Und trotzdem bin ich Hobby-Fotograf geworden

Photographie

dunkelkammer

Ich weiß gar nicht mehr, ob es die neunte oder zehnte Klasse war, in der ich in der Schule das Fach „Fotografie“ wählte. Ich hatte zumindest eine Spiegelreflexkamera, war sehr entschlossen sie zu benutzen und freute mich sehr darauf, von unserem Lehrer, Herrn K., etwas zu lernen.

Eigentlich mochte ich Herrn K. nicht so besonders, aber das hatte vermutlich auch damit zu tun, dass er Mathematik und Chemie unterrichtete, aber ich war bereit, ihm eine Chance zu geben und sollte es am Ende irgendwie doch bereuen.

Am ersten Tag stiegen wir gleich zusammen in den dunklen Keller des naturwissenschaftlichen Pavillons und standen in den Dunkelkammer. Die Gruppe interessierter Schüler stutzte zunächst ein wenig, dass nicht Theorie oder zumindest die Aufnahme von Bildern an erster Stelle standen, aber Herr K. würde schon wissen, wie er die Sache didaktisch aufzieht.

Da standen wir nun, im rot angehauchten Dunkel und der Lehrer arbeitete sich an einem Karton mit „abgelaufenem“ Fotopapier ab, was wir stauend verfolgten, weil das Pferd in der Wahrnehmung aller Schüler ja anders herum aufgezäumt werden sollte. Sollte es nicht! Unter ausführlichsten Erläuterungen, die zu keinem bemerkenswerten Erkenntnisgewinn führten, wurden Schalen für Entwickler, Fixierer und so weiter befüllt und das Fotopapier landete auf einem Vergrößerer.

Wir wunderten uns über gar nichts mehr und ließen es mit uns geschehen, immerhin blieben wir einigermaßen gespannt, was für ein Negativ aus seiner Sammlung Herr K. nun oben einlegen würde, wie das Bild dann auf dem Papier erscheine. Es erschien kein Bild, Herr K. knallte sein Lehrerschlüsselbund auf das Papier, belichtete und schwenkte das Blatt dann durch die Bäder bis wir unter lauten „Ahs“ und „Ohs“ den Umriss der Schlüssel bestaunten.

Das mögen wir hoffnungsvoll noch als einen etwas unorthodoxen Einstieg in die Fotografie betrachtet haben, aber nur bis zur kommenden Woche, wo sich das Spiel exakt wiederholte. Eine Woche später dann war Naturfotografie dran: ein Blatt wurde auf dem Papier platziert und es folgten Belichtung und Bäder. Bis zum Ende des Halbjahres dominierte dann wieder der Schlüssel und als es Zeugnisse gab, hatten wir nicht ein Foto geschossen oder einen Negativabzug gemacht.

Einige Jahre später nahm ich die Kamera wieder zur Hand.

Vielen Dank an Heinz Wille für das Bild zu diesem Beitrag.

4 Kommentare

  1. Vielleicht hatte Herr K. ja, trotz des verräterischen Namensbeginns, gar keine Kamera?

    Aber hey, wer hat sonst in dem Alter schon mal Fotogramme (mit)gemacht? Sieh’s positiv, geschadet hat es ja nicht ;)

  2. Hr.K. sagt

    Also ich muss mich hier aufs entschiedenste währen. So alt wie sie sind unterrichte ich noch nicht Fotografie.
    Das sie eine Herangehensweise wie sie schon Man Ray und andere wählten nicht zu schätzen wissen dafür kann man offensichtlicher Namensvetter nun wirklich nichts. ;).
    Lg. Hr.K.

  3. Nicht viel anders war es bei uns im Fach „Fotografie“. Interessant, wie sich die Erfahrungen ähneln…

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