Sony a3000 – die Betrachtung

Betrachtungen

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Prolog – „Quo vadis?“ kann jeder fragen, es ist recht und billig und so gelingt uns in weniger als einer handelsüblichen Zeile der Sprung von einer ziemlich toten Sprache zu Sonys Einstiegskamera in das Segment der Systemkameras, wenn sie denn da reinfällt.

Ich hatte ja schon in den Randnotizen “eins” erklärt, dass Sony mir jetzt auch noch die 3000er in die Socke am Kamin gesteckt hatte, auch wenn ich es anders ausdrückte und am Ende den Apparat auch wieder abgeben muss. Ob mir das besonders schwerfällt, kann in oder zwischen den folgenden Zeilen gelesen werden.

Der Preis klingt heiß – Für 399 Euro Listen- und rund 275 Euro Straßenpreis (amazon) legt Sony die Latte tief für eine Digitalkamera mit APS-C-Sensor, E-Bajonett, elektronischem Sucher, bummelig 20 Millionen Pixel und natürlich einem 18-55mm Kit-Objektiv. Da kann im Moment preislich vermutlich nur die Samsung NX1100 (amazon) mithalten, aber die bietet keinen elektronischen Sucher, das gleiche gilt für die Sony NEX-3NLB, die aktuell beim Onlinehändler amazon.de für sehr schmale 289,00 Euro zu bekommen ist. Die gerade vor Weihnachten offensiv beworbene Nikon D3100 DSLR (amazon) darf als Alternative auch noch genannt werden, auch wenn der Nachfolger schon am Markt ist. Dies zur groben Einordnung – einen Vergleich will und kann ich nicht herstellen.

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Der erste Eindruck – Hartplastik im Cockpit – das bemängeln ja auch immer wieder Autotester und sie würden bei der Sony laut aufjaulen. Die Haptik ist nicht schlimm, die Kamera liegt dank des großen Griffs sogar gut in der Hand, aber „hochwertig“ ist teurer und hier nicht Teil des Lieferumfangs. „Solide“ ist ein gutes Wort, „dem Preis angemessen“ wahr, ich nenne es „zweckmäßig“ und „nicht aufregend“. Ich werfe den Apparat ohne große Skrupel in die Umhängetasche, die ich tagtäglich mit mir herumschleppe.

Die AusstattungKein Klappdisplay, kein Augensensor, kein GPS, kein NFC, kein Wi-Fi, kein eingebauter Bildstabilisator, keine Stellrädchen für z.B. Blende und Verschluss. Der Verzicht ist da, ebenso alles das, was man zum Fotografieren braucht, sogar einen kleinen Kamerablitz (Leitzahl 4 bei ISO 100) neben dem ISO-Blitzanschluss gibt es – das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, wie ich schon hatte feststellen müssen.

Gerade bei Sony sucht man auch bei teureren Kameras nach einer Ladeschale für den Akku, die gibt es hier natürlich auch nicht, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Was mir fehlt, ist die Möglichkeit, fern auszulösen – da hätte mir ein Gewinde für den Drahtauslöser völlig ausgereicht.

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ISO 16.000 ist möglich, aber – wenn man ehrlich ist – ziemlich unbrauchbar. Da gibt es qualitativ bessere Fotos von UFOs aus den 1950er Jahren.

Was fehlt, das wissen wir jetzt also, was dabei ist, sei knapp umrissen: 20,1 Mexapixel Exmor APS-C HD CMOS Sensor aus der SLT-a58, verschiedene digitale Zoom-Funktionen, Fotografierhilfen, wie „Auto Object Framing“, eine sehr brauchbare manuelle Fokussierungshilfe mit 6,8 und 13,6-facher Vergrößerung, ein 3″ Display mir 230.400 Bildpunkten, ein elektronischer 100% Sucher mit 201.600 Pixeln und Dioptrinausgleich, Kontrast-Autofokus mit 25 AF-Punkten, Verschlusszeiten zwischen 1/4.000 und 30 Sekunden, ISO-Empfindlichkeit bis ISO 16.000, Full-HD-Video, Effekte und Erkennungen und so weiter und so fort. Das alles auf 128 x 90,9 x 84,5 mm Gehäusegröße bei (leer) 353 g Gewicht.

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Die Bedienung – Nein, große Fragen wirft die Bedienung der a3000 oder ILCE-3000K, wie sie auch heißt, nicht auf. Eingeschaltet wird am Auslöser, den Hechtsprung einer dreibeinigen Bettwanze mit UHU-Kleber am Fuß entfernt findet sich schon das Programmwahlrad, dass neben den Automatiken, der Szenenwahl, der Schwenkpanorama-Funktion, dem „P-, wie Profi, Modus“ auch noch Zeit- und Blendenautomatik sowie den voll manuellen Modus einstellen lässt. Links neben dem Rad ist etwas ungünstig und doch erreichbar angesetzt der Knopf, mit dem man zwischen Display und elektronischen Sucher hin- und herschaltet. Da fehlt einem der Augensensor schon, aber wenn geiz geil ist … Komplettiert wird das Quartett oben durch den „Play“-Knopf. Auf der Rückseite bleibt es recht spartanisch oder übersichtlich. Der Video-Knopf glänzt mit rotem Punkt, darunter die aus der NEX-Reihe gut bekannten zwei belegbaren Knöpfe und das Dreh-Drück-Rad. Dass das Menü die von den NEX-Kameras bekannte und von mir nicht sehr gemochte Struktur, die von mir erwartet, dass ich weiß, was sich hinter einem der fünf Hauptpunkten verbirgt, wenn ich nicht immer wieder auf die Startseite zurückkehren möchte (vgl. auch meine Betrachtung der A7R), hat, sei am Rande – meinetwegen mit Bleistift – notiert.

Adaption – Mit den Original-Adapter LA-EA1 und LA-EA2 (mit Autofokus) ließen sich meine Linsen mit dem Minolta/Sony A-Bajonett problemlos nutzen, die Blendensteuerung funktionierte gut. Ansonsten ließen sich mit den Novoflex-Adaptern die manuellen Objektive aus meinem Schrank ansetzen und komfortabel auch mit der Zeitautomatik benutzen. Das Peaking funktioniert ordentlich, am Display für mich besser als per Sucher, aber – das sage ich meinen Freunden bei Sony immer wieder – es bleibt Luft nach oben, wobei mir die Verbesserung bei den höherwertigen Modellen des Herstellers wichtiger wären als hier.

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Die Ergebnisse – Ich will jetzt nicht durchdrehen ob der brachialen Dynamik, der gänzlich verzeichnungsfreien Ergebnisse oder der Schärfe, die japanischen Messermachern die Scham ins Gesicht treiben würde – das wäre auch unangemessen. Mehr als „befriedigend“ fallen die Ergebnisse schon mit einfachen Objektiven aus, für den Alltag, die Urlaubsbilder der Familie Mustermann ist das alles schon sehr ordentlich, was Sensor und Prozessor abliefern.

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Der Kandidatenkreis – Für wen ist diese Kamera? – Für jeden, der eine günstige Kamera mit einem recht großen Sensor zu haben wünscht, einen Sucher verlangt und vielleicht auch mal das Objektiv wechseln möchte – da stelle ich mir zum Beispiel das Sony SEL50F18 E-Mount Portrait-Objektiv 50mm /F 1,8, bildstabilisiert silber (amazon) vor, um Portraits zu machen oder Bilder bei weniger Licht oder dem Spiel mit der Tiefenschärfe. Manch einer meinte ja auch immer, ein Sony SEL-55210 E-Mount Telezoom-Objektiv 55-210mm/F 4,5-6,3 silber (amazon) zu brauchen. Ich weise noch hin auf das 2.8/30mm von Sigma (mein Test), das ich auch einmal etwas genauer unter die Lupe genommen hatte.

Ich habe meiner Schwägerin diese Kamera für eine Woche überlassen, weil sie eine Digitalkamera mit Sucher haben wollte. Diese sollte klein sein, bei höheren ISO-Werten (bis 3200) sehr brauchbare Ergebnisse liefern und unter 400 Euro kosten – es wird hinauslaufen auf Bilder vom Kind und Urlaubsschnappschüsse. Am Ende setzte sich die Sony gegen die Nikon D3100 durch, weil sie – trotz der für eine Systemkamera etwas „klobigen“ Abmessungen – kompakter und insgesamt günstiger ist, obwohl die Mitbewerberin beim Sucher die Nase pinocchioesk vorne hatte.

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out of cam, Minolta AF 1.7/50mm – ISO 800, Blende 2.0, man. Fokus auf das untere Etikett

Fazit – Ich bin nicht die Zielgruppe, die Sony mit der 3000 anspricht, auch wenn ich, was die Ausstattung betrifft, eigentlich recht genügsam bin, aber dem Apparat fehlt das gewisse je ne sais quoi, das mich einen Kauf in Erwägung ziehen lassen würde. Suchte ich einen kompakten Apparat für das Geld, wäre die gerade so günstig feilgebotene NEX-3NLB die Wahl, zumal der elektronische Sucher der a3000 wirklich nicht berauschend gut ist. Wie im oben geschilderten Fall würde ich aber – nicht zuletzt ob des attraktiven Straßenpreises – wieder nicht zögern, auch die hier besprochene Kamera zu nennen, wenn man mich wieder fragt, welchen Apparat ich empfehlen würde. Sie tut, was sie soll.

2 Kommentare

  1. Pingback: SONY A3000 ? Einsteiger-Systemkamera im DSLR Look - Seite 15 - Systemkamera Forum

  2. Der Sucher ist wirklich sehr grottig, erinnert mich an den EVF meiner Sony R1 (2005),
    sowie meiner Fuji s6500fd (2007) – aber die ILCE-3000/a3000 Sony hat etwas, was alle
    anderen DSLR/DSLM in dieser Preisklasse nicht haben (Stand: 18.1.04 – 239 Kit OVP,
    129 EUR Body Only (dslr-forum.de) : einen a) Top Sensor in dieser Preisklasse, und b)
    die Möglichkeit Altglas zu verwenden, vorzugsweise Festbrennweiten, Adapter via
    SR/MC/MD Minolta Objektive oder Konica AR auf NEX gibt’s schon <10 EUR (ebay)

    Wenn man damit leben kann, hat man haptisch (Minimalismus, Griff) einen guten
    DSLR-like Body, mit excellenten APS-C Sensor für's Geld, von anderen Herstellern
    bekommt man aktuell für den Kitpreis bestenfalls eine Canon S110 Edelkompakte
    mit 1/1.7" Sensor – klar, man darf Äpfel & Birnen nicht vergleichen, aber durch das
    Geringe Auflagenmaß schreit das NEX System (d.h. E-Mount Bajonett) geradezu
    nach günstigen Altglas. ;-) Den Namen NEX hatte Sony ja aus dem Programm gestrichen,
    alle NEX Kameras ehemals sind Alphas…auch eine Konica Erfindung…der A-Mount,
    E-Mount ist allerdings von Sony kreiert.

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