Panasonic Lumix GX7 – die Betrachtung

Betrachtungen / Photographie / Test

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Eigentlich hatte ja ein Blogger-Event stattfinden sollen, doch an dem hatte ich nicht teilnehmen können und dann wurde es in der geplanten Form ganz abgesagt – ich konstruiere da jetzt aber keinen direkten Zusammenhang. Nun begab es sich aber so, dass Panasonic und die Agentur JDB einige gut gefüllte Fototaschen durch diese und angrenzende Republiken schickte und die Blogger bat, Rückmeldung zu geben. So kam es, dass in letzter Zeit so einige Berichte zu der kleinen Systemkamera in den Readern der Interessierten landete.

Wer ausschließlich einen Abriss über technische Daten, die genannt werden, oder über Dinge, die die Arbeit des Fotografen nahezu überflüssig machen, erwartet, der wird mit dieser Betrachtung nicht glücklich werden. Dies ist mein subjektiver Eindruck, den ich in wenigen Tagen, die ich die Kamera nutzen konnte, gewonnen habe. Für mich stehen Bedienung und der Gesamteindruck dieses Werkzeugs im Mittelpunkt. Am Ende ist es heute doch zu oft so: It’s not the fucking camera!

Man möge mir diese verbale Entgleisung verzeihen, aber im Vergleich zu dem, was mir Trolle in den letzten Wochen wegen eben dieser Betrachtung an Beleidigungen an den Kopf geworfen haben, ist diese Ausdrucksweise im höchsten Maße vornehm. All jenen, die sich jetzt schon über diese Zeilen aufregen: Es besteht kein Zwang zur Lektüre!

Weiter im Text:

Bekommen haben die wohl meisten von den Bloggern jeweils für einige wenige Tage die Panasonic Lumix GX7, das Leica DG Summilux 1.4/25mm, das G Vario 3.5-5.6/14-42mm, das X Vario 2.8/35-100mm und das Leica Macro-Elmarit 2.8/45mm – das alles stilvoll verpackt in einer Lowepro-Tasche. Man könnte meinen, es sei ein Rundumsorglos-Paket, wenn man sich auf das System einzulassen bereit ist.

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Ich habe mich ja schon vor einiger Zeit auf eine Systemkamera eingelassen und zwar auf die Sony NEX-6 (amazon-Link), die damit für mich die Messlate in dieser unglaublich kritischen Betrachtung darstellt. (Mir möge keiner damit kommen, dass die GX7 eine Gegenlichtblende auf dem Objektiv hat und die NEX-6 nicht – das sehe ich selbst!)

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Der erste Eindruck – Die GX7 kommt wertig verarbeitet mit einem Metallgehäuse und dicker Gummierung daher und überraschte mich schon ein wenig ob der doch gewissen Größe, so überragt sie die NEX-6 in jede Richtung um einige Millimeter. Sie liegt gut in der Hand, wobei mir der Handgriff der Sony für meine großen Händen noch besser gefällt. Die Bedienung ist zunächst einmal sehr einfach und dann gibt es die erste absolut positive Überraschung beim Blick durch den um 90 Grad nach oben klappbaren elektronischen Sucher: das Bild ist sehr brilliant und bei Dunkelheit fast rauschfrei, aber für mein Dafürhalten auch etwas klein geraten – dennoch dem der NEX doch ein klares Stück überlegen.

Ich habe das 14-42mm-Standardzoom sehr schnell getauscht gegen das 1.4/25mm mit dem Leica-Schriftzug und hatte mir da haptisch etwas mehr erwartet. Gewiss ist es sehr ordentlich verarbeitet, hat mit der rot/orangen „25“ auch ein Zitat der „echten“ Leica-Objektive am Start, aber nicht zuletzt, weil mir die Zeiss-Objektive für Sony bekannt sind, fehlt mir da was. Auch im Vergleich zur neuen Olympus PEN E-P5 (amazon-Link), die jedoch keinen eingebauten EVF hat, sind für den Body einige kleine Abstriche zu notieren, aber zieht man andere Lumix-Modelle, wie die G2 heran, ist ein sehr großer Sprung nach vorne gemacht worden.

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Ausstattung – Um sich in der Klasse der hochwertigen Systemkameras zu etablieren, hat die Lumix einiges an Bord: von absolut verzichtbaren Effekten bis zum WiFi-Modul samt NFC (Near Field Communication)-Technologie. Der Ansatz, die Kamera mit Smartphone oder Tablet zu verbinden, ist so neu nicht und mit der Panasonic Image App steht dem Benutzer ein augenscheinlich starkes Werkzeug zur Verfügung. Man kann so zum Beispiel Weißabgleich, ISO oder Belichtungskorrektur einstellen und per Fingerdruck fokussieren. Nur auslösen wollte die Kamera nicht, was ich auf die Vorserien-Firmware ober für mich nicht intuitive Bedienung schieben würde. Was den Funktionsumfang betrifft, ist es Sonys bisheriger Lösung weit voraus, da geschossene Bilder offenbar auch sofort auf das externe Gerät gestreamt werden können. Funktioniert hat diese Funktion bei meinem Vorserienmodell noch nicht.

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Sensor, ProzessorFourThirds-Digital-Live-MOS-Sensor, 16 Megapixel
Venus-Engine-Bildprozessor
Live-View-Sucher:2.760.000 Bildpunkte, 90° hochklappbar
Display: Auf-/ab-klappbarer 7,5cm-Touchscreen-LCD-Monitor, 1.040.000 Bildpunkte
Bildstabilisator: Optische Bildstabilisierung per Sensor-Shift
Aufnahmeformat:RAW/JPG/MPO
Video:Full-HD-Video 1.920 x 1.080/50p, AVCHD-/MP4-Format, Stereoton
Fokussierung:Variabler, schneller Kontrast-AF mit Low-Light-Funktion ab -4EV, Fokus-Peaking, Touch-AF, -AE und -Auslösung
Verschlusszeiten:1/8000 - 60sec
Blitz:Pop-up-Blitz LZ 5 (ISO 100)
Anschlüsse:HDMI, Stereo-Mikro, Fernbedienung
Größe: 122,6x70,7x43,3mm
Gewicht: ca. 360g (Gehäuse)
Akkukapazität:max. ca. 350 Fotos
Sonstiges:Foto-Stile & 22 variable Digital-Effekte, manuelle Zeit-/Blendenwahl auch bei Video
Intelligente Automatik mit iA+ koordiniert u.a. die Funktionen:
Motiverkennung, Optischer Bildstabilisator (OIS), Gesichtserkennung und
-identifizierung

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Bildqualität – Ich empfand, dass, was grundsätzlich aus der Kamera kommt, gut ist, aber da die Firmware noch nicht final ist, darf mein schwammiges Urteil nicht endgültig sein. Die beigefügten Schnappschüsse illustrieren es dennoch ganz gut. In Verbindung mit dem Leica 25mm sind sehr feine Freistellungen möglich, ein Shooting bei verfügbarem Licht brachte sehenswerte und eigentlich auch vorzeigbare Ergebnisse, alleine die Freigabe dafür fehlte. In den wenigen Netto-Stunden, die ich die Kamera mit den mitgelieferten Linsen habe testen können, ist kein Bild entstanden, wo ich kritisch auf Fragmente oder kernige Verzeichnungen hätte hinweisen müssen.

Video – Das mag einige nun überraschen, andere maßlos ärgern, aber ich habe diese Funktion, die – so hört man – sehr gut funktioniert und sehr gute Ergebnisse liefern soll, nicht benutzt. Ich filme nie, es interessiert mich nicht. Es wird andere Quellen geben, die darüber entsprechend Auskunft geben können.

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Bedienung – Trotz ihrer kompakten Abmessungen sind die gebräuchlichsten Funktionen dank einer ausreichenden Anzahl von Knöpfen auf dem Gehäuse direkt und schnell erreichbar, sogar die Umschaltung zwischen AF und MF ist ohne Umweg ins Menü zu vollziehen. Mit zwei Stellrädern können im M-Modus Blende und Verschluss beeinflusst werden. Der klappbare Sucher mit 2.7 Millionen Pixeln ist ja schon wohlwollend genannt worden, das „In Cell Touch LCD-Display“ ist ebenfalls klappbar und bietet ebenfalls eine gute Wiedergabe. Das lautlose Auslösen wird von Panasonic ebenfalls beworben und gewiss gibt es einige Situationen, in denen es hilfreich ist – mir gefällt es nicht, ich mag mechanische Auslösegeräusche. Wo ich einige Abstriche machen möchte, ist der Autofokus, der nicht immer zuverlässig traf, was aber auch an der Vorserie liegen könnte.

Was kostet der Spaß? – Das Gehäuse alleine schlägt mit 999,00 Euro zu Buche und liegt damit über 30% über einer Sony NEX-6. Mit dem 1.7/20mm Objektiv werden für die GX7 dann 1.199 Euro fällig, das 14-42mm spart im Vergleich dazu einhundert Euro. Für das 35-100mm-Objektiv werden 1.299 Euro abgebucht, das Leica 1.4/25mm kostet 629 Euro und das Macro sollte einem 799 Euro wert sein.

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Fazit – In den wenigen Tagen, die sich die Kamera da und die Zeit hatte, sie zu nutzen, hat sie im Großen und Ganzen einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlassen. Es gibt aber auch einige kleine Kritikpunkte, die ich nicht unter den Teppich kehren möchte und der betrifft das 3 Zoll-Display. Wenn man diese um 90 Grad nach oben klappt und die Kamera vor den Bauch hält, spricht der Sensor des EVF schon an, wenn man 10 cm von diesem entfernt ist. Das lässt sich durch das Hochklappen des EVF abwenden, aber eine geringere Empfindlichkeit sollte in der finalen Version eingestellt werden. Man berichtete mir, dass man dieses selbst hätte einstellen können, aber da die Kamera ohne Dokumentation kam, konnte ich das nicht nachvollziehen, im Menü habe ich es nicht gesehen.

Auch die zweite Anmerkung betrifft das Display, das unten mit dem Gehäuse abschließt. Schraube ich eine Manfrotto-Stativplatte unter die Kamera – und es gibt Menschen, die das tun – sollte man das Display schon vorher etwas hochklappen, sonst ist es fixiert.

Ich hatte einleitend den Begriff eines „Rundumsorglos-Pakets“ bemüht, ein Paket, das mit rund 3000 Euro zu Buche schlägt. Mich schreckt weniger der Preis ab, weil man für das Geld schließlich auch einen reellen Gegenwert bekommt, mir bleibt zunächst der Sensor zu klein, zu klein, um meine manuellen Objektive glaubhaft zu adaptieren. Davon abgesehen hat Panasonic einen starken Konkurrenten gegen die Olympus PEN E-P5 ins Rennen geschickt, die sich, so alles klappt, demnächst in meinem Testlabor einfindet.

Link: Kampagnen-Seite von Panasonic

Update 16.09.2013: Die Serienmodelle kommen nun nach Deutschland in sind ab dieser Woche im Handel erhältlich.

Update 23.09.2013: Einige Änderungen/Ergänzungen

7 Kommentare

  1. Stephan sagt

    Ja? Dann fehlte mir dafür wohl Geduld, wie einem weiteren Rezensenten, der gegenüber der Agentur gleiches anmerkte. Schlau wäre die Einstellmöglichkeit. ;-)

  2. Wie schlägt sich den die GX mit 25mm 1.4 zur NEX 6 mit 35mm 1.8?
    Welche Kombination würdest du favorisieren?

  3. Stephan sagt

    Hallo Joe! Um deine Frage zu beantworten fehlt mir leider das 1.8/35mm und nun auch die GX7, die ich schon wieder haben zurückgeben müssen nach viel zu kurzer Zeit. Ich empfand das 25mm von Leica als wirklich interessante Linse, wobei ich als „immer drauf“ vermutlich etwas mehr Weitwinkel genommen hätte.

  4. Joris sagt

    Hallo,
    ein sehr interessanter Artikel!
    Ich schwanke gerade bzgl. Kaufentscheidung zwischen der Nex-6 und der GX-7.
    Lohnt sich der Mehrpreis der GX-7?
    Bezüglich der Werte sind die Modelle ja oft fast identisch, die Nex hat in manchen Punkten sogar eher die Nase vorn (z.B. Serienbildfunktion etc.)
    Was war dein Eindruck im direkten Vergleich?
    Gruß – Joris

  5. Stephan sagt

    Hallo Joris, diese Frage zu beantworten, ist so leicht nicht, da ich nicht weiß, was Du zu fotografieren vor hast. Ich schlage vor, Du nimmst in Fachhandel beide Kameras zu Hand und probierst ein wenig herum. Am Ende ist es mit beiden Apparaten gut möglich, gute Bilder zu machen.

  6. Hallo Joris, heute kann man sagen, es gibt eine Antwort auf deine Frage, die neue Lumix DMC-GM1K, gleicher Sensor nur noch kompakter und preiswerter , also Warten kann sich lohnen.

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