Konsumblockade

Photographie

DSC00263-Bearbeitet

Ich nahm an, das „Gear Acquisition Syndrome“ (G.A.S.) wäre nicht heilbar. Was ich mir über Jahre in die Höhle geschleppt hatte, hätte meine aus Kriegserinnerungen resultierend Nahrungsmittel hortende Großmutter mehr als beeindruckt. Gewiss habe ich auch immer wieder Fotoapparate und Zubehörteile abgegeben, aber ich brauchte den neuen Impuls, ich wollte ihn und ich gab mir, was ich begehrte (und bezahlen konnte).

Sollte meine Frau am Ende richtig gelegen haben mit der Annahme, dass die im letzten Herbst und damit noch vor der Geburt unserer Tochter gekaufte Hasselblad zunächst die finale Anschaffung sein sollte? Ich kann es mir noch nicht so recht erklären, warum ich mich schon längst wieder rückfällig geworden bin. Das Kind hat alles, was es braucht und dazu noch vieles, was es nicht braucht.

Gewiss habe ich in einem leichtfertigen Moment gesagt, dass ich in diesem Jahr keine Kamera mehr kaufen würde, weil ich keine bräuchte und das ist ja auch richtig. Aber was ist es für ein „Versprechen“, wenn es mich nicht wirklich fordert? Ich erklärte dieses Vorhaben für nichtig, führte ich doch sonst nur einen Drôle de guerre gegen das G.A.S. Ich war also wieder bereit, die Geldbörse zu öffnen, aber es passierte zunächst nichts …

Mit wurde das 30mm Objektiv für die Hasselblad XPan angeboten, zu einem soweit vernünftigen Preis – ich wäre, sieht man von den Centerfiltern ab, komplett. Die reizvolle Gelegenheit und die Erinnerung daran, dass mir das Objektiv am Strokkur im isländischen Haukadalur wirklich fehlte, ermunterten mich dennoch nicht dazu, zuzuschnappen. Ein anderer Fall war der einer Leica M9, zwei Jahre alt, perfekt passend zu meinen Objektiven mit M-Bajonett, VB 2800 Euro. Der Tarif ist in Ordnung für den Markt, aber schon ob des schrecklichen Displays und des jämmerlichen ISO-Bereichs war es mir kein so großes Investment wert. Vielleicht war ich auch in Sorge, dass ich stets und ständig Hastags mit dem Bestandteil „leica“ verwenden würde. Eine Lytro Lichtfeld-Kamera hatte ich auch noch gesehen und zwar für schmale 149 Euro. Uninteressant.

Ach ja, und Großformat wollte ich doch auch haben. Wie hatte ich die Leute mit meinen Fragen genervt … Puff, kein gesteigertes Interesse mehr, zu umständlich, zu groß. Ich weiß ja eigentlich, dass mir das Negativ nicht groß genug sein kann, aber ich sehe mich am Ende mit einer Fujifilm GW690 III dastehen. Die hat große Negative und kaum mehr als das. Das hat auch was, nur müsste ich jetzt nochmal richtig heiß auf die Texas-Leica werden. Leica? Ups! Orr!

Spenden für Ärzte ohne Grenzen

8 Kommentare

  1. Martin sagt

    Durchaus mutige Zustandsbestimmung, so ganz kurz vor der Photokina… oder ging es darum diesen Moment des Insichruhens festzuhalten, wer weiss wie flüchtig er ist? Ich für meinen Teil packe jetzt jedenfalls erstmal mein neues Objektiv aus…

  2. Wie heißt es so schön: „Wir haben alles, was wir brauchen und das, was wir nicht brauchen, kaufen wir uns!“

  3. Stephan sagt

    Ich habe Einladungen auf die Photokina ausgeschlagen. So steht es. ;-)

  4. Randle P. McMurphy sagt

    G.A.S ist ein scheinbar leicht ansteckender Virus der in unserer konsumorientierter Zeit
    leider zu schnell einen neuen Wirt zu finden scheint, genau an den Spätfolgen dieses Effektes
    leidet mein Geldbeutel gerade. Mein Blickwinkel richted sich wohlgefällig auf Nikon Zubehör
    des Zeitraumes 1959 bis 1975. Mechanisch ist das Zeugs das Beste das Nikon je gebaut hat
    und glücklicherweise ist diese Wahrheit dem Großteil der Menschheit verborgen geblieben.
    So findet sich häufig so ein kleiner Schatz für geringes Geld auf dem elektronischen Flohmarkt wieder.
    Manch eines der ehemals teuren Stücke auch mehrmals und hier beginnt „mein“ Problem………

  5. Martin sagt

    Wer weniger Zeit damit verbringt um seine Ausrüstung zu tanzen hat mehr Zeit zum Bilder machen, daher ist dein Zustand an und für sich ja nichts Schlechtes… da fällt mir ein: Gibt es das Monitorsparschwein eigentlich noch?

  6. Mir geht es da sehr ähnlich!

    Seit dem Systemwechsel keinerlei Gelüste neues zu kaufen, stattdessen bin ich deutlich mehr am Fotografieren!

    Ich bin mit diesem Zustand doch mehr als zufrieden, so kann es meinetwegen bleiben.

  7. …neben dem ganzen Technikgeraffel hast Du einen Aspekt vergessen: Du hast Nachwuchs bekommen. Unserer ist zwar erst wenige Wochen jung, aber seitdem ist jegliches anderes in zweite Reihe gerückt, und dass was unnütz ist, ganz vergessen. Einfach „Puff“ ;o)

  8. Stephan sagt

    Hehe! Herzlichen Glückwunsch! Genießt jeden Moment, es ist überragend!

Kommentare sind geschlossen.