Sony QX100 – die Betrachtung

Betrachtungen / Photographie / Test

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Kein Sucher, kein Display, keine RAWs, kein Blitz, nicht einmal ein Netzstecker, um den Akku in der „Kamera“ aufzuladen und das alles für einen Listenpreis von rund 450 Euro, der mittlerweile (Juni 2014) auf einen Straßenpreis bei amazon.de von 290 Euro gefallen ist. Das klingt nicht nach einem Schnäppchen, aber wenn man sich vor Augen hält, dass man im Grunde eine RX100 II – so sagte man mir auf dem Alpha-Festival – bekommt, nur eben ohne Display, Blitz oder Blitzschuh, für einige Hundert Euro weniger, könnte man annehmen, einen verdammt guten Deal zu machen.

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Ob man das tut, will ich hier – in einem nach Update der Sony PlayMemories-App und meinem neuen Wissen über die Arbeit mit Android überarbeiteten Beitrag – versuchen zu beantworten und es wird vielleicht ein wenig kompliziert. Handeln wir also die technischen Daten der QX100 mit einem Link auf die Webseite von Sony Deutschland soweit ab, dass nur noch festgehalten wird, dass der Chip mit einem Zoll recht groß ist, 20,2 Millionen Pixel aufzunehmen hat und mit einem Zeiss-Objektiv mit einer im Kleinbild 28-100mm entsprechenden Brennweite aufwartet und eine Anfangsblende von f1.8 wahrlich beeindruckend klingt.

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out of cam, ISO 3200, f1.8, 1/5 sec.

Das Objektiv ist für das einer Kompaktkamera fraglos eine sehr gute Scherbe und der Prozessor ist mehr als brauchbar, wie meine kleinen Reviews zu RX100 und RX100 II untermauern sollen, aber so spannend, wie die Lichtstärke klingt, ist sie dann doch nicht. Im Telebereich haben wir mitunter eine „Offenblende“ von f4.9, gerade da, wo für Portraits etwas mehr Bokeh ganz schön wäre. Das muss eine Kompaktkamera bestimmt nicht leisten, aber wenn man auf die f1.8 schon so oft in den Vordergrund schiebt, sei ein Blick ans andere Ende gestattet. Mitbewerber geben an, lichtstärkere Objektive zu verbauen, allerdings bei zum Teil deutlich kleineren Sensoren, was wieder sehr für das spricht, was Sony mit der QX100 anbietet.

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Sensorgrößen im Verhältnis – freilich nicht tatsächliche Abmessungen

Soweit so normal, muss ich nun doch auf das Spezielle der QX-Reihe, die noch die kleinere QX10 umfasst, eingehen. Da diese Geräte sowohl zu Android- als auch zu iOS-Geräten kompatibel sein sollen und in der Regel, wenn überhaupt, nur per Klammer oder als Xperia Z oder Z1 per „Handyschale“ (siehe oben) mit diesen verbunden sind, findet die Verbindung zu Smartphone oder Tablet über WiFi statt. Sony-Geräte mit Nahfeldkommunikation (NFC) koppeln in der Regel relativ schnell, bei einem iPhone/iPad ist es mitunter schon etwas lästiger, schließlich muss man in den Einstellungen den Hotspot, den die Kamera aufbaut, auswählen. Diese Verbindung ist nach dem Update der App schneller geworden, aber für das schnelle „Kamera raus und abgedrückt“ ist es doch immer noch zu aufwändig. Da erhoffe ich mir in Zukunft noch Verbesserungen. Ist das Duo aber erst einmal verbunden, kann man zum Beispiel auf einer Feier munter losknipsen.

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Sony hat ja vor einiger Zeit mitgeteilt, dass man auch externe Entwickler einlädt, an der Weiterentwicklung der Software mit zu arbeiten, und das ist durchaus nötig. Es stehen dem Nutzer derzeit nur rudimentäre Einstellmöglichkeiten zur Verfügung. Man darf sich drei Automatiken hingeben oder die Blende bestimmen. Es ist weder möglich, die Verschlusszeit zu bestimmen, noch – und das macht es dann etwas schwierig – die ISO einstellen. Dass die App darüber hinaus noch einigen Komfort mehr, die die Anzeige des Telefonakkus, zumindest bei Sony-Geräten, bieten könnte, notieren wir mal mit Bleistift, aber die Beschränkungen für die unmittelbare Fotografie sind durchaus „ungewohnt“, vor allem, wenn man die RX100 und deren Nachfolger kennt.

Auf Nachfrage gab man mir zu bedenken, dass das Gros dieser angesprochenen Defizite durch ein Firmware-Update zu beheben sind – der Ist-Zustand ist der zur IFA 2013 in Berlin und manchmal muss man eben Termine einhalten. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die GPS-Daten erfasst oder vom Telefon übernommen werden. Ich habe keine derartige Option gesehen und auch die Kollegen von dpreview vermerken ein „No“ bei der Frage, ob GPS angeboten würde. Ob das per Firmware zu lösen ist, und wenn ja, für welche Plattform, vermag ich nicht zu sagen. Was ich mich gleich zu Beginn gefragt hatte, war, ob der zusätzliche Akku-Verbrauch beim iPhone mich besonders stören würde, wo ich denn oft genug am Abend bei nur noch 10-20% bin. Dem war nicht so. Wenngleich das Display vermutlich immer ähnlich viel Strom verbraucht, wenn es eingeschaltet ist, bin ich in den Testtagen niemals mit leeren Akku zum Aufhören verdammt worden. Das wird aber gewiss nicht klappen, wenn man Telefon mit QX den ganzen Tag „im Anschlag“ hat.

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out of cam, ISO 160, f8, 1/180 sec.

Fazit – Ich finde es mutig und sehr interessant, dass Sony sich immer wieder vorwagt und vielleicht ungewöhnliche Projekte bis zur Serienreife bringt. Dass sich die Japaner getraut haben, mit der RX1 eine kompakte Vollformatkamera oder mit der A7(R) eine Systemkamera mit Vollformat auf den Markt zu bringen, hat mir durchaus imponiert, auch die Abkehr von der klassischen DSLR war gewiss ein Wagnis, wie nun auch die QX100 – mehr noch als die kleine Schwester, die QX10. Man hat damit mehreren Punkten Rechnung getragen: 1) Immer mehr Fotos werden mit dem „Handy“ gemacht und geteilt. 2) Warum sollte man die Kunden für etwas extra zahlen lassen, was sie ohnehin immer bei sich haben: den mobilen Internetzugang und ein Display?

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Insgesamt gilt es also festzuhalten: Es funktioniert, aber nicht nur die im Text von mir aufgeführten Hürden, Beschränkungen oder der so überschaubare Lieferumfang ließen mich skeptisch zurück, auch die schiere Größe eines Gerätes, das vom Verzicht lebt, irritiert mich – und andere, wenn ich mit angesetzter Kamera mal ans Telefon gehen muss! (ó_ò)

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Die QX100 ist betriebsbereit viel tiefer als meine aktuelle „Immer-dabei“ Ricoh GR. Die hat zugegebenermaßen nur eine Festbrennweite, aber auch einen ausgewachsenen APS-C-Sensor an Bord, ist viel schneller bereit, bietet mir die vermissten Einstellmöglichkeiten und ist damit als Fotoapparat unterwegs für meine Zwecke viel geeigneter, aber sie ist auch viel teurer! Da könnte man auf das eingangs skizzierte Argument von der Kostenersparnis wieder aufgreifen …

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Two more things … Wirklich Spaß gemacht hat die QX, wenn ich sie auf ein Lichtstativ gesetzt und sie dann auf eine Höhe von drei bis vier Metern hochgefahren habe. Aus der Höhe hat man eine ganz andere Sicht auf die Dinge, läuft aber auch Gefahr, von Passanten angesprochen zu werden – ich rang mit dem Gedanken, eine Landvermesser-Jacke mit Leuchtstreifen anzuschaffen.

So sehr ich noch diese und jene Funktion in einem – hoffentlich zeitnahen – Firmware-Update noch erhoffe, so interessiert waren doch jene Menschen aus meinem Umfeld, die sich der Fotografie als Hobby nicht hingeben und denen das Modul sehr praktisch erschien. Die QX ist also am Ende gesehen von meiner Warte aus betrachtet eine gute Idee, aber noch nicht ganz fertig und schürt die Vorfreude auf kommende Firmwareupdates.

 

Nachtrag, Juni 2014

Sony hat der Kamera mittlerweile einige Updates spendiert, so können der ISO-Wert von 160 bis 12800 eingestellt, die Blende im A-Modus von f1.8 (Weitwinkel) bis f11 und die Verschlusszeit im S-Modus zwischen 1/2000 bis 30s gewählt werden. Einen ganz manuellen Modus gibt es weiterhin nicht, die Belichtungskorrektur tröstet darüber aber in dieser Kameraklasse fraglos darüber hinweg. Eine ganze Menge neuer Features sind also dazu gekommen. Für eine Schnappschusskamera bleibt sie mir zu wenig spontan, vereinzelte Verbindungsabbrüche stören.

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