Panasonic Lumix GX8 – die Betrachtung

Photographie / Test

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In meiner Betrachtung zur „kleinen Schwester“ Lumix G70 hatte ich bereits davon berichtet, dass die hier nun vorgestellte Panasonic Lumix DMC-GX8EG-K amaz meinen letzten Betrachtungs-Gegenstand am Ende ausgestochen hat. Da liegt es nahe, dann doch nach einer kleinen Ewigkeit das Gerät vorzustellen, auf das meine Wahl gefallen ist.

Was bietet mir GX8 denn nun mehr als die G70? – Video in 4K können beide Kameras aufnehmen und das sollte ebenso gegeben sein, wie ein Anschluss für ein externes Mikrofon. Da meine fast schon betagte Sony a850 überhaupt keine Videos aufnehmen kann, sollte das nun ergänzend dazu gekaufte Gerät in dieser Disziplin zumindest auf der Höhe der Zeit sein und hinter diesen Punkt darf man also getrost einen Haken auf der Liste machen. Was die etwas teurere GX8 der G70 voraus hat, ist nicht nur das gefälligere Aussehen und die angenehmere Haptik – zwei Punkte, die nicht unwichtig sind -, auch bietet sie mit 20 Megapixeln eine Auflösung, die ich mittlerweile gerne hätte und es gibt auch eine doppelte Bildstabilisierung, was die Nutzung von „Fremdobjektiven“ ohne eingebaute „Stabi“ nun deutlich angenehmer macht. Panasonic schreibt dazu: Die LUMIX GX8 verfügt über einen Dual I.S., wodurch Verwackelungen korrigiert werden. Neu ist, dass der Gehäuse-I.S. und der Objektiv-I.S. zusammen arbeiten. Somit werden die Vorteile beider Systeme kombiniert und liefern das bestmögliche Ergebnis. So wird der Verwacklungsspielraum um bis zu 3,5x im Weitwinkel-Bereich erweitert und liefert damit beste Voraussetzung für Street Photography und bei wenig Licht. Street Photography mache ich ja eigentlich gar nicht.

Die Stiftung Warentest hat der GX8 in Verbindung mit dem LUMIX G X Vario 2,8/12-35mm ein „sehr gut“ (Note 1,5) gegeben. In ihrem Urteil hob die „test“-Redaktion die natürliche Farbwiedergabe, das scharfe und detailreiche Bild sowie die feine Abstufung zwischen hell und dunkel hervor, wie Panasonic in einer Pressemitteilung sehr zufrieden mitteilt. Das Zoom steht derzeit noch auf meiner Wunschliste sehr weit oben, hoffe ich doch noch ein bisschen darauf, dass es mittelfristig noch etwas günstiger wird. Ich komme bislang recht gut zurecht mit dem 1.4/25mm Summilux von Leica/Panasonic und dem 0,95/17,5mm von Voigtländer. Für den schnellen Film nehme ich auch ein 14-42mm-Kit-Zoom, so zum Beispiel für die Filmchen, die ich auf der Arbeit (Setup) erstelle und dann rasch über die Social-Media-Kanäle in die Welt rausblase. Gehen wir jetzt aber mal in medias res

Die Ausstattung

Ich hatte schon von der doppelten Bildstabilisation geschrieben und von der Auflösung. Das 3-Zoll-Display auf der Rückseite lässt sich ausklappen und drehen, so dass man auch ohne die ungeheuerlichsten Verrenkungen des eigenen Leibes Bilder aus den unterschiedlichsten Perspektiven aufnehmen kann. Der ausgesprochen gute elektronische Sucher lässt sich auf Wunsch um etwa 90 Grad nach oben klappen. Das mag für den einen oder anderen Nutzer ein tolles Ausstattungsmerkmal sein – ich vermute darin den Grund für den Wegfall eines eingebauten Blitzes und stelle mich auf den Standpunkt, dass der Preis für diese Beweglichkeit zu hoch ist, zudem der GX8 kein Mini-Blitz beiliegt, den man zur Not aufstecken könnte. Warum die erheblich günstigere GM5 dieses Zubehör mitgeliefert bekommt und das „Profigerät“ nicht, erschließt sich mir nicht, es muss was mit Statusdenken zu tun haben, anders ist es mir nicht zu erklären. Ich habe mir bei amazon mal ein Lesezeichen auf den Metz MB 24 AF-1-Blitz gesetzt, will ihn aber nicht kaufen, solange sein Preis über 50 Euro liegt – schließlich waren wir im Sommer 2015 schon bei 44,90 Euro, wie mir das Browser-Addon „Camelizer“ verriet.

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Was für mich auch noch sehr interessant ist, ist die schnellst mögliche Verschlusszeit und die ist mit 1/16.000 schon ganz weit vorne, so dass ich auch bei Sonne das Voigtländer 0,95/17,5mm offenblendig benutzen kann ohne vorher ein Dutzend ND-Filter davor zu schrauben. Gerne hätte ich auch noch ein Gewinde im Auslöser gehabt, damit ich einen ganz schlichten Drahtauslöser nutzen kann. Nun bleibt mir die „Image App“ (iOS oder Android) oder der horrend teure Kabelfernauslöser Panasonic DMW-RSL1E amaz. Allerdings gibt es von Drittherstellern auch erheblich günstigere Lösungen.

Was Panasonic recht offensiv bewirbt, die LUMIX 4K Foto – Post Focus-Funktion, interessiert mich überhaupt nicht. Es werden mit 8 Megapixeln Fotoreihen aufgenommen, mit denen man dann herumspielen kann. Die Japaner preisen „mehr kreativen Spielraum für Fotografen“ an, für mich ist das Tüddelkram. Die weiteren Technischen Daten und Finessen finden sich übrigens wunderbar aufgedröselt bei Panasonic Deutschland.

Boox in a Box von Stephan Spiegelberg auf 500px.com

Die Benutzung

Ich lese keine Bedienungsanleitungen. Wenn ich eine solche zur Hand nehmen muss, hat die Kamera in Sachen Bedienungsfreundlichkeit bei mir schon ziemlich verloren und es müssen sich Wunder und sonstwas offenbaren, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Ich habe zum Beispiel auf der Vorderseite der Kamera einen kleinen Knopf, den ich ab und zu mal aus Versehen drückte und dann erscheint auf dem Display der Hinweis, der Verschlusszeiteffekt sei hinzugefügt oder so. Ich kann mir darunter nichts vorstellen, aber die Lumix funktioniert trotz alledem. Dennoch war ich versucht, den Knopf ganz zu deaktivieren, was aber nicht möglich ist – ich habe ihn dann umprogrammieren lassen. Ja, ich bin ins Photohaus Colonnaden gegangen und habe um Hilfe geschrien.

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Die Ergebnisse

Es ist keine Vollformatkamera, man sollte trotz lichtstarker Objektive nicht erwarten, dass man im High-ISO-Bereich oder in Sachen Freistellung/Absaufen identische Ergebnisse erzielen kann, wenn der Sensor nur ein Viertel der große eines Kleinbild-Frames hat. Das Ding mit der Physik bleibt bei allem technische Fortschritt ein wenig tückisch, aber mit dem 0,95er ist schon einiges möglich! In dem Wissen um diese kleinen Einschränkungen bin ich absolut begeistert von den Bildergebnissen, aber ich habe auch recht großzügig ins Glas investiert und dementsprechend eine gewisse Erwartungshaltung an den Tag gelegt. Die Tester von dxomark.com kürten den Sensor zum besten MFT-Sensor bis zum Testzeitpunkt. Wie so viele Fotokameras der heutigen Zeit steht sie meinen fotografischen Vorhaben nicht wirklich im Wege. Selbst schnelle Schnappschüsse tobender Kleinkinder bei nicht optimalen Lichtbedingungen gelingen, was der guten doppelten Bildstabilisation wohl auch gute Noten gibt, denn der Autofokus arbeitet nach meinem Empfinden machmal etwas zu langsam oder ungenau. Derweil Positiv: In Sachen Dynamik bei Gegenlicht befinden wir uns durchaus auf erwachsenem Niveau.

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Fazit

Auch dieser Fotoapparat ist keine eierlegende Wollmilchsau, entspricht aber weitgehend meinen Erwartungen. Die Panasonic bietet eine Vielzahl von Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, von denen ich die Wenigsten wohl brauche oder in dem sehr unfangreichen Menü auf die Schnelle wiederfinde, aber diese Überladenheit ist kein Alleinstellungsmerkmal der GX 8, sie wird fast von allen modernen Digitalkameras „angeboten“.

Von der Kritik an der Moderne unbeeindruckt, hat es dieser Apparat zur ersten digitalen Wahl in meiner Tasche gebracht, weil sie eben doch sehr gute Ergebnisse liefert, angenehm in der Hand liegt, kompakte Objektive erlaubt und auf die Grundfunktionen einmal beschränkt, sich dann doch sehr intuitiv und schnell bedienen lässt.