Zeiss Ikon ZM – der GeheiMtipp

Zeiss Ikon ZM – der GeheiMtipp

Vermutlich werden “Speed” oder “Crystal” offensiver beworben, als es die Firma Zeiss mit ihrer unglaublich guten Kleinbild-Messucherkamera Zeiss Ikon ZM in den vergangenen Jahren getan hat. Wie ein ungeliebtes Kind wurde sie behandelt. Werbung habe ich nie gesehen und als ich von der Kamera gehört hatte, musste ich schon reichlich Auswand betreiben, um im Internet einen Händler zu finden, der sie mir verkaufte.

Im Jahr 2005 hatte Zeiss nach Dekaden ohne eigene Kamera die Zeiss Ikon ZM in der hier gezeigten Farbkombination Silber/Schwarz vorgestellt. Erinnert sie optisch noch an die kantigen Contax-Kameras hat man nicht ihr Bajonett wieder aufleben lassen, sondern das (Z)M-Bajonett von Leica übernommen. Etwas später erweiterte Zeiss das Angebot um die schwarze ZM und die beiden SW-Varianten, die im Oktober 2006 auf den Markt kamen. Die SW-Kameras waren für den Einsatz der Superweitwinkelobjektive gedacht und verzichteten auf den Messsucher. Der Listenpreis der SW zur Einführung betrug 929,00 Euro, die ZM kostete 1450,00 Euro.

Montreal, Sommer 2012, Kodak Elitechrome 100, 1.5/50 Sonnar

Obwohl die bei “Kabushiki kaisha Cosina, Nakano, Japan” hergestellten ZM-Kameras mit hohem Aufwand entwickelt worden waren und in einigen Belangen dem Mitbewerber/Platzhirsch sogar überlegen waren, schrieben sie keine Erfolgsgeschichte, was ob der defensiven Bewerbung und Verkaufsbemühungen nicht überrascht – das Ziel des Konzerns war es, Objektive zu verkaufen, die ZM nicht mehr als ein Vehikel. Nach sieben Jahren stellte man die Produktion schon wieder ein und konzentrierte sich weiter auf die Objektive, die zum größten Teil ebenfalls in Nakano produziert werden – wie jene, die als Voigtländer vertrieben werden, auch.

You might have come across some discussions about the end of our Zeiss Ikon camera. The Zeiss Ikon is a convenient, discreet and uncomplicated camera with M-mount, used mainly by fans of analogue photography. In order to cater to the rapid development of the market, we have decided to focus our efforts on camera lenses for different applications and camera systems and to stop the production of the Zeiss Ikon camera. However, we will continue to produce and further expand the range of lenses for the ZM lens family, which can be used on many analogue and digital M-mount cameras. The Zeiss Ikon camera will be available at Carl Zeiss authorized dealers as long as stocks last and we will continue service and support for the camera.

Zeiss, Facebook, 2012, zit nach lavidaleica.com

Sehr gerne hätte ich die ZM damals vor dem Kauf einmal in Händen gehalten, aber in Hamburg war sie nicht in Augenschein zu nehmen. Ich verließ mich also auf das Urteil anderer Fotografen, ärgerte mich ein wenig, dass der Händler im niederbayrischen Landkreis Passau kein Modell in Schwarz vorhielt und bestellte 2012 die ZM im Set mit dem 1.5/50 mm Sonnar und der aufpreispflichtigen Gegenlichtblende. Insgesamt überwies ich 1.578,90 Euro ins beschauliche Tiefenbach. Vergleicht man das mit dem Preis einer Leica M7, ist das zunächst natürlich sehr günstig, kostete diese damals doch 4.450 Euro – selbstverständlich ohne Objektiv. Selbst heute ruft Meister Camera in Hamburg für gebrauchte Gehäuse noch 1.800 Euro auf, die M6 TTL kommt auf knapp 2.000 Euro. (Abgerufen am 01.03.2019)

Nomen est omen

Es ist keine Leica! – Stimmt! Das muss aber nicht schlecht sein! Natürlich ist eine Leica von der Haptik her noch einmal eine ganz andere Geschichte, wenngleich die von Cosina in Japan gefertigte ZM ebenfalls sehr gut verarbeitet ist und auch haptisch einen guten Eindruck hinterlässt. Der Produktionsort ist für mich zumindest kein Hinweis auf mangelnde Qualität. Nicht nur, dass Japan selbst ein hochindustrialisierter Standort mit einer langen Handwerkstradition ist, auch Leitz/Leica produziert nicht ausschließlich “in Germany” (1952-1990 Leica Canada, ab 1973 Leica Portugal).

In der Tat wurden bei der Zeiss Ikon ZM hier und da an den Materialien gespart, um den Preis niedrig zu halten. Mancher wird es ebenfalls für ein Indiz für geringere Qualität halten, dass sie mit ihrem Schlitzverschluss auch lauter auslöst als zum Beispiel eine M6 oder M7, aber das zum Beispiel empfinde ich nicht als Nachteil, weil das “Klack” einfach schön solide klingt. Rein subjektiv.

Hamburg, Rollei Retro, 1.5/50 Sonnar

Der Sahne-Sucher

“Ja, der ist nicht schlecht.” Bei Meister Camera hat man sich mit Lob für eine Kamera, die nicht aus Wetzlar oder Solms kommt, nicht immer so leicht getan. Als ich mit einst ein 90mm-Objektiv in Eppendorf kaufte, fragte man mich hinter dem Tresen, ob man meine mitgebrachte ZM einmal ansehen könnte. Als der freundliche Herr die Kamera wieder vom Auge nahm, kam es zu diesem großen Kompliment. Ich hatte bei meinem Aufenthalt ebenfalls die Chance ergriffen, mir die “Mitbewerber” anzusehen und reichte sie nach gewissenhafter Ansicht sehr zufrieden zurück – den Sucher der ZM will ich keinesfalls gegen den einer Leica eintauschen.

Rangefinder fans who haven’t shot the ZM have most likely heard the tales of its wonderfully large and bright viewfinder. If there is one feature of this machine that it should be judged by, this is it. It stands alone, unrivaled by any M body before it, and to this day is the most beautiful viewfinder on any camera, hands down.

Dustin Vaughn-Luma | casualphotophile.com
Angetreten II

Zeiss Ikon ZM Datenblatt

Kleinbild-Messsucherkamera mit Metall-Schlitzverschluss, TTL-Belichtungsmesssystem
Bajonett:M-Mount
Sucher:Vergrößerung 0,74-fach, kombinierter Mischbild- und Schnittbild-Entferungsmesser, Formatbegrenzungslinien: 28/75 mm, 35 mm, 50 mm, automatischer Parallaxenausgleich
Belichtungsmesser:Mittenbetontes TTL-System mit Arbeitsblende, Messbereich (Bei ISO 100 und f/2 EV 0 bis bis EV 19 (f/2 - 4 sec, f/16 - 1/2000 sec).
Filmempfindlichkeitsbereich:Manuell einstellbar von ISO 25 - ISO 3200 in 1/3-Blendenstufen
Verschluss:Vertikal ablaufender Metall-Schlitzverschuss, elektronisch gesteuert, Verschlusszeiten in 1/12 Blendenstufen zwischen 1/2000 - 8 sec. im Automatik-Betrieb, manuell einstellbare verschlusszeiten zwischen 1/2000 - 1 sec., Stufung 1 Blende, sowie B(ulb).
Blitzsynchron:Synchronisation bei 1/125 sec. und länger
Gehäuse:Aluminiumdruckguss-Körper, Magnesium-Gehäuse, Stativ-Anschluss (nicht auf optischer Achse) 1/4 inch.
Batterie:CR 1/3 Lithium oder je zwei 1,5 V Zellen LR 44 bzw. SR 44
Abmessungen (ohne Objektiv):138 mm x 77,5 cm x 32 mm
Gewicht (ohne Objektiv): 460 g

Affiliate-Links

Nachfolgend habe ich einige Links auf amazon.de zusammengestellt. Wenn ihr über diese Links einkauft, bekomme ich eine kleine Provision, für euch entstehen keine Mehrkosten. Solltet ihr aber den Fachhandel bemühen oder aufsuchen wollen, macht das sehr gerne.

Der Kauf von Kleinbildfilmen wie dem Kodak T-MAX 100 ist bei amazon.de schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu empfehlen. Da verweise ich gerne zum Beispiel auf die Firma Nordfoto in Norderstedt oder Fotoimpex in Berlin, um zwei Beispiele zu nennen.

Baumwall

Die erste Betrachtung

Im November 2012 hatte ich schon schnell und dreckig (quick & dirty) einen Blick auf die ZM geworfen und diese erste Betrachtung ist bei Google immer noch ziemlich prominent gelistet. Allerdings kommt der Informationsgehalt dabei etwas kurz, so dass es doch geboten war, ein wenig mehr als diesen Erfahrungsbericht anzubieten.