ich sie mir begeistert und verstört angesehen habe.

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Das nächste Bild, das ich nicht machte, liegt gar nicht so lange zurück. Auf meinem Urlaub auf Island fuhr ich bei wirklich schlechtem Wetter über die Straße 42 und meine Stimmung war unten im Keller, wie ich bzw. meine Frau hier glänzend illustriert. Wir fuhren also diese Straße entlang, der Asphalt verschwand, was nicht hätte passieren dürfen und die Piste bestand nur noch aus Asche, wie die Hügel drumherum, der Strand rechts von uns, der nicht hätte da sein dürfen und alleine orangefarbende Kunststoffpfeiler gaben dem Ganzen im Nebel etwas Struktur. Ich hätte aussteigen sollen und das festhalten müssen, aber ich wollte nicht aussteigen, ich wollte da weg. In Reykjavik wusste ich schon lange, dass ich mir die Zeit hätte nehmen sollen.

Zu meiner Überraschung ärgere ich mich auch darüber, in New York City nicht das typische Bild der Brooklyn Bridge gemacht zu haben, ich stand nur links von der Brücke und schaute auf den Süden Manhattens. Gewiss darf man behaupten, dass das Motiv schon so dermaßen weggeknipst wurde, aber dennoch hätte ich gerne versucht, vom abgelutschten Standort etwas anderes hinzubekommen. Jetzt weiß ich nicht, ob mir das möglich gewesen wäre.

Zum Ausklang nach diesem unvollständigen Rückblick sei aber versichert, dass der Ärger verraucht ist, ein wenig Bedauern übrig bleibt und ich zum Glück auch schon viele Bilder gemacht habe, die ich hätte machen sollen und in denen ich auch zur rechten Zeit am rechten Ort war. Fotografieren ist schon ein ziemlich geiles Hobby!

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