Sony 4/18-105 G-Objektiv – die Betrachtung

Photographie / Test

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Eigentlich heißt es ja E PZ 18-105 mm F4 G OSS oder SELP18105G (amazon-Link) – beide Bezeichnungen finden sich auf der Webseite von Sony Deutschland, aber mir ist nur noch die Anmerkung wichtig, dass es für das E-Bajonett von Sony gedacht ist und damit für mich als „Immerdrauf“ in Frage kommt, weil ich für meine Sony NEX-6 nur ein 30mm Sigma besitze, was etwas sparsam ist.

Mit einem gewissen Wohlwollen hatte ich im vergangenen Jahr zur Kenntnis genommen, dass Sony das Vario-Tessar® T* E 16-70 mm F4 ZA OSS auf den Markt bringt, fehlte nach meiner Einschätzung doch immer ein hochwertiges Zoom für die Reise zum Beispiel. Jetzt ist es so, dass das Zeiss mit rund 1000 Euro nicht ganz günstig ist und auch nicht so lichtstark, wie man sich das vielleicht erhofft hätte, also betrachtete ich das 18-105mm mit identischer durchgehender Anfangsblende neugierig, zumal es bei größerem Brennweitenbereich deutlich günstiger ist. Dass Sony bislang nur seinen hochwertigen Linsen den Zusatz „G“ zugestanden hat, ließen mich annehmen, dass es ein vielversprechendes Objektiv sei.

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ISO 100, 19mm, f9, 1/400s, nicht korrigiert

Das Objektiv verzeichnet leider extrem stark. Leichte Verzeichnung, die dann automatisch elektronisch bearbeitet werden sind üblich. Das würde mich nicht stören. Doch so starke Verzeichnungen fast im ganzen Zoombereich, vor allem aber im Weitwinkel habe ich bei einem nicht ganz billigen Objektiv bisher noch nicht gesehen. (aus einer Rezension auf amazon.de)

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ISO 100, 19mm, f9, 1/400s, korrigiert

Ich habe also der Versuchung nachgegeben, Meinungen und Rezensionen in Foren und auf Händlerseiten zu lesen und wurde hier und da mit der schlimmen Verzeichnung des Objektivs, gerade im Weitwinkelbereich, konfrontiert. Zwar würde diese herausgerechnet, wie man an obigen Beispielen sehen kann, die ich in Lightroom 5 bearbeitet und beim oberen Bild einfach mal die Korrektur herausgenommen habe. Die optische Leistung wäre damit in Frage zu stellen.

Weiter las ich, dass die optischen Schwächen besonders krass sichtbar sind beim Einsatz als Videokamera. Das ist alles andere als mein Spezialgebiet, daher möge man mir die Handlungsarmut meines kleinen Streifens nachsehen. Im „normalen“ Einsatz habe ich nichts ausgemacht, was mich gravierend stören würde, aber ich bin ja bereit, die radikalsten Szenerien durchzuspielen und habe mich an einer Reihe vieler parallel nebeneinander stehender Pfosten versucht und in der Tat gelingt es so, die Verzerrung nachzuweisen. Auch in einem Filmchen (Download) aus der Hand bei Weitwinkel am Anschlag konnte man hier und da optische Toleranzen feststellen. Würde ich also etwas filmen wollen, was höchsten Ansprüchen genügt, dann würde ich ein Weitwinkelobjektiv und/oder eine leistungsstarke Software einsetzen, aber von der ambitionierten Videofilmerei habe ich soviel Ahnung, wie vom Schweißen oder Origami.

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ISO 100, 32mm, f5, 1/1250s

Schauen wir doch einfach mal, was hinten so raus kommt! Eine andere Einstellung obigen Motivs hatte ich schon vor kurzer Zeit veröffentlicht, hier habe ich einen Schritt zur Seite gewagt und die Blende etwas weiter geöffnet, wobei ein für ein solches Zoom ganz angenehmes Bokeh herum kommt.

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ISO 100, 76mm, f5.6, 1/250s

Blümchen wären auch noch möglich, wie es aussieht, zumindest so am Wegesrand mitgenommen. Die Naheinstellgrenze im Telebereich liegt bei 95 cm, im Weitwinkel 45 cm. Makro ist also keine mögliche Disziplin, aber man kann nicht alles haben. Aufgenommen habe ich alle Testbilder mit meiner Sony NEX-6 (Firmware 1.03) und empfand den Autofokus als etwas träge.

Fazit

Ich war gar nicht mehr so sicher, wo die Reise mit meinem Fotozeug hingehen sollte und wollte mich vergewissern, dass für meine NEX immer noch Platz daheim ist. Ich hatte sie ja eigentlich gekauft, um auch und gerade meine manuellen Objektive zu nutzen, aber manchmal – das weiß ich seit dem Test der RX10 besser denn je – will man auch einfach eine Allroundkamera für „Schnappschüsse“, für Momente mit der Familie, Ausflüge usw. Da fehlte der NEX lange das passende Objektiv, wie ich befand bevor nun vorliegendes und das oben genannte Zeiss auf den Markt kamen.

Jetzt habe ich das große Glück, dass ich mir ein Objektiv einfach mal kommen lassen, um es für zwei Wochen auszuprobieren und meine eigene Kaufentscheidung damit wohlüberlegt treffen kann. Das 16-70 mm von Zeiss hatte ich schon beim Alpha-Festival im letzten Herbst in Berlin testen können, wenngleich ich nur einen Nachmittag und eine Location hatte, aber ich bin sehr weit davon entfernt, darüber zu klagen.

Zurück zum Thema! – Wie das erste Bild hier in der Reihe anschaulich illustriert, beraubt das Objektiv der NEX ihrer überragenden Kompaktheit, aber ein großer Zoombereich, eine gewisse Lichtstärke und das bei einem APS-C-Sensor lässt sich nicht in ein Pancake stopfen. Da ist die Physik bislang noch nicht überwunden. Meine NEX-6 bringt mit dem Objektiv und dem Gurt also betriebsbereit 859 Gramm auf die Waage – das ist nicht wenig, aber nur neun Gramm mehr als die RX-10. Für die Reise und die eben genannten Einsatzzwecke ist das nicht zuviel, ich schleppe stets mehr mit mir herum, wenn ich ins Flugzeug steige. Und was sehr für das 18-105 spricht, ist der Umstand, dass sich die Linsen im Gehäuse verschieben und das Objektiv nicht noch durch einen herausfahrenden Tubus wächst. Ich mag sowas.

Würde ich mir also das E PZ 18-105 mm F4 G OSS oder SELP18105G kaufen? – Ja, das würde ich in der Tat tun, denn meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Ich habe zwar die beklagten Verzeichnungen provozieren können, aber da ich nahezu ausschließlich fotografiere, fasse ich ohnehin jedes gemachte Bild in Lightroom 5 an. Und selbst, wenn ich mal ein Videofilmchen zu drehen gedenke, würde mir das Objektiv wohl ausreichen, zumal mit der Zoom-Wippe an der linken Seite sogar für einigen Komfort gesorgt ist. Meine Impressionen aus dem Hamburger Hafen haben vielleicht eine schwache Story und kaum Action, aber das liegt nicht an der Hardware. Es ist ein bequemes Objektiv zu einem bezahlbaren Preis.

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Abmessungen:78x110 mm
Gewicht:427 g
Brennweite:18-105 mm (KB entspr. 27-157,5 mm)
Gruppen/Elemente:12 Gruppen mit 16 Elemente
Blendenbereich:f4-22
Blendelamellen:7
Naheinstellgrenze (Tele):95 cm
Naheinstellgrenze (Weitwinkel):45 cm
Filterdurchmesser:72 mm
UVP:599,00 Euro

10 Kommentare

  1. „Würde ich also etwas filmen wollen, was höchsten Ansprüchen genügt, dann …“ würde ich eine sehr gute Videocamera nehmen. Die Verbindung von Fotokamera und Videofunktion lässt zumindest bisher immer eins von beiden ‚leiden‘.

  2. Moin,

    Danke für den Test. Immer drauf Objektive sind wohl immer nicht besonders gut.
    Aber immer Linse wechseln ist auch immer lästig. Daher benutze ich kleinere Brennweitenbereiche.

    24- 85 bei Nikon oder 24-70 bei Sony. Das FE 28 70 für A7 (R) habe ich z.Z im Verkauf.

    Danke Gruss Holger

  3. Stephan sagt

    Allerdings wird auch im professionellen Bereich schon soviel mit DSLR gefilmt…

  4. Hallo,
    auch ein Dankeschön von meiner Seite für den informativen Test.
    Eine Frage: Hast Du ein Vergleich mit den 18-200 für die NEX?

    Grüße,

    Andreas

  5. Stephan sagt

    Hallo Andreas! Das 18-200 habe ich mir nicht angeschaut.

  6. Hallo Stephan,
    vielen Dank für die Rückmeldung. Vielleicht finde ich ja mal zu einem Vergleich.
    Wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob es (noch) eine NEX wird…
    Trotzdem vielen Dank – insbesondere für die unkomplizierten Testberichte ;o)
    Viele Grüße,
    Andreas

  7. Christoph sagt

    Hallo Stephan
    Danke für deinen Test. Ich hätte ein Frage. Ist auch dieses Objektiv ein reines Powerzoom mit DrybyWire (wie das SELP1650) oder darf man wie bei einem klassischen Objektiv normal zoomen (also wie das SEL1670Z)
    DANKE
    Christoph

  8. Stephan sagt

    Es hat einen eingebauten Motor zum Zoomen, geht aber sehr zügig.

  9. Klaus-Jürgen Voss sagt

    Hallo Stephan,
    vielen Dank für Deine informative Beurteilung des Objektivs. Ich bin nun hin und her gerissen, ob ich für meine NEX 7 nun das VARIO- TESSAR T E 4/16-70 mm (ist bei Tests nicht gut weggekommen) oder das von Dir beschriebene Objetiv kaufen soll. Z.Zt besitze ich für die NEX das Kitobejktiv 18-55/F 3,5-5,6 und das Sonnar E 1,8/24 mm ZE. und suche etwas mit mehr Möglichkeiten (längere Brennweite) bei einer vernünftigen Lichtstärke. Das Objektiv muss aber von der optische Leistung her gut sein, das ich zum Teil Vergrößerungen von 45×30 cm mache. Was würdest Du mir unverbindlich raten.

    Herzlichen Dank und viele Grüße

    Klaus

  10. Stephan sagt

    Moin Klaus!

    Ich habe an meiner NEX-6 das Vario-Tessar als vernünftige Linse empfunden, mich aber vor einigen Wochen vom E-Mount verabschiedet und den Wechsel zum MFT gewagt. Für gute Qualität würde ich ohnehin eher eine Festbrennweite empfehlen, wenngleich ein Zoom natürlich schon recht komfortabel ist.

    Beste Grüße,
    St.

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