Sony RX10 – die Betrachtung

Betrachtungen

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Es gibt einen Markt für Bridgekameras. Kaum jemanden überraschte das mehr als mich, der diese Kameraklasse schon „würdelos“ nannte und nicht widersprach, als Sonys Agentur mich fragte, ob ich sie mich nicht doch interessieren würde.

Da ich sowohl die kleine RX100 (inklusive Nachfolger) wie beide RX1-Modelle betrachtet habe und beide für gute wie mutige Geräte halte, wollte ich nun also doch wissen, ob die RX10 auch das Zeug dazu hat, bahnbrechend zu sein.

Für mich waren Bridgekameras immer untrennbar verbunden mit bunten Hemden, 3/4 langen Cargohosen, Socken, Sandalen und Kurzatmigkeit – mir fielen sie auf um mitunter dicke Hälse geschlungen von Vätern und Großvätern auf Urlaub. Das ist natürlich kein so guter Start, aber gehen wir mal so ergebnisoffen wie irgendmöglich an die Sache heran.

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Nachdem ich das Rezensionsexemplar aus dem Karton, den an der vorherigen Station ein Dreijähriger während eines Tobsuchtsanfall gepackt haben muss, herausgenommen hatte, fiel mir gleich auf, dass die Kamera haptisch der dieser Klasse bislang weitgehend zutreffend zugesprochenen Qualität deutlich überlegen war. Die RX10 liegt gut in der Hand und das zweite Display oben rechts auf dem Apparat fiel als positives Detail gleich einmal auf, ebenso das doch recht hohe Gewicht von (schussbereit) rund 850 Gramm. An dieser Stelle verweise ich auch gleich einmal auf die Auflistung aller Spezifikationen auf DPReview und werde hier nur für mich relevante Daten heraussuchen.

Die gemeine Bridgekamera punktet nach Ansicht des Gros der Käufer vermutlich vor allem dadurch, dass sie über einen sehr großen Zoombereich, einen Sucher und eine zum Fotografieren angenehmen Größe verfügt. Wir haben schon notiert, dass die RX10 recht schwer daherkommt, die Leica V-Lux 4 zum Beispiel bringt nur 589,5 Gramm auf die Waage und bietet einen dem Kleinbildformat entsprechenden Zoom-Bereich von 25-600mm während die Sony „nur“ entsprechend 24-200mm bietet. Das klingt zunächst nicht sehr beeindruckend, doch da hier der aus der RX100 (II) bekannte 1 Zoll-Sensor mit 20,1 Megapixeln zum Einsatz kommt (Leica bietet nur einen deutlich kleineren 1/2,3”-CMOS mit 12,8 Megapixeln) darf man von der RX10 einige Vorteile erwarten. Da ich keine Leica oder die entsprechende Schwester von Panasonic zur Hand habe, soll es das mit dem Vergleich gewesen sein – es diente alleine der Einordnung und wann brauche ich 600mm?

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Die Bedienung geht sehr einfach von der Hand, man kann ein klassisches Menü auswählen und auch hier jenes, das ich an der NEX nicht leiden kann, damit umgehen. Im Grunde lässt sich die RX10 ebenso komfortabel bedienen, wie jede Spiegelreflex in diesem Preissegment (bei amazon.de sind es rund eintausend Euro). Ein etwas fummeliges Rädchen auf der Rückseite erlaubt die Einstellungen verschiedener Parameter, ein Programmwählrad und die Belichtungskorrektur befinden sich oben auf dem Gehäuse und am fest verbauten Objektiv lässt sich die Blende einstellen – warum das auch ungerastert geht, so dass man diese sehr leicht verstellt, schiebe ich auf Bedürfnisse von Filmern. Absolut positiv notiere ich den Augensensor und die gute Umschaltung zwischen Display und elektronischem Sucher, der kein „WOW!“ provoziert, aber mit dem man gut arbeiten kann.

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ISO 400, f2.8, 1/1600

Eine eierlegende Wollmilchsau, das Ende der Suche, die Antwort auf alle Fragen ist so eine Bridgekamera natürlich auch nicht, sonst wären Markt und und Nachfrage nicht so breit gefächert. Man muss Kompromisse eingehen, sich also einlassen auf ein recht großes Gerät, darauf, dass man beim Einschalten stets im Weitwinkelmodus beginnt und dann mitunter recht mühsam zoomen muss, weil das per Motor geschieht und nicht rein mechanisch, wie bei „herkömmlichen“ Objektiven. Das könnte für das Filmen, das ich weiterhin nicht betreibe, von Nutzen sein und konstruktionsbedingt nicht zu ändern, aber man muss es eben in Kauf nehmen. Der Autofokus könnte schneller sein, wie sogar ich finde, obwohl ich Möwen im Flug erwischt habe, aber der AF pumpt schon mal und strapaziert meine Geduld.

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ISO 400, f4, 1/640

Wie aber auch dieses Bild zweier landender Enten zeigt, wird es nicht immer am Autofokus scheitern, ein „Actionfoto“ aufzunehmen. Leider stand die Winterpause im Amateurfußball meinem Vorhaben im Wege, „Sport“ abzulichten.

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ISO 400, f4, 1/800

Die Ergebnisse sind auch bei komplett ausgereiztem Tele (73,3mm) wirklich sehr in Ordnung. Insgesamt darf man also festhalten, dass das Carl Zeiss-Objektiv mit einer durchgehenden Anfangsblende von f2.8 einen großen Anteil an der guten Abbildungsleistung – und am recht hohen Gewicht – hat.

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ISO 320, f2.8, 0.8sec

Fazit: Meine Skepsis hatte ich einleidend erschöpfend ausgebreitet und dennoch habe ich mich auf die RX10 eingelassen, zunächst fast zögerlich, aber nachdem ich sie kurz nach Erhalt mit in die Mittagspause genommen hatte und gleich zwei Kollegen (ein Familienvater und ein Hobbyfotofreund mit wenig Zeit) ganz begeistert waren, musst ich mir das doch genauer ansehen und mir die Frage stellen, ob sich mir auch vorstellen könnte, eine Bridgekamera zu kaufen.

Obwohl man das Gros der in Alltag und Urlaub auftauchenden fotografischen Aufgaben mit der RX10 mehr als absolut zufriedenstellend lösen kann, Portraits mit Freistellung kein Problem sind, sie den von mir doch immer so geschätzten Drahtauslöser-Anschluss bietet, bei minus 10 Grad Celsius klaglos ihren Dienst tat, den gebräuchlichsten Zoom-Bereich abdeckt, Wi-Fi und NFC hat, die Naheinstellgrenze scheinbar nur durch die Präsenz des abzulichtenden Objekts eingeschränkt wird und Steve Huff sich fast überschlägt vor Begeisterung … ich würde sie mir nicht kaufen.

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ISO 6400, f2.8, 1/30

Es ist nicht der Verzicht auf GPS, das mir als Interessent bei einer solchen modernen Kamera fehlen würde, der mich Abstand nehmen lässt, es ist nicht einmal der Umstand, dass ich Bridgekameras einst „würdelos“ nannte – ich selbst stehe dieser Liaison im Wege. Ich werde nicht angesprochen von „Rundum-Sorglos“, ich werde immer zufrieden sein mit einer kleinen kompakten Digitalkamera mit APS-C-Sensor und Festbrennweite, wie die Ricoh GR (amazon.de), denn darüber hinaus bleibe ich dem Film verbunden und den analogen Kameras gehört gerade auf Reisen der meiste Platz in meiner Fototasche.

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2 Kommentare

  1. Hannes Steegmüller sagt

    Ich habe vor die Sony DSC-RX10 zu kaufen. Die ist extrem sehr gut, mit so wenigen schwächen.
    Bildqualität ist sehr gut bis Perfekt.
    Videoqualität ist sehr gut bis Perfekt.
    Insgesamt ist die Sony DSC-RX10 eine extrem hochwertige absolut topkamera.
    Auf Amazon im namen HSTGM habe ich Rezension geschrieben, wie auch im DSLR forum im namen Digitalcam habe ich über DSC-RX10 geschrieben.

    Die Sony DSC-RX10 ist so geil ich muss das allen leuten sagen und alle müssen es verstehen einsehen mir recht geben und hoffe das viel mehr leute DSC-RX10 besser finden als viele im Internet schon geschrieben haben, leider wird RX10 auch schlechtbewertet, das ist nicht zu verstehen. Noch ist Bridge kamera konzept nicht überholt, und zu groß und schwer ist RX10 nicht.

  2. Loris Gerber sagt

    Die RX 10 eignet sich vor allem als Reisekamera.

    Wenn man nicht all zu viel Gepäck bei sich haben will, zum Beispiel auf Trekkingtouren, dann ist die RX 10 die perfekte Wahl.

    Für Schnappschüsse oder für unerfahrene Knipser ist diese Kamera definitiv nicht gedacht. Man muss schon Ahnung haben vom Fotografieren, sonst wird das nichts. Meiner Meinung nach sollte man eine Kamera mit so vielen Möglichkeiten grundsätzlich nicht im Automatikmodus bedienen. Das wäre wie wenn man im Cockpit eines Passagierflugzeuges mit eingeschaltetem Autopilot sässe, und hinterher behauptet man wäre geflogen.

    Wer auf Reisen zusätzlich noch eine Canon PowerShot SX600 HS oder eine vergleichbare Kompaktkamera im Handgepäck mitführt, kommt Grundsätzlich mit einem Lächeln nach Hause und bringt hammer Fotos mit.

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