HasselWhat

Photographie

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Ich liebe Hasselblad, habe mir zu meiner großen Freude das Geld zusammensparen können für zwei Geräte aus dem schwedischen Hause, wobei die XPan natürlich eine Japanerin ist, die vielleicht mal einen Elch gesehen hat.

Nun ist auch bei Hasselblad schon vor einigen Jahren das digitale Zeitalter eingeläutet worden – die Produktion der klassischen 503cw, für die es auch ein Digitalrückteil gibt, wurde im vergangenen Jahr eingestellt – und die in Zusammenarbeit mit Fujifilm realisierte H-Reihe ist gerade in der digitalen Studiofotografie etabliert. Jetzt hat sich Hasselblad den „Consumer-Markt“ vorgenommen und das in einer Art und Weise, die in meinen Augen nur Spott und Unverständnis verdient. Der Investor, der Hasselblad im Jahr 2011 gekauft hat, scheint wild entschlossen, mehr Gewinne aus der Marke zu ziehen – offenbar selbst, wenn die zu diesem Zweck erdachten Produkte dem guten Namen schaden könnten.

So brachte Hasselblad im Herbst 2012 eine verkleidete Sony NEX-7 als „Lunar“ auf den Markt – zum Fünffachen des Preises, obwohl sich technisch nichts getan hatte – man lieferte sogar das billige 18-55mm Kit-Objektiv aus, das auch zur NEX-3 gehörte. Nichtsdestotrotz scheint man sich nicht zu schämen, rund 5.300 Euro für das Set zu verlangen, immerhin gibt es einen „edlen“ Griff. Da klingen die etwa 1750 Euro für die zur „Stellar“ gepimpten Sony RX100 – nicht RX100 II! – fast sparsam, wenngleich das Original derzeit (zum Beispiel bei amazon) keine 400 Euro kostet.

Fujifilm TX-1 with wood grip

Fujfilm TX-1, Photo: Bellamy Hunt

Es ist nicht neu, dass sich Hasselblad bei anderen Firmen bedient, ich hatte die Kooperation mit Fujifilm bereits angesprochen, die nicht nur die H-Serie betrifft, sondern in der Vergangenheit die XPan-Kameras betraf. Bei den Panoramakameras handelt es sich, was ich andeutete, um die nur in Japan angebotene Fuji TX-1, beziehungsweise TX-2 – beides sehr spezielle, wunderbare Kameras, die das Portfolio stilvoll ergänzten, aber mein Befremden war groß, als die beiden völlig aufgebrezelten Sonys zu Mondpreisen auf den Markt kamen. Sie sehen aus, wie ein bei West Coast Customs aufgemotzter Kleinwagen eines Profilneurotikers, als hätte ein wahnsinnig gewordener Transvestit mit Sprühkleber und Swarowski-Steinen herumgespielt, was ich nicht als Angriff auf Transvestiten verstanden sehen will.

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Dass es bei diesen beiden Ausrutschern, ich vermeide demonstrativ den Begriff „Kameras“, nicht bleiben wird, war abzusehen und es hilft auch nicht, dass die „Hasselblad HV“ namentlich und optisch zurückhaltender daherkommt. Überhaupt nicht! Hasselblad also proudly presents die Sony a99 Vollformatkamera im Set mit dem Sony Zeiss 2.8/24-70mm-Objektiv und Peli-Case und Dings zum Preis von … Trommelwirbel … 10.115 Euro inklusive Märchensteuer! Dass die vor gut einem Jahr eingeführte Vollformatkamera mit dem Objektiv – Hasselblad machte sich nicht einmal die Mühe, den Sony-Schriftzug zu ersetzen – und einem Koffer für knapp 4.000 Euro zu bekommen sind, lässt die Frage nach dem aufkommen, was man für die gut 6.000 Euro, die man mehr zahlt, bekommt. Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten vielleicht ein etwas gefälligeres Design und auf den dritten, das Gefühl übers Ohr gehauen worden zu sein.

Bleibt mir die zufällig zusammengestellte Auflistung dessen, womit man sich darüber hinweg trösten könnte, eine Sony statt der Hasselblad gekauft zu haben. So wäre es zum Beispiel ein Leichtes, sich zur a99 noch einige Objektive, wie das Sony Zeiss 1.5/50mm und das Sony Zeiss 1.8/135mm und das Sony G 2.8/70-200 SSM II leisten, zusammen versteht sich, und es bleibt noch reichlich Geld übrig für Stativ, Tasche, etc., man könnte sich auch ein Renault Twizy Urban Elektrofahrzeug, eine Rolex Oyster Perpetual Milgauss Angeber-Uhr oder eine Atlantiküberquerung Hamburg – New York mit der Cunard-Line für zwei Personen in schicker Außenkabinen leisten, oder man legt sich eine Leica M zu und wenn man die hat, kann man sich auch den Apparat sparen und das Geld in ein Summilux-M 1,4/35mm ASPH. investieren. Allerdings hat man dann weder Zoom noch Autofokus. Es ist keine einfache Entscheidung, das weiß ich.

 

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5 Kommentare

  1. Als ich das erste Mal Lunar gesehen habe, da kamen mir zwei Gedanken:

    1. Oh Gott eine Nex 7 mit Holzgriff und viel zu teuer
    2. hat man sowas nicht schonmal bei Panaleica gesehen?

    Wenn ich mir jetzt die Entwicklung bei Hassi so anschaue, dann erntet das für mich auch nur Spott und für mich ist Hasselblad einfach nur dumm. Sie schaffen es nicht, was Panaleica geschafft haben, dass diese Zusammenarbeit respektiert wird.

    Was ist der Unterschied zu Leica?

    Panasonic und Leica haben irgendwann Mal angefangen bei den Objektiven zusammenzuarbeiten. OK, es steht Leica an den Objektiven, aber sie werde nicht bei Leica hergestellt. Das könnte dann keiner bezahlen, sondern es handelt sich m.W.n. um Objektivrechnungen und Konstruktionen von Leica.

    Ich weiß nicht, ob es kurz danach oder parallel passiert ist, dass Leica hochwertige Panasonic für ihre Digiknipsen umgebaut hat. Z.B. die LX-Serie. Hier kam aber nicht nur ein anderes Design (etwas gradliniger, aber nicht handlicher ;)), an der Firmware wurde auch noch etwas geändert und auch noch ein RAW-Conwerter wurde hinzugefügt. Ich glaube erst war es Capture One und nun ist es Lightroom. Es wurde dann auch noch eine Schippe am Preis nach oben gedreht, man muss ja schließlich auch was für den roten Punkt bezahlen. Nur hier kommt der Unterschied zu Hassi, der Preis war zwar schon stolz, aber man hat nicht das Gefühl gehabt, übers Ohr gehauen zu werden. Im übrigen sind die Panaleicas auch gebraucht sehr preisstabil.

    Um auf hasselblad zurückzukommen. Ich kann die Firmenpolitik nicht nachvollziehen. Gefühl kommt alle Nase lang eine neue Mittelformat raus. Ich bekomme immer wieder per Newsletter Sonderangebote, als wenn die ihren Kram nicht loswerden. Ich hatte immer gedacht, dass eine Investition ins Mittelformat schon länger Bestand hat und stabil bleibt. Das ist gefühlt bei Hassi nicht mehr. Auch die Abkehr von internationalen Rückteil in m.E.n. ein Schuss in den Ofen. Wenn man sich so umhört, dann ist das sehr zur Freude von Phase One &Co. passiert.

    Ich denke, wenn Hasselblad so weiter macht, dann haben die bald ein Problem mit ihrer Marke und ihrem Image

  2. aber da ist doch bestimmt eine andere software dabei, da lohnt sich der geringe aufpreis ganz bestimmt! ;)

  3. Christoph Stenger sagt

    kauf’s oder lass es bleiben; es gibt genug Leute denen es was wert ist, etwas zu haben, was andere sich nicht leisten können wollen. Der eine verkauft, was gerade der breiten Mehrheit verkaufbar ist, der andere bedient die „Elite“. Ein gekaufter Name dazu hilft, auch wenn dessen Stern schon lange untergegangen ist.

  4. Boris sagt

    Ganz abgesehen von zu teuren Kameras, ich feier den Schreibstil so hart :)

  5. Stephan sagt

    Dass der Name schon untergegangen ist, stelle ich ja gerade in Frage.

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