Von den Tücken der Reduktion

Es geht mal wieder um die Ausrüstung, wie so oft. Es sollte alles besser werden, ich wollte fokussiert sein auf die Fotografie, Störgeräusche ausblenden. Ich hatte mir schon farbenfroh oder zumindest sehr klar ausgemalt, wie ich – meine Gerätschaften beherrschend – fortan einfach bessere Fotos machen werde. 

Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten von einigen Kameras und Objektiven getrennt, zuletzt eine ganz wundervolle geräumige ONA-Fototasche veräußert und mich der Reduktion verschrieben. Vermutlich haben auch „Die sieben Todsünden der Fotografie“ von Monika Andrae mich in der Annahme bestärkt, dass weniger mehr sein kann. Das verwunderte mich umso mehr, als dass ich mit meinem Freund Patrick Ludolph doch nicht nur an einem Abend schenkelklopfend beinander saß und „haben ist besser als brauchen“ propagiert hatte.

Natürlich habe ich noch immer den großen Fotorucksack und die -Taschen, aber gerade letzte hatte ich doch immer wieder vollgepackt, weil eh noch Platz in der Tasche war. Die Lösung für die Abkehr vom „Geschleppe“, der Ablenkung könnte als „weniger Platz“ heißen, dachte ich. Also kaufte ich die kleine Domke F-5XB Classic RuggedWear, die mir der Taschenfreak für meine Hasselblad 503 mit 80er einst empfohlen hatte. Tatsächlich passt die Mittelformatkamera sehr gut hinein in die Tasche. Dazu auch noch die wundervolle Ricoh GR und mit etwas gutem Willen auch mein Minolta Spotmeter F – ein Heft Lens Paper und dann ist die Tasche auch schon voll. Eigentlich! Zwei Rollen Film bringe ich dann auch noch unter.

Fehlt mir was? – Nicht so richtig. Die Gegenlichtblende am Planar der Hasselblad nenne ich wohl mein Eigen, aber da man sie aufgrund der quadratischen Form ohnehin nicht umgekehrt über das Objektiv stülpen kann, ist sie in der Vergangenheit nicht nur einmal daheim geblieben. Drei Filme insgesamt für die 6×6 sind für mich komfortabel viel und für die Ricoh besitze ich nicht einmal einen Ersatz-Akku. Was mich irgendwie etwas verwundert, wenn ich mir ansehe, wieviele Akkus im DSLR-Forum mit wenig gebrauchten Digitalkameras feilgeboten werden. Da scheinen einige Leute vor lauter Akkus laden nicht zum Fotografieren gekommen zu sein. Sei’s drum.

Das von mir hier Skizzierte ist freilich keine Antwort für solche Fotografen und Fotografinnen, die möglichst einen großen Brennweitenbereich abdecken wollen. Ich beschränke mich auf zwei Brennweiten und zwar – auf Kleinbild umgerechnet und großzügig gerundet – auf 28 mm und 50 mm – zuzüglich „Sneaker-Zoom„.

Mit dieser Einschränkung komme ich nach meiner bisherigen Erfahrung gut aus. Nur einmal, in New York auf der Staten Island Fähre fehlte mir ein Teleobjektiv, weil ich doch ein Foto der Freiheitsstatue haben wollte, doch am Ende war es auch nicht so wichtig. Ach, auf dem St. Lorenz  Strom, an der Mündung, wo wir Wale schauten, hatte ich als „Tele“ nur ein 90mm auf meiner Zeiss Ikon und ein jämmerliches Fernrohr dabei. Ich habe es überstanden.

Zurück zur Reduktion: Köstlich amüsiert hatte ich mich bei der Lektüre der amazon-Rezensionen zu meiner neuen Fototasche, wo ein Kunde bitterlichst beklagte, dass der Gurt so furchtbar schwer sei, er habe ihn gegen eine leichtere Variante ersetzt. Wo ich mich noch vergewisserte, dass der Gurt super ist, wie er ist und das Gewicht vermutlich nur solchen Fotografen auffiele, die eine Holga besitzen, ertappte ich mich dabei, zu prüfen, ob man nicht eine kleine Trinkflasche per Karabiner an der Tasche befestigen könne, denn rein passte sie ja nicht, oder ob es vielleicht etwas gab, womit man zwei Mittelformat-Filme sicher und elegant am Gurt der Tasche befestigen könnte.  Ich sah schon, es würde vielleicht doch nicht so einfach werden, das Ding mit dem Weniger.

Ich hatte es ja bereits bei anderen Gelegenheiten versucht. Ich wollte eine kleinere Geldbörse haben, d.h. im Grunde nur ein Etui für die obligatorischen Karten und wenige Scheine. Das Kleingeld könnte ich ja in die Hosentasche stecken. Das Ergebnis ist, dass das Etui in der Tat nicht dick aufträgt, aber ich vergesse immer wieder Kleinigkeiten, die ich nur manchmal brauche und dennoch in meiner bisherigen Geldböse zu finden waren. Außerdem rollt abends immer wieder etwas Kleingeld durch das Schlafzimmer oder bleibt auf dem Sofa liegen. Ähnlich schwierig war der Verzicht auf das Smartphone, das ich nach eigener Beobachtung schon fast reflexartig oder ungesteuert zur Hand genommen hatte – bis ich mich selbst dabei ertappte und die ständige Erreichbarkeit per Messanger und Mail als nicht erstrebenswert empfand. Ich kaufte ein Klapphandy für wenig Geld und ein kleines Tablet, das für die Hosen- oder Jackentasche zu groß war, für kaum mehr Taler und quälte mich einige Monate damit herum. Am Ende reifte die Einsicht, dass nur eine gewisse Disziplin zum Ziel führen würde.

Und da stehen wir wieder mit der Frage, was ich so brauche, aber zumindest war ich mit sehr wichtigen Überlegungen eine ganze Weile beschäftigt.

Hinweis: Zu Buch und Tasche werde ich mich hier zu anderer Zeit noch einmal etwas ausführlicher und zielorientierter äußern.