Die „Immer-dabei“-Kamera

Photographie

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Wie oft habe ich schon gehört und gelesen Die beste Kamera ist die, die Du dabei hast! – Das lässt sich nicht von der Hand weisen und dennoch ist diese Aussage kaum geistreicher als Wenn das Fenster offen ist, kommt Luft rein! Was soll dieser Ausspruch mit der Kamera also aussagen? „Hast Du kein Kamera, kannst Du kein Bild machen“? Wir sind uns also einig, dass eine Kamera sehr hilfreich ist, sonst auch eine Blechdose mit einem Streifen Film, aber rauschen wir jetzt nicht ab in die philosophische Betrachtung der Causa. Das bringt bei der Aufnahme an sich – entgegen anderer Behauptungen – auch nicht so viel.

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Sony Xperia Z1, ISO 50, 4,9mm, f2, 1/160s

In der Bloggersphäre tummeln sich immer wieder Zeitgenossen, die sich eine Woche, einen Urlaub, ein Jahr damit beschäftigen, ihre Bilder ausschließlich mit ihrem Smartphone zu machen. Einige donnern noch Effekte drüber und nennen dann das retro, was von der mitunter miesen Qualität der Aufnahmen ablenken soll. Seit wann ist retro schlecht? Früher war nicht alles schlecht! Beenden wir hier den Aufreger und gestehen wir all jenen, die sonst auf dem analogen Trip sind, zu, dass ein Smartphone als einzige Digitalkamera eine Option ist.

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Ricoh GR, ISO 100, 18,3mm, f8, 1/500s

Ich versuche auch immer, eine Kamera mitzunehmen, auch wenn mein Telefon wohl rund 20 Megapixel und einen Sensor, der sonst in normalen Kompaktkameras verbaut wird, aufweist. Das Sony Xperia Z1amaz habe ich in der Tat eigentlich immer dabei, aber das reicht mir nicht. Manches Bild bringt mir nichts, wenn nicht zumindest eine gewisse technische Qualität gewährleistet ist. Dann mache ich die Aufnahme nicht. Ich möchte also kleine digitale Alternativen beziehungsweise Ergänzungen mit einem Sensor ab 1 Zoll unter die Lupe nehmen. Aufstellungen nehmen also die Sony QX100amaz, die Ricoh GRamaz und die Sony RX100 III.amaz

First of all: no sports!

Sony QX100, ISO 160, 37,1mm, f4.9, 1/640s

Jeweils bereits einer Betrachtung unterzogen hatte ich die Ricoh und die QX100, daher wird der RX100 III hier in der Darstellung etwas mehr Raum gegeben, wenngleich ich RX100 und RX100 II schon in Händen hielt, doch auch zu den beiden erstgenannten Geräten werde ich noch einige Ergänzungen nachtragen.

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Sony RX100 III, ISO 160, 25,7mm, f4, 1/125s

Um die Apparate in meiner großen Umhängetasche mit mir zu führen, habe ich die QX in eine kleine Neoprentasche für Objektive getan, die Ricoh oder die RX passen gut in die Crumpler Light Delight 100, wobeiamaz die Sony noch eine ganze Ecke Luft lässt.

 Sony QX100Ricoh GRSony RX100 III
AbmessungenØ 62,5 mm, H ca. 62 mm (inkl. Klemme)HBT 61 x 117 x 34,5 mmHBT 58,1 x 101,6 x 41 mm
Gewicht179 g (inkl. Akku und Speichermedium)245 g (inkl. Akku)290 g (inkl. Akku und Speichermedium)
SensorEXMOR R® CMOS Sensor Typ 1,0 (13,2 x 8,8 mm), 20,2 Megapixel effektivAPS-C (23,7 x 15,7 mm), 16,2 Megapixel effektivEXMOR R® CMOS Sensor Typ 1,0 (13,2 x 8,8 mm), 20,1 Megapixel effektiv
Brennweite (entsprechend Kleinbild)10,4 - 37,1 mm (ca. 28 - 100 mm)18,3 mm (ca. 28 mm), per Aufsatz auch ca. 21 mm KB8,8 - 25,7 (24 - 70 mm)
Anfangsblendef1.8-4.9f2.8f1.8-2.8
Sucherkeiner (nur über Smartphone o. Tablet)Display (opt. Aufstecksucher verfügbar)Display (klappbar), versenkbarer EVF
DateiformateJPEGJPEG, RAWJPEG, RAW
Straßenpreisca. 350 Euroca. 620 Euroca. 740 Euro
sensorgroessen

Sensorgrößen im Verhältnis zueinander

Ich möchte über die obige Aufstellung hinaus nicht groß eingehen auf die technischen Daten oder die Leistungfähigkeiten, die Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Das ist alles schon im weitesten Sinne erledigt mit den vorausgegangenen Betrachtungen. Ich will an dieser Stelle nur skizzieren, was mir an diesem oder jenem Modell gefällt und was mir nicht gefällt, bzw. wo die Kamera im Vergleich zu den Mitbewerbern zurücksteht. Menschen die Bilder brauchen, sei das Szenario Ein Mann steht ratlos vor dem Kameraschrank zur Hand gegeben. Ein Fazit gibt es am Ende auch. Die Bilder zur Illustration sind allesamt bearbeitet – out of cam ist keines meiner Fotos, die ich zeige und dem Erkenntnisgewinn höchstens marginal zuträglich.

Sony QX100, ISO 160, 10,4mm, f1.8, 1/1000s

Sony QX100, ISO 160, 10,4mm, f1.8, 1/1000s

Was mir gefällt an der  …

Sony QX100 – Mit seiner Ansteckkamera für Smartphones und Tablets hat sich Sony im letzten Jahr auf ungewohntes Terrain gewagt und mittlerweile Nachahmer für das Produkt gefunden. Mittlerweile gibt es vier Modelle, darunter eines mit APS-C-Sensor und E-Bajonett. Aus der Reihe ist meiner Meinung nach weiterhin die QX100 das interessanteste Modell. Es verfügt über den 1 Zoll großen Sensor der erfolgreichen RX100-Serie, ist recht kompakt und verfügt mit seinem guten Zeiss-Objektiv über einen Zoombereich, der das Gros der Aufgaben gut abdeckt. Seit der Markteinführung hat Sony der Ansteckkamera mehrere Updates verpasst, so ist es möglich, die QX nun weitgehend manuell zu steuern. Durch die Verbindung zwischen Kamera und Smartphone/Tablet via W-LAN ist es außerdem möglich, umgewöhnliche Aufnahmen zu machen. Ich hatte das Modul zum Beispiel mal weit oben auf einem Lichtstativ, das man natürlich nicht immer dabei hat, und genoss am Display eine ganz neue Aussicht. Im Vergleich zu den Mitbewerbern ist sie die kompakteste und preisgünstigste Lösung.

Ricoh GR – Die Haptik ist überragend. Die unauffällige, ganz in mattem Schwarz gehaltene Kamera hat nicht nur eine griffige Oberfläche, durch den etwas vorstehenden Griff ist die GR auch schnell aus der Tasche gezogen und liegt auch in großen Händen sehr gut. Ich mag die Schlichtheit, den Verzicht auf etliche, nicht unbedingt nötige und die Berücksichtigung einiger nicht selbstverständlicher Funktionen sowie die gute Bedienbarkeit. Einstellräder, ähnlich von der DSLR bekannt, erweisen sich als höchst praktisch. Die Bildqualität, die Bilddynamik ist dank hervorragenden Optik und des für die Klasse sehr großen APS-C-Sensors allen hier aufgezählten Mitbewerbern überlegen. Ist die Kamera eingeschaltet, fällt das ausgefahrene Objektiv kaum auf – sehr viel unauffälliger geht es gar nicht. Ricoh bietet für die GR außerdem eine breite Palette an Zubehör, wie die Weitwinkel-Aufsatzlinse, Aufstecksucher oder auch die Gegenlichtblende an.

Sony RX100 III – Die nunmehr dritte Ausgabe der RX100 hatte ich nun zwei Wochen bei mir und kann nur feststellen, dass es eine tolle Kamera ist. Nachdem im Kompaktsegment durch die Leistungsfähigkeit der modernen „Handykameras“ viel weggebrochen war, hat Sony mit der Einführung des relativ großen Sensors offensichtlich offene Türen eingerannt. Mit einem Brennweitenbereich von auf Kleinbild umgerechneten 24-70 mm deckt die III das ab, was ich an meiner Vollformat mit dem Standard-Zoom erledige. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern ist der Bereich etwas kleiner geworden, aber das Zeiss-Objektiv ist nun auch lichtstärker. Alles in allem ist die Kamera ein feiner Begleiter, der auch bei höheren ISO-Werten sehr anständige Ergebnisse liefert. Einmalig in der Klasse ist der gute versenkbare elektronische Sucher.

Sony RX100 III, ISO 3200, 8,8mm, f2,5, 1/30s

Sony RX100 III, ISO 3200, 8,8mm, f2,5, 1/30s

Was mir gefällt nicht an der  …

Sony QX100 – Ich hatte dem „Objektiv mit Akku und Kartenslot“ zu seiner Einführung den Vorwurf gemacht, es sei nicht zu Ende entwickelt. Sony hat zwar, wie erwähnt, schon einige Software-Updates geliefert, die den Funktionsumfang deutlich vergrößerten, aber die Aufnahme in RAW ist weiterhin nicht möglich. Das wäre verschmerzbar, wenn die Zeit zwischen dem Entschluss, spontan ein Bild zu machen, und der Aufnahme nicht so lange dauern würde. Außerdem kommt es im Zusammenspiel mit meinem Xperia Z1-Telefon aus gleichem Hause immer wieder zu Verbindungsabbrüchen. Es ist also viel zu oft Geduld gefragt, die ich nicht aufzubringen bereit bin.

Ricoh GR – Ich bin nicht einmal sicher, ob mir die Festlegung auf 28 oder mit Weitwinkellinse 21 mm nicht gefällt. Manchmal wünsche ich mir eine Brennweite von 35 mm, aber im Großen und Ganzen ist 28 mm doch schon ein guter Mittelweg – durch den „Fuß-Zoom“ lässt sich ja noch einiges erledigen. Obwohl ich einen optischen Aufstecksucher besitze, neide ich den Nutzern der RX100 III doch ein wenig den EVF. Er würde die Kamera nicht besser machen, aber er wäre doch ganz nett. Angesichts des größeren Sensors fehlt mir ein wenig der sichtbare Qualitätsvorsprung bei höheren ISO-Zahlen im Vergleich mit den 1 Zöllern von Sony. Mittlerweile ist es auch schon vorgekommen, dass ich mich über bereits werkseitig angebotenes WLAN gefreut hätte.

Sony RX100 III – Sie ist die modernste Kamera auf dem Markt, bietet eine unglaubliche Bandbreite an Funktionen, clevere Detaillösungen und ist dazu noch sehr kompakt – und das wird ihr ein wenig zum Verhängnis, denn sie liegt für mich nicht so gut in der Hand. Inwieweit die Griffbefestigung AG-R2 von Sony Abhilfe geschaffen hätte, weiß ich nicht, aber die Kamera lässt sich nicht so gut halten und aus der Tasche ziehen, wie zum Beispiel die Ricoh. Ich mag es außerdem kaum zugeben, aber die Beschränkung des Zoom-Bereichs stört mich, der sonst eigentlich nie zoomt, irgendwie auch.

Ricoh GR, ISO 100, 18,3mm, f4, 1/160s

Ricoh GR, ISO 100, 18,3mm, f4, 1/160s

FazitSize matters ist das Ergebnis meiner Studien. So schön kompakt in der Tasche ist, so sehr ist es mir wichtig, dass die Kamera in der Hand liegt, ich sie gut halten und auch greifen kann. Die Ricoh GR geht also hier als knapper Sieger vor der Sony RX100 III über die sprichwörtliche Ziellinie. Während ich bei der RX nicht zu selten in Sorge darum war, dass sie mir aus der Hand gleitet, habe ich bei der GR, die auch etwas leichter ist, stets ein sicheres Gefühl.

Das alleine macht natürlich noch keinen Siegertypen aus und so kommen wir zum zweiten Punkt für Size matters – die Ricoh verfügt in ihrem kompakten Gehäuse über einen großen APS-C-Sensor, der im Zusammenspiel mit der guten Festbrennweite in meinen Augen einfach die besten Bildergebnisse liefert und gute Bildergebnisse sind für mich die grundsätzliche Motivation, auf eine Kamera und nicht auf das Smartphone zu setzen. Außerdem ist die GR am schnellsten schussbereit.

Dieses Ergebnis ist natürlich alles andere als allgemeingültig, weil die Lastenhefte der Interessierten unterschiedlich aussehen. All jenen, die mehr Funktionen und eine größere Flexibilität suchen, sei die gesamte RX100-Reihe von Sony ans Herz gelegt. Mit einem 1 Zoll-Sensor kommt nun auch die Canon PowerShot G7 Xamaz daher, aber die habe ich noch nie in Händen gehalten und so kann ich dazu nichts weiter sagen. Ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber. Man hätte diesen Vergleich noch ewig weit aufbohren können, als analoge Kameras zum Beispiel die Minox 35 oder die Rollei 35 nennen können, aber das Feld ist zu weit, zum Glück.

3 Kommentare

  1. Sandro sagt

    Würde die Panasonic lx100 in Erwägung ziehen, hat zwar „nur“ einen MFT Sensor, aber sollte einige Kritikpunkte der ricoh auflösen, oder?

  2. Stephan sagt

    Die LX100 ist gewiss ein schöner Apparat, aber der Sensor ist, wie Du schreibst, kleiner und die Kamera im Vergleich mit der Ricoh deutlich schwerer.

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