Voigtländer Nokton f0.95 17,5mm – die Betrachtung

Betrachtungen / Photographie

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f0,95 ist das GTI unter den Objektivfreunden. Wenn es dann auch noch Nokton heißt, hat man karierte Sitze, silberne Pirelli-Felgen und den Golfball-Schaltknauf. Dieser Lichtriese war mein absoluter Traum – ich habe meine Sony NEX aufgegeben, nur um dieses Objektiv nutzen zu können. Natürlich wird einem der Physiker erklären, dass f0,95 bei einem MFT-Sensor nicht so heiß ist, wie bei Vollformat, aber man kommt mit dem Voigtländer MFT 17,5 mm / F 0,95 Nokton asphärisch etwas günstiger weg als beim Leica Noctilux und es ist ein wenig leichter, wenngleich 540 zu 700 Gramm den Kohl auch nicht mehr fett machen.

17_5mm_F0_95_Nokton_MFT_stehend_1024Das Nokton ist ein haptischer Traum, es ist sehr solide gearbeitet, was es an meiner Lumix GM-5 etwas deplatziert wirken lässt und den Kauf der GX8 zumindest begünstigte, doch die Rasterung der Blende, der Fokusring – alles macht einen ganz vortrefflichen Eindruck, aber das kenne ich von Cosina, dem japanischen Hersteller, auch nicht wirklich anders. Ich verfalle jetzt allerdings nicht in ausschließlichen Jubel, denn etwas stört mich doch sehr am Nokton. Es ist weniger der Umstand, dass es sich um eine manuelle Linse handelt, sondern vielmehr, dass sie sich weigert, mit der Kamera zu kommunizieren. Mir würde ein Impuls reichen, um die Lupen-Funktion auszulösen. Das hat Voigtländer bei den neuen Weitwinkel-Modellen für das E-Bajonett vorgesehen und ich schrieb etwas neidisch an „Ringfoto“, weil ich das doch auch haben wollte. Man antwortete mir:

Sehr geehrter Herr Spiegelberg,

eine gute Frage, aber Sie können die „Lupenfunktion“ jederzeit bei den Kameras aktivieren, zugegebenermaßen nicht ganz so komfortabel. Eine Umrüstung ist nicht möglich, dies setzt eine komplette neue Konstruktion voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Man muss es also hinnehmen und mit ein wenig Übung findet man die Lupe dann ja auch blind, allerdings empfinde ich diese an meinen beiden Lumix-Kameras in Verbindung mit der recht weitwinkligen Brennweite nicht immer als ausreichend. Niemand hat gesagt, dass es leicht sein würde …

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Der einleitende Vergleich mit dem Leica-Objektiv hinkt natürlich nicht nur ein bisschen, sondern ein bisschen mehr, denn ganz knackscharf ist das Nokton nicht, bei offener Blende ist das mitunter in den Rändern deutlich – vgl. Review des finnischen Fotografen Pekka Potka -, aber da ist bei mir zumeist Bokeh und das finde ich wunderschön. Ab f5.6 wird es dann im gesamten Bereich deutlich besser. Als „Immerdrauf“ ist das Objektiv ohnehin etwas zu schwer, wie ich finde, es hebt zumindest den Gewichtsvorteil auf, den Kameras mit MFT-Sensoren den Geräten der Mitbewerber mit APS-C usw. in der Regel voraus haben.

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Davon sollten sich Interessierte aber nicht abschrecken lassen, es ist ein ganz besonderes Objektiv, mit Stärken und Schwächen und unbedingt mit Charakter, das ich auch mal beim Filmen ausprobieren möchte, allerdings wäre es zum Beispiel für meine aktuellen Zwecke weitgehend ungeeignet, da achtet keiner auf die Bodenmarken, da wird quick&dirty abgedreht und ab geht es über die Social-Media-Kanäle in die Welt. Was meinen Ambitionen schwer in die Karten spielt, ist die Tatsache, dass ich die Blende entweder im Klick- oder Stufenlos-Modus einstellen kann.

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Es war eine überschaubar sachliche oder präzise Betrachtung, es war mehr ein Ausbruch und ich meine, dass genau das zum Nokton passt. Wer sich unsicher ist: Man bekommt für knapp 500 Euro – gegenüber etwa 1.300 Euro für das Voigtländer – das Panasonic Leica H-X015E-K DG SUMMILUX 1,7/ 15mm amaz, was einen Tick weitwinkliger ist, erheblich kompakter und mit Autofokus ausgestattet, das als Standardobjektiv taugt, aber manchmal …

Zu erwerben/bestellen sind die Voigtländer-Objektive beim Ringfoto-Handel. www.ringfoto.de/haendlersuche