Warum eigentlich analog?

Photographie

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Für mich selbst meine ich die Frage beantwortet zu haben und trat der Mär vom Ende der Analogfotografie unlängst entschlossen entgegen, aber ich bin ja nicht alleine, was mich sehr zufrieden stimmt.

Neulich erst wieder aber war ich in einer Runde recht einsam und sah mich der These ausgesetzt, dass man analog nicht mehr fotografieren müsse, es sei reine Nostalgie. Ihr könnt euch vorstellen, wie entschlossen ich versuchte, auf dem Barhocker sitzend, aufzustampfen. Meine Sicht der Dinge wurde schnell zur Kenntnis genommen und doch als exotisch angesehen. Kosten und Aufwand würden doch angemessen sein.

Nun, meine lieben Analogfreunde und -freundinnen … gebt mir mehr Munition, sagt mir, warum ihr analog fotografiert. Man muss den Ignoranten doch helfen!

Holga 120 Panorama Kamera amaz

11 Kommentare

  1. Gundram sagt

    Hallo Stefan, ich sehe das ähnlich wie Du. Analog fotografieren ist nicht nostalgisch, sondern in meinen Augen auch noch nachhaltig, ohne diesen Begriff zu sehr strapazieren zu wollen. Allein ein Kostenvergleich zwischen Analog und Digital zeigt schon, daß der Kostenfaktor kein Argument sein kann. Es sei denn, der Digitalfotograf arbeitet mindestens 5-8 Jahre mit der gleichen Ausrüstung, dem gleichen PC und der gleichen Software(-version) und das natürlich noch ohne zusätzliche Anschaffungen, wie Objektive, Speicherkarten usw. Den Punkt Archivierung hast Du bereits angesprochen.
    Bei allen, die pauschal gegen Analogfotografie argumentieren wird häufig angeführt, daß man ja sofort sein Bild analysieren kann. Aber gerade der Punkt ist doch auch der große Unterschied zwischen Analog- und Digital-Fotografie. Als Analogfotograf mache ich mir vor dem Auslösen der Kamera Gedanken über das gewünschte Bild, gerade auch weil ein Film eben „nur“ 8, 12 oder bei KB 36 Bilder zur Verfügung stellt. Wenn ich mir dann Ausstellungen oder auch Fotobücher anschaue und vergleiche, sind bisher immer die Analogen Fotoarbeiten besser weggekommen. Als Beispiele dazu nur die Ausstellungsbücher der „SCHWARZ/WEISS ARBEITS GEMEINSCHAFT SÜD“ oder auch von Igor Amelkovich im Bereich Aktfotografie und nicht zu vergessen natürlich die SW-Bilder von Anselm Adams, wobei hierzu zu sagen ist, daß Heerscharen von Digitalfotografen seit Jahren versuchen auch nur ansatzweise an die Qualität der Adams Bilder zu kommen und das immer noch vergeblich.

    Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen.

    Gruß

    Gundram

  2. Weil ich den Look der Filme einfach sehr mag. Es gibt inzwischen tausende Programme und Plugins die den Look analoger Filme nachahmen. Warum soll ich digital irgendwas nachahmen was es auch analog direkt gibt. Digitale Bilder sind inzwischen sehr clean, sehr scharf und nahezu perfekt. Haben aber in meinen Augen unbearbeitet viel weniger Flair als der analoge nicht ganz so perfekte Look wo jeder Film seinen ganz eigenen Charakter hat. Und man fotografiert mit 36 Bilder pro Film sehr viel bewusster und bedachter als digital wo es ja inzwischen kein Problem mehr ist tausende Bilder zu machen. Ich muss aber gestehen das ich sowohl analog als auch digital fotografiere. Ich halte auch nicht viel davon da total verbissen zu sein. Man sollte halt auch gegenüber der analoger Fotografie aufgeschlossen sein. Digital hat halt inzwischen auch den Status neuer, cooler, besser verloren und da erinnert sich der eine oder andere auch mal wieder daran was man am Film zu schätzen weiß. Meine Meinung.

  3. Hallo!
    Ich lese hin und wieder in deinem Blog und freue mich sehr, dass auch andere sich noch oder wieder mit Analogfotografie beschäftigen. Ich habe vor drei Jahren wieder meine alte Minolta rausgekramt und es macht mir einfach viel mehr Spaß als mit Digitalkameras. Blende und Belichtungszeit über mechanische Einstellrädchen einstellen, fertig. Reduktion aufs Wesentliche. Die Kamera ist quasi unkaputtbar, günstig in der Wiederbeschaffung und läuft seit über 37 Jahren problemlos. Die Limitierung auf 36 Aufnahmen führt bei mir zu mehr guten Bildern. Ich halte Negative für eine Software-unabhängige und langzeitige zuverlässigere Speicherform. Und natürlich mag ich den Look von Film.
    Schön das ich da nicht alleine bin.
    Mach weiter so!

    Gruß Klaus

  4. Hallo Stefan,

    als seit einiger Zeit regelmäßiger Besucher dieses Blogs und momentan rein digital „arbeitender“ Hobby-Fotograf habe ich in den letzten Jahren einfach den Aufwand gescheut, den ich in meiner Jugend für meine DuKa / SW-Labor betrieben habe. Dazu kommen Platzgründe und natürlich die unschlagbare Schnelligkeit und Bequemlichkeit der EBV.
    Als langjähriger Nutzer vom „Home-“ bzw. „Personal-Computern“ habe ich schon viele Speichermedien erlebt, keines der in der Vergangenheit von mir genutzten kann ich aktuell noch auslesen, und wer kann schon sagen, wie lange Festplatten wirklich zuverlässig die Ihnen anvertrauten Daten behalten.

    Fachleute raten zu regelmäßigem Umspeichern auf neue Medienformate, was die Archivierung zwar sicherer macht, aber auch einen erhöhten zeitlichen und -eventuell unnötigen- monetären Aufwand bedeutet.
    Immerhin bleibt ebenso die Frage nach dem „wohin“ mit der dann soeben nutz- und arbeitslos gewordenen Festplatte, die zwar noch funktioniert, der wir aber lediglich aus Gründen der Vorsicht das Vertrauen entzogen und damit eigentlich für unbrauchbar erklärt haben.

    Schaue ich dagegen in meine Ordner mit meinen Negativen, die ordentlich in Schutzhüllen abgelegt dort ruhen, kann ich mir sicher sein, dass bei sachgerechter Lagerung auch noch in 30 oder mehr Jahren ein Scan oder sogar eine analoge Vergrößerung möglich sein wird. Die Frage nach der Haltbarkeit ist lange schon geklärt und die Archivierung erfordert -einmal erledigt- keine weiteren Maßnahmen meinerseits.
    Nach meinem Verständnis ist das ein guter Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Zuverlässigkeit.

    Meine Bequemlichkeit möchte ich nicht mehr aufgeben, eine Duka werde ich mir definitiv nicht mehr einrichten. Da ich aber schon lange einen Scanner besitze und immer noch meine gute, alte Jobo-Dose mit diversen Filmspulen schön verstaut hier im Schrank liegen, ist es durchaus eine Überlegung wert, in Zukunft öfter hybrid zu arbeiten.

    Besonnenheit bei der Aufnahme, Entschleunigung, Filmkorn und besondere Anmutung der Emulsion, das alles mögen gute Gründe sein, weiterhin analog zu arbeiten. Man kann ja das Eine tun ohne das Andere zu lassen.

    Zumindest für Aufnahmen von besonderen Momenten und Anlässen hätte ich die in meinen Augen wesentlichen Vorteile aus beiden Welten vereint: lange Lebensdauer der Negative einerseits und leichte Reproduzierbarkeit der Abzüge bzw. elektronische Weiterverarbeitung der Scans / Positive andererseits.

    So gesehen verdanke ich dem oben stehenden Artikel einen neuen, wesentlichen Denkanstoß.

    Und wenn ich an meine Yashica Mat 124G denke oder an die Pantax K1000, die immer noch bei uns zu Hause wohnt, die auch nach vierzig(!) Jahren immer noch zuverlässig(!) ihren Dienst verrichtet, überkommt mich so ein merkwürdiges Jucken in den Fingern.
    Dabei funktionieren die Kameras rein mechanisch, also vollkommen ohne Batterie oder Akku. Die gehen auch bei totalem Stromausfall, oder am Nordpol, in der Wüste, im tiefsten afrikanischen Busch, in der Savanne, der Steppe oder sonst wo, wohin ich vermutlich nie im Leben mehr kommen werde. ;)
    Allein schon der Gedanke, solch ein unlimitiertes Werkzeug in der Hand zu halten und damit zu fotografieren, gefällt mir sehr.
    Jetzt muss ich aber los, ich muss etwas gegen das Jucken in den Fingern unternehmen ;)

  5. Warum eigentlich rechtfertigen? Warum Analog gegen Digital?

    Ich verstehe dieses ewige „gegen“ nicht, es kann doch ganz einfach jeder mit dem Equipment fotografieren, mit dem er am Besten arbeiten kann?! Oder muss man ständig beweisen das nur das eigene Equipment das einzig Wahre ist?

    Ich fotografiere mit einer Kamera mit Objektiv, alles andere ist mehr als unwichtig!

  6. Stephan sagt

    Es geht doch überhaupt nicht um für oder wider. ;-)

  7. Nicht?

    „Neulich erst wieder aber war ich in einer Runde recht einsam und sah mich der These ausgesetzt, dass man analog nicht mehr fotografieren müsse, es sei reine Nostalgie. Ihr könnt euch vorstellen, wie entschlossen ich versuchte, auf dem Barhocker sitzend, aufzustampfen.“

    Klang für mich nach für und wider.

    Und wenn es nicht darum geht, wüfur Argumente sammeln? Dann wäre doch einfach fotografieren viel schöner?

    „Nun, meine lieben Analogfreunde und -freundinnen … gebt mir mehr Munition, sagt mir, warum ihr analog fotografiert. Man muss den Ignoranten doch helfen!“

  8. Stephan sagt

    Nein. Mir ging es in der Runde darum, dass die analoge Fotografie AUCH immer noch ihre Berechtigung hat. Ich fotografiere ja, wie Du weißt, sowohl analog als auch digital.

  9. Michael sagt

    Die Mär ewig lang haltbarer Negative oder Dias kann ich aus eigener Erfahrung widerlegen. Es ist erstaunlich, was diese an Qualität im Laufe von 30 Jahren nachlassen, insbesondere Farbnegativfilme. Farbverschiebungen und ausbleichen (obwohl in lichtechten Umschlägen gelagert) sind an der Tagesordnung. Dias sind häufiger mal von Pilz befallen, als man sich das so vorstellt, obwohl immer bei Wohnzimmerbedingungen gelagert. Das Einscannen ist mühsam und mit viel Nacharbeit verbunden. Eine vernünftige Lösung zum Einsannen von S/W-Filmen ist mir , zumindest für den Hausgebrauch nicht bekannt, hier versagt die Lösung über einen Infrarotscan aufgrund der Silberanteile und jeder Kratzer, Fussel oder Staubkorn wird gnadenlos sichtbar.

    Die Abbildungsqualität alter Objektive aus den 80ern und 90ern ist größtenteils erschreckend schlecht.

    Ich bin froh, die analoge Ära verlassen zu haben…

  10. Stephan sagt

    Nichts ist für die Ewigkeit, aber bei mir halten Negative deutlich länger als Nullen und Einsen.

  11. Hallo Stefan,

    ich versteh dich sooo gut. Wie oft sitze ich da und werde gefragt: „wie, und warum machst du das?“

    Ganz ehrlich, ich kann es niemand genau sagen.
    Ich kann nur jedem sagen,
    – dass ich jedesmal Herzklopfen kriege, wenn ich eine dieser ollen analogen Kameras in die Hand nehme,
    – dass ich bei Autos lieber einen wunderschönen Oldtimer anschaue, als den neuesten schnellen Mercedes,
    – dass ganz viele digitale Fotofgrafen eine Analoge voller Ehrfurcht in die Hand nehmen und durch den Sucher schauen,
    – dass ich den Schnittbildindikator, den Schnellspannhebel und den Spiegelschlag oder das entsprechende Auslösegeräusch unglaublich geil finde,
    -dass ich den Moment liebe, wenn ich meine Farbbilder abhole und sie betrachte,
    – dass das Bierchen – welches immer Pflicht ist beim Entwickeln eines S/W-Filmes – unglaublich lecker schmeckt,
    – dass ich den Moment liebe, wenn ich nach dem Wässern meinen gerade entwickelten Film an die Leine zum Trocknen hänge,
    – dass ich das Korn und den Kontrast eines um 3 – 4 Stufen gepushten Filmes einfach unwiderstehlich finde,
    – dass ein analoges Bild eine vollkommen andere Ausstrahlung auf mich hat, wie ein digitales…

    und dass ich trotzdem sehr gerne digital fotografiere und es genieße ein Bild direkt von der Kamera, ohne großen Aufwand in mein Lightroom zu bekommen…

    Fazit für mich:
    Ich kann nicht mit Vernunft begründen warum ich analog arbeite, bei mir hat es ganz viel mit Gefühl zu tun.

    Aber vielen Dank für die Frage und vielen dank an jeden, der die Film-Industrie dazu bringt, weiterhin Filme zu produzieren.

    Aus diesem Grund: „Film is not dead it just smells funny“…

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