Ricoh GR III – Endlich!

Vor rund sechs Jahren kam ich zu meiner Ricoh GR I, der ersten digitalen Version dieses Klassikers mit einem APS-C-Sensor und war damals schon ganz angetan, wie ich in meiner Betrachtung hatte durchscheinen lassen. Die folgende GR II, die nur etwas mehr Konnektivität bot, hatte ich mir gar nicht angeschaut, weil mir der Fortschritt zu überschaubar erschien.

Knapp 6.000 Aufnahmen mit meinem Apparat später kommt mir jetzt zum Verkaufsstart des Nachnachfolgers Ricoh GR III (Affiliate) eben dieser ins Haus und da bietet es sich natürlich auch an, die beiden Kameras zu vergleichen, zumal der Schritt zwischen beiden Apparaten nun doch etwas größer ausgefallen ist.

Von Ricoh herausgestellt werden als Neuerungen das neue Objektiv, das bei Brennweite und Lichtstärke unverändert blieb, der 24-Megapixel-Sensor, der erweiterte ISO-Bereich und der neue Bild Prozessor “GR ENGINE 6”. Mir ist darüber hinaus noch die verbesserte Übersichtlichkeit des Menüs aufgefallen und der Umstand, dass auf der Rückseite einige Knöpfe bzw. Schalter weggefallen sind, was die Funktionalität nach den ersten Erfahrungen allerdings nicht einschränkt. Bekannt ist das völlige Understatement des Auftritts. Grundsätzlich wird das mattschwarze Gehäuse seit Jahren beibehalten und das ist auch gut so. Die GR ist sehr handlich und die Gefahr, dass die aus der Hand rutscht, ist wirklich minimal. Das hatte mich bei der Sony RX100 und den folgenden Modellen immer etwas gewundert, wenngleich auch der “Look” attraktiv ist und man mittlerweile die “Griffbefestigung AG-R2” für 14,99 € nachrüsten kann.

GR III und GR
 Ricoh GR III (2019)Ricoh GR (2013)
Sensor:CMOS APS-CCMOS APS-C
Auflösung:24 Megapixel16 Megapixel
Bildformat:RAW (DNG), JPG
3:2 (bis 6.000 x 4.000 Pixel)
1:1 (bis 4.000 x 4.000 Pixel)
RAW (DNG), JPG
3:2 (bis 4.352 x 3.264 Pixel)
1:1 (bis 3.264 x 3.264 Pixel)
Videoformat:MPEG-4 AVC/H.264
Full-HD (1.920 x 1.080, 60 p/s; 30 p/s; 24 p/s)
MPEG-4 AVC / H.264
Full-HD (1.920 x 1.080,
30 p/s; 25 p/s; 24 p/s)
ISO-Bereich:100 bis 102.400, automatisch, manuellAUTO: ISO 100 bis 800
AUTO HI: ISO 100-25600, manuell: ISO 100 bis 25.600
Verwacklungsschutz:Sensor-Shift Shake Reduction (SR: Shake Reduction) in drei Achsen-
Sensor-Reinigung:Bildsensorreinigung mit Ultraschallschwingungen „DR II”-
Brennweite:18,3 mm (ca. 28 mm KB-äquivalent)18,3 mm (ca. 28 mm KB-äquivalent)
Konstruktion:6 Elemente in 4 Gruppen (2 asphärische Elemente)7 Elemente in 5 Gruppen (2 asphärische Elemente)
Aufnahmedistanz:Normal: ca. 10 cm - unendlich, Makro: ca. 6 cm - 12 cmNormal: 30 cm - unendlich, Makro: 10 cm - unendlich
Fokussiersystem:Hybrid AF (Kontrast- und Phasenerkennungsautofokus)TTL-Kontrast-Erkennungs AF-System
Monitor:3,0 Zoll TFT Farb-LCD-Monitor (Seitenverhältnis 3:2),
ca. 1.037.000 Bildpunkte, Touchdisplay
3,0 Zoll TFT LCD-Monitor (Seitenverhältnis 3:2), ca. 1.230.000 Bildpunkte
Verschlusszeiten:1/4.000 Sek. - 30 Sek. (nur f/2.8: 1/2500 – 1/4000 Sek.)1/4.000 Sek. - 300 Sek., Bulb
Einschaltverzögerung:0,8 Sek.ca. 1 Sek.
Auslöseverzögerung:0,03 Sek.0,03 Sek.
Blitz:(nur als Zubehör)eingebauter Blitz LZ 5,4 (ISO 100)
Interner Speicher:2 GBca. 54 MB
Konnektivität:WiFi, Bluetooth-
Abmessungen:Höhe: 61,9 mm, Breite: 109,4 mm, Tiefe: 33,2 mmHöhe: 61 mm, Breite: 117 mm, Tiefe: 34,7 mm
Gewicht:227g, 257g (inkl. Akku)215 g, 245 g (inkl. Akku)
UVP:€ 899,00€ 749,00

In der Praxis

Von Anfang an vertraut erscheint sie mir, Ricoh hat erneut auf eine Revolution verzichtet und mit Augenmaß Hand angelegt. Meine Wünsche, die ich im vergangenen Herbst aufgeschrieben hatte, blieben ungehört und vielleicht ist es auch ganz gut so. Meine Ideen hatten sich doch zum Teil unerhört von den bisherigen DNA entfernt. Nun, ich musste eigentlich nichts neu kennenlernen und damit ist man mit dem, was man in der Fußball-Berichterstattung gerne die “Abtastphase” nennt, nicht weiter beschäftigt, kann seine ganze Aufmerksamkeit sehr schnell dem Foto widmen und so soll es auch sein.

Weggelassen haben die Entwickler den eingebauten Blitz und zunächst war der innere Aufschrei groß, doch dann habe ich einmal überlegt, wie oft ich den Blitz in den vergangenen Jahren benutzt habe. Das ist nicht so oft vorgekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass er mir mehr fehlen würde, wenn eine Optik mit einer Brennweite von 35 mm oder 50 mm verbaut wäre, ich also mehr auf’s Portrait gehen würde. Ich fotografiere auch mit den 28 mm der Ricoh Menschen, aber anders.

Was mir sehr schnell aufgefallen ist, ist der neue Autofokus, der grundsätzlich viel schneller und präziser daherkommt als jener, der mir bekannt ist. Bei der GR I kam es schein einmal vor, dass man anstatt der beiden Kinder im Eiskaffee die Straße im Hintergrund im Fokus hatte. Abgerundet wird das neue gute Gefühl durch den Bildstabilisator, der auch bei etwas längeren Verschlusszeiten scharfe Bilder erlaubt. Mein Freund Patrick Ludolph hat die GR III auf einem kleinen Trip mit seinem Moped getestet und ein Video zu seinen Eindrücken produziert.

Altonaer Fischmarkt, Gegenlicht von Süden,
nachbearbeitet in Adobe Photoshop CC und Alien Skin Exposure X4

Wenige Minuten vom Ricoh-Büro entfernt gibt es an der Elbe mit dem Hamburger Hafen gleich eine gute Kulisse, um mal wieder meine Vespa ins richtige Licht zu rücken. An diesem Tag mit sehr wechselhaftem Wetter hatte ich die GR III schussbereit als mein Roller vor einer Wolkenwand einen Gegenlicht-Schatten warf.

Ein kleiner Streifzug durch die Fotobuchhandlung des Vertrauens mit Schnappschuss ohne nennenswerte Nachbearbeitung.
Das “Kodak Gold” VSCO-Preset reicht.
Neben der “Elphi” ist das Wasserschloss in der Speicherstadt ein sehr beliebtes Fotomotiv.

Weitere Schnappschüsse habe ich dann vor Arbeitsbeginn zwischen Deichtorhallen und Speicherstadt aufgenommen. Fotografisch nicht anspruchsvoll, aber Situationen, die einem so beim Schnappschießen unterkommen können. Da ich die GR III als völlig unaufdringliche “Immerdabei” und auch absolut als Reisekamera mit Schwerpunkt “Impressionen” begreife, ist dieses Vorgehen meiner Auffassung nach sehr praxisnah. Um es vorwegzunehmen: sie meistert diese Aufgaben ohne Probleme und liefert Ergebnisse in technisch überragender Qualität für die Außenmaße der Kamera.

Bokeh geht, aber trotz dieses Beispiels ist das keine Disziplin, die die GR III wirklich beherrscht.
Satte Unschärfe ist nur möglich im Makro-Modus und dessen “Fenster” liegt zwischen 6 und 12 cm.

Bei einer Offenblende von f/2.8 und einem APS-C-Sensor sollte man auch nicht erwarten, dass die Bilder “bokehlicious” (Video) werden, da sind andere Apparate besser geeignet.

ISO 10.000, Schatten und Lichter angeglichen, S/W-Konvertierung

Mit dem neuen Sensor und dem neuen Bildprozessor wurde auch eine deutlich erhöhte ISO-Leistung in Aussicht gestellt und in der Tat kann man jetzt bei weniger Licht aus der Hand Bilder machen, was sicherlich auch der Bildstabilisierung zuzurechnen ist. Einige wenige Testbilder habe ich dazu gemacht, hielt ISO 12.800 noch für machbar, wenn man das Bild machen möchte oder muss, aber eine Sony A7s II wird die GR III natürlich immer noch nicht. Was bei schlechtem Licht aus meiner Sicht das größere Manko ist, dass die Ricoh mit ihrem neuen Hybrid-AF Probleme beim Fokussieren hat, was mir von der GR I mit ihrem TTL-Kontrast-AF-System so nicht bekannt war. Man muss damit rechnen, dass der AF auch mal pumpt und neu ansetzt. Vielleicht lässt sich das mit einem Firmware-Update noch regulieren. Allerdings muss ich auch einräumen, dass meine Zeit zum Testen ziemlich beschränkt war und ich vielleicht auch einfach nur “Pech” hatte bei meinem kurzen Ausflug in die dunklen Straßen.

Update 23.04.2019 Ricoh hat die Firmware 1.10 veröffentlicht, die unter anderem Verbesserungen beim Autofokus bringen soll.

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat

Das leichte Urlaubs-Besteck

Die kompakten Abmessungen der Ricoh GR III hatten wir ja schon bildlich und schriftlich skizziert, nun komme ich noch einmal zu einer Vergleichsaufnahme, um dies zu unterstreichen. Die Zigaretten dienen alleine (sic!) dem Größenvergleich, den Mist habe ich hinter mir gelassen. Zwei Wochen später verfiel ich dem G.A.S..

Ein Smartphone ist kein Fotoapparat! – Natürlich habe ich etliche Schnappschüsse, vor allem der Kinder, schon mit dem iPhone gemacht und mir gedacht, “besser ein schlechtes Foto als gar keins”, aber will man schlechte Fotos? – Nein! Nicht zuletzt durch den großen Sensor und die hervorragende Optik liefert die Ricoh eine Bildqualität, die man sonst nur bei erheblich baugrößeren Kameras findet. Die Frage nach der Berechtigung einer “Kompaktkamera” stellt sich hier also nicht.

Die Mitbewerber

Bevor ich nun die zweite GR in der Geschichte dieses Blog betrachtete, überlegte ich einigermaßen angestrengt, ob die GR III sich mit einem anderen am Markt erhältlichen Gerät vergleichen ließe. Zeigt man sich bei der Brennweite ein wenig flexibel, kommt man kaum vorbei an der Fujifilm XF10, die wie die GR III einen APS-C-Sensor, 14 Megapixel und keinen elektronischen Sucher hat. Mit rund 480 Euro (Straßenpreis) ist sie sogar erheblich günstiger und kaum größer (vgl. Gegenüberstellung bei camerasize). Etwas lichtstärker, mit einem Hybrid-Sucher ausgestattet und auch baugrößer (vgl. Gegenüberstellung bei camerasize) ist die Fujifilm X100F. Mit einem Preis von knapp 1.400 Euro ist sie dann aber auch deutlich kostspieliger.

Ich hatte noch mit dem Gedanken gespielt, die Sony RX100 III oder IV als Mitbewerber zu nominieren, aber diese Kameras mit 1 Zoll-Sensor und Zoom-Objektiv spielen trotz ähnlicher Abmessungen, wobei die Sony wegen des Klappdisplays deutlich dicker ist (vgl. camerasize.com), in anderen Klassen.

Video

Wie schon ihre Vorgängerin beherrscht die Ricoh GR III kein 4k-Video, was ich aber auch nicht schlimm finde. Für mich ist sie – ohnehin Spezialistin – keine Videokamera und ich habe es auch nicht getestet, auch bei der GR I hatte ich niemals das Verlangen. Beim Filmen setze ich weiterhin und aus gutem Grunde auf meine Lumix-Kameras mit MFT-Sensor.

Fazit

Am Ende musste sich die GR III der GR I im Vergleich stellen, zumal es auch meine Frage war, ob es sich “lohnt”, den Wechsel auf die modernere Kamera zu vollziehen. Die Antwort ist in meinem Fall nicht so leicht. Die GR I hat mich auf vielen Wegen und in vielen mir wichtigen Situationen begleitet und hat mich niemals im Stich gelassen, selbst wenn ich seit Jahren darauf verzichte, sie in einer Fototasche oder einem gepolsterten Täschchen im Rucksack zu tragen. Sie findet sich in Jacken- und Hosentaschen, im Messanger-Bag wieder und nimmt dabei (bis dato) keinen Schaden. Toi, toi, toi.

Auf der anderen Seite kann die GR III so vieles so viel besser, ist noch kompakter geworden, hat mehr Ausstattung und wirkt durchdachter, doch bevor ich diese Frage für mich beantworten konnte oder musste, war klar, dass das nötige Geld nun in einer neuen Waschmaschine steckt – leider gab es diese nicht in mattschwarz.

Fassen wir alles also noch einmal zusammen:

Was mir besonders gut gefällt

  • überragend schnell einsatzbereit
  • minimalistisch-unauffälliges Design
  • sehr guter Qualitätseindruck
  • hohe Bildqualität
  • Hosentaschenformat
  • Touchdisplay
  • gute Bildstabilisation
  • grundsätzlich deutlich verbesserter Autofokus, aber …

Was mir nicht so gut gefällt

  • der weiterhin fehlende elektronische Sucher
  • die fehlende Möglichkeit, einen EVF aufzustecken
  • der beibehaltende Verzicht auf ein klappbares Display
  • mitunter Autofokus-Probleme bei schlechten Lichtverhältnissen
  • kein GPS (nur in Verbindung mit Smartphone)

4 Comments

  1. Nikolaus Krandiek 14. März 2019

    Immer wieder schön was von dir zu lesen. Fachkundig und gut geschrieben

  2. Dirk 22. März 2019

    Danke für Deine Eindrücke. Die XF10 ist allerdings mit 41mm gegenüber der GRIII mit 33mm ein wenig pummeliger, auch wenn sie nicht so aussieht. Meine GR(I) kann ich noch in die Jeans-Hosentasche stecken. Geht mit der Fuji wahrscheinlich auch noch, trägt aber halt mehr auf.

  3. Stephan 23. März 2019

    Danke! :-)

  4. Stephan 23. März 2019

    Das stimmt, aber sonst ist in der Klasse ja nicht soviel los. ;-)

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