Olympus OM-D E-M10 – Betrachtung und Widerworte

Photographie

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Da hatte ich unlängst in meinem kleinen Beitrag Kamerakauf den Eindruck erweckt, dass ich die Olympus OM-D E-M10 (Technische Daten) mit allem Nachdruck empfehlen würde. Nicht aber ich habe in diesem Beitrag gesprochen, sondern ein namenloser Fachverkäufer – keine Ahnung, warum er in meiner Geschichte keinen Namen bekommen hat. Nun ja, diese kleine Geschichte hat zumindest in einigen Lesern und dann am Ende auch in mir die Frage provoziert, warum ich denn die kleinester aller OM-Ds noch gar nicht getestet hätte. Ich ließ mir den Apparat also von meinem lieben Freund Paddy, der für die Widerworte zuständig ist, für eine Weile aushändigen um sie zu betrachten.

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Der erste Eindruck

“Liebling, ich habe die Kamera geschrumpft!” – Was nach einem Filmtitel der ausgehenden 1980er Jahre klingt, trifft den Kern der Sache. Die “Zehner” erinnerte mich gleich ein bisschen an die MINOX DCC 5.1 Digitalkamera, eine verkleinerte Nachbildung einer bekannten Kamera. So weit hergeholt es klingt, ist es gar nicht, wenngleich zum Beispiel Sucher, Display und Sensor natürlich “normale” Abmessungen aufweisen.

Ich betrachte die Ergonomie als für meine großen Hände alles andere als optimal gelöst. Die Kamera macht zwar einen hochwertigen Eindruck, das möchte ich überhaupt nicht in Abrede stellen, aber sie lässt sich nicht so gut halten, wie zum Beispiel meine Sony NEX-6, die über einen Griff in angenehmer Größe verfügt, der Akku und Speicherkarte beherbergt.

Ja, die Kamera ist tatsächlich klein. Aber genau das ist doch geil und eher als Feature zu werten. Ich überlege sogar noch einen Schritt weiter zu gehen und mir die Panasonic GM-1 zuzulegen.

Es ist daher gewiss ein Paradoxon, dass ich mir zur E M-10 den ECG-1 Handgriff dazu kaufen würde. Den Einwand, dass die Kompaktheit “geil” sei, möchte ich aber gar nicht vom Tisch wischen. Die Ricoh GR ist aber auch sehr klein, kleiner noch, doch die kann ich noch mit einer Hand halten und bedienen ohne Angst zu haben, dass sie mir herunterfällt. Des Rätsels Lösung ist hier meiner Beobachtung nach, neben dem vermissten Griff der fehlende Zentimeter rechts von den Navigationsknöpfen mit im OK in der Mitte. Da wurde auf Kosten der Kompaktheit die Handlichkeit etwas aus dem Auge verloren, was sehr schade ist.

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Die Bedienung

Das erste vollbrachte Kunststück des neugierigen Nutzers war schon das Einschalten der Kamera und davor die Lokalisierung des betreffenden Schalters. Auf der Oberseite rund um den Auslöser oder in dessen unmittelbarer Nähe ist kein Platz, auf der Rückseite, griffgünstig oben, auch nicht und so ist der Hebel, wie bei den großen Schwestern, ganz unten rechts untergekommen. Faulheit und der Wunsch, den Akku zu schonen, können sich hier tatsächlich ins Gehege kommen. Die Rezensenten der Rheinischen Post, die den Apparat vor einiger Zeit ebenfalls einem kleinen Praxistest unterzogen und wollten sich auch nach zwei Wochen nicht daran gewöhnen.

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Getreu dem Motto des großen amerikanischen Philosophen Tim Taylor, der sagte “real men don’t need instructions”, lese ich zu Testkameras nach Möglichkeit keine Anleitungen. Das stand einer Betrachtung bis dato auch nur selten im Wege. Ob Sony, Fujifilm oder Pentax oder Nikon oder sonst – ich habe mich immer zurechtgefunden, auch im furchtbaren und von Sony mittlerweile wohl weitgehend aufgegebenen NEX-Menü. Bei der OM-D muss ich nach Werkseinstellung immer ins Menü oder wenigstens einen der beiden Function-Knöpfe drücken, um zur vermeintlichen Schnellwahl zu kommen. Die Knopfsparsamkeit ist natürlich der kompakten Abmessungen geschuldet, wobei das (im Verhältnis) riesige und gute Touchdisplay sehr viel Platz einnimmt.

Ich denke Du solltest mal das Super Control Panel aktivieren. Mir ist unverständlich wie Olympus das ab Werk verstecken kann.

Oh, ja! Die Recherche im Internet fördert zutage, was diese Kamera auf einen Schlag und nur fünf Schritte im Menü inklusive offenbar nötigen Verzicht auf eine mir bis dahin nicht aufgefallene Funktion, deutlich bedienerfreundlicher macht.

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Die heißen Features

Was Paddy mir gleich ganz begeistert zeigte, ist die “Live Composite”-Funktion.  Das wird zum Beispiel u.a. beim Malen von Sternenspuren sehr interessant sein, werden hier doch mehrere Aufnahmen zusammengebaut. Fotografiert man das zum Beispiel vor dem Hamburger Hafen oder einem anderen gut beleuchteten Ort, überstrahlt das Bild nicht, denn es werden nur die beweglichen hellen Bildelemente, wie eben Sterne oder auch Scheinwerferspuren von Autos hinzugerechnet, wie in diesem Beispiel.

Die “Photostory” greift ein wenig die App Diptic und Lomos Super Sampler auf und fällt ganz klar in die Kategorie “Spielkram”. Diese Funktion ist direkt über das Funktionswahlrad aufzurufen und ist bei allem Charme aus meiner Sicht ähnlich verzichtbar wie das Gros der “Art Filter”. Das Gros, weil es durchaus sinnvoll sein kann, die Jpegs in schwarz-weiß aufzunehmen, wenn man sie ohnehin als solche vorgesehen hatte. Das am Rande.

Mittlerweile praktisch unverzichtbar ist die Möglichkeit, die Kamera per Smartphone zu steuern, Bilder zu teilen und – das ist erfreulich – über diesen Weg die GPS-Daten aufzuzeichnen. Die App dazu gibt es bei Google Play (Android) und im AppStore (iOS) kostenlos und lässt sich durchaus komfortabel bedienen. Weißabgleich, ISO, Blende, Verschluss, Fokus, usw. lassen sich bei der Fernsteuerungsfunktion einstellen, sogar der Zoom funktioniert zum Beispiel mit dem Kit-Objektiv. Was mich aber etwas irritiert, ist der Umstand, dass das LiveView-Bild auf meinem Smartphone unscharf war, das Foto, welches ich ferngesteuert auslöste, aber nicht. Um mein Sony Xperia Z1 als Fehlerquelle auszuschließen, wollte ich den Test mit dem iPad 2 wiederholen, doch dort ließ sich das Kameraprofil gar nicht erst hinterlegen. Die Kopplung geschieht übrigens recht komfortabel per QR-Code – NFC gibt es nicht -, doch manchmal dauerte die Verbindungsherstellung mit meinem Xperia unendlich lange, aber auch das kann an meinem Telefon liegen.

Das wichtige Zubehör

Der Grad der Wichtigkeit liegt alleine in meinem Ermessen. Den ECG-1 Handgriff hatte ich aus gegebenem Anlass schon genannt. An Objektiven würde, den Kauf im Set mit dem kleinen Kit-Zoom vorausgesetzt, gleich zum Olympus M.Zuiko Digital 45 mm 1:1.8 Objektiv schwarz greifen, einem guten und preisgünstigen Portraitobjektiv. Auch das Olympus M.Zuiko Digital 17mm 1:1.8 Pancake klingt von Brennweite und Lichtstärke als Reportagelinse sehr spannend.

Die Ergebnisse

Man muss das 4/3-Bildverhältnis schon mögen, aber wenn dem so ist, sind Ergebnisse auf dem Niveau deutlich größerer Kameras absolut möglich, zumal es für dieses Bajonett eine große Auswahl von bis zu ganz hervorragenden Objektiven gibt. Auch im höheren ISO-Bereich lässt sich mit der OM-D trotz des verhältnismäßig kleinen Sensors einiges anstellen. Mit 16.1 Megapixeln ist der “Live MOS”-Bildsensor auch nicht völlig überladen, was der Bildqualität in den meisten Fällen sehr zu Gute kommt. Sich erschöpfend weiter schriftlich auszulassen, über Bildergebnisse, ist nicht so anschaulich, wie einfach mal ein paar Beispiele anzubieten.

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Zur Fähigkeit in Sachen Video kann ich nichts weiter sagen. Ich habe mir schon zuletzt beim Sony-Objektiv „einen abgebrochen“, weil die größte Kritik zu dem Zoom aus dem Lager der Filmer gekommen zu sein scheint, aber Video ist echt nicht meine Baustelle und der Erkenntnisgewinn aus meinen Versuchen wird überschaubar sein.

Fazit

“Die E-M10 übertrifft DSLR-Kameras im Hinblick auf kompakte Größe und Bildqualität.” Das behauptet Olympus in seinem Werbetext zur kleinen “Zehner” und ich finde, das geht zu weit! Der hier nun in Augenschein genommene Apparat ist eine gute Kamera, aber zu behaupten, man übertreffe DSLR-Kameras auch in Sachen Bildqualität – das sehe ich nicht, einige gewiss, aber nicht alle! Bei Dynamik, Auflösung oder Lichtempfindlichkeit mussten Kompromisse eingegangen werden. Sicherlich ist es gelungen und man wird selten ein baugrößeres Gerät vermissen, aber die E-M10 ist nicht der Dolchstoß für die DSLR, die sich von Systemkameras ohnehin eigentlich nur noch durch Abmessung und Verwendung des Spiegels unterscheidet, aber wir wollen jetzt mal keine Pixel, äh, Erbsen zählen und Vorteile wie Fokustreue oder das lautlose Auslösen aufzählen.

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Hat man sich einmal abgefunden mit der Ergonomie und den kleinen Schaltern an exotischen Orten, kann man durchaus Freude empfinden beim Fotografieren mit der Olympus. Der elektronische Sucher ist schon gut, zeigt 100% des aufzunehmenden Bildes und ein weites AF-Feld, das schon ziemlich weit in die Ecken geht, wie oben zu sehen. Dass die Technik und das Innenleben der Kamera guten Bildern nicht im Wege stehen, haben wir vielleicht ausreichend illustieren können, der Umstand, dass man die OM-D auch einfach mal auf einen mittelgroßen GorillaPod setzen kann, macht sie im Grunde zu einer feinen “Immerdabei” für mich, aber nach nun zwei Wochen mit ihr, weiß ich auch, dass wir nicht zusammenfinden werden.

Kompakt ist super, Funktionalität einer “Großen” wünschenswert, aber das Können alleine entscheidet nicht über meine Gunst. Ich erwarte, dass mich ein Fotoapparat nicht beschränkt und ich erwarte, dass ich gerne und ohne jegliche Komplikationen mit ihm auskomme – das ist hier leider nicht gegeben und über das „Summen“, das man vernimmt, wenn der Apparat eingeschaltet ist, habe ich mich noch gar nicht ausgelassen. Halten wir also griffig fest: Es ist ein sehr guter Fotoapparat, aber nicht für mich, auch, wenn ich es natürlich super finde, dass ein richtiges Ladegerät mitgeliefert wird.

8 Kommentare

  1. Hallo Stephan,

    Ich finde Deinen subjektiven Testbericht richtig gut. Pixelpeeping gibt’s anders wo schon genug. Schön zu lesen, was jemand im praktischen Einsatz darüber denkt. Du hast klar und vor allem sachlich dargelegt warum ihr beiden nicht zusammen passt und genau deshlab finde ich diesen Bericht so gut.
    Nur eine kleine Kritik habe ich noch: Du solltest vielleicht doch mal ein, zwei Euro mehr für Deine Models ausgeben. Dann bekommst Du auch jemanden ohne komische Mütze und Hosenträger ;-)

    Viele Grüße
    Heiko

  2. Boris sagt

    Der erste Beitrag auf dieser tollen Seite, den ich nicht 100% unterstützen würde.
    Klar ist sie klein und ich müsste mich mit meinen ‚Sausage Fingers‘ auch erstmal zurecht finden, jedoch nach NEX und Fuji Systemkameras empfand ich die Bedienung als Segen.
    Da ich auch gerne die „Manuals“ meide, durfte ich einen Tag den Knopf suchen um in den Live View zu kommen.
    Jetzt muss ich mal herausfinden was besagtes Super Control Panel kann :D

  3. Stephan sagt

    Hey Boris! Ich hatte die OM-D Dings 10 zuvor einmal in der Hand und fand sie eigentlich super, aber dann habe ich damit mal ein bisschen fotografiert und der fehlende Zentimeter rechts machte mich noch fertiger als die kleinen Knöpfe. Das Menü gefiel mir dann auch nicht und fortan hatte der Apparat es schwer bei mir. ;-)

  4. Boris sagt

    War auch keineswegs böse gemeint. Bei mir hat sich schon das Haben Wollen Gefühl ausgebreitet, als ich sie das erste mal sah, da ich auf einer alten OM vom Papa das fotografieren „gelernt“ hab.
    Nach jetzt knapp 700 Auslösungen, mitunter auch bei einem Hamburg trifft, bin ich doch sehr überzeugt.
    Anstatt nur dieser kleinen Grifferweiterung, hätte ich mir ein echten Batteriegriff gewünscht.
    Hast du auch Erfahrungen mit dem 17mm gemacht? ;)

  5. Stephan sagt

    Das hatte ich auch nicht so aufgenommen. ;-)

    Ich hatte nur das kleine Kit-Pancake, das 45mm und das größere f2.8-Zoom, aber das habe ich fast nicht benutzt. Das 17er hatte ich leider nicht, aber ich hörte von mehreren Seiten, dass es lohnt.

  6. Hallo Stephan,

    danke für den ehrlichen Bericht. Ich glaube es liegt auch die Frage nahe, wofür man die OMD verwenden möchte. Ich fotografiere auch mit einer D800 und ich merke, dass ich sie immer öfter zu Hause lasse und eher die OMD mitnehme, wenn ich eine „immerdabei“ haben möchte. Ich finde Olympus ist mit den OMD´s ein guter Kompromiss zwischen Größe und Bildqualität gelungen, deshalb finde ich sie top. Zum Handling: Für meine Hände wie angegossen, auch an die Tastenbelegung habe ich mich schnell gewöhnt. Wenn ich dann (mal wieder) die Nikon in Händen halte, fühlt sie sich an wie ein Briquette :-)

  7. Glatzexxl sagt

    Hallo,
    habe seit letzter Woche die Olympus OM-D Dings 10 mit dem 18 – 140 mm Zooom
    als Urlaubsbegleiter. kurz und knapp und das mein aller erster Eindruck, ohne Bedienungsanleitung und verwöhnt durch meine D800 (zumeist mit 24-70 1:2,8) :
    Positiv : Sucher hell und scharf , Wasserwaagenfunktion, Knips-Geschwindigkeit , Dämmerlichttauglichkeit !! , Gewicht und Verarbeitungsqualität (bis auf den Batteriedeckel), Sonderprogramme
    Negativ : fummelige bis schwierige Bedienung, mehrfache Tastenbelegung , schwieriges Anwählen der AF-Felder , mickriger Akku, starker Schattenwurf bei Blitz (beim Zoom)
    Für mich irritierend : das Zoom dreht gegensinnig zu Nikon-Zooms
    Fazit
    Für den Urlaub alles in Autofunktionen absolut klasse !

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