Alle Artikel von “Stephan

Holga 120GN – die Betrachtung

R0002093

In den letzten Wochen und Monaten hatten in der Regel sehr moderne Digitalkameras den Weg unter meine Lupe gefunden, aber ich sollte meinem eigenen Fotografierverhalten mehr Rechnung tragen und auch mal wieder eine Analogkamera betrachten und da halte ich es für angemessen, einen Klassiker der Kameratechnik vorzustellen, auch wenn er vermutlich gemeinhin bekannt ist.

R0002172

Ich habe mir für umgerechnet rund 24 Euro über die Bucht eine Holga 120 GN gekauft, eine Mittelformatkamera mit einer Glaslinse im Plastikobjektiv mit einer Brennweite von 60mm, als einem leichten Weitwinkel bei einer maximalen Blendenöffnung von f8 und einer Verschlusszeit von etwa 1/100 Sekunde. Diese Werte kommen einigermaßen hin – ich hatte sie bei einem Shooting im Studio einmal als gegeben hingenommen und hatte durchgehend zutreffende Belichtung. Auf Wikipedia werden die Blenden f13 (Sonne) und f19 (Wolken) genannt – das kann ich nicht bestätigen. Die Fokusregulierung auf dem Objektiv ist übrigens keine reine Deko, es tut sich tatsächlich ein wenig. Aufgenommen wird in der Regel im Format 6×6, man kann aber auch eine andere Maske einsetzen, die dann 6×4,5 und damit 15 statt nur 12 Aufnahmen bietet.

Soldier

Fraglos ist es hilfreich, wenn man einen Schwarz-Weiß-Film mit ISO 400 nimmt, der nach oben und nach unten noch etwas Luft hat, bei knalligstem (Superlativ!) Sonnenschein habe ich auch schon einmal einen Film mit ISO 100 benutzt.

R0002171

Charakteristisch, auch für die Glaslinsen, ist die Vignettierung in den Ecken und der Schärfeabfall weg von der Mitte. Ebenfalls häufig zu sehen sind die etwas laschen Farben, wie hier im Bild vom Hamburger Fernsehturm, wobei ich diese Aufnahme auf Diafilm mit der noch weniger scharfen Stereo-Holga, die ich übrigens zu veräußern gedenke (^_~), aufgenommen habe. Vergütet sind weder die Linsen der einen, noch der anderen Kamera.

Verschiedene Giebel

Zur Verarbeitung des Apparats sind nicht viele Worte zu verlieren: die Kamera sieht so billig aus, wie sie ist. Die Filmrolle(n) wird/werden fixiert durch Schaumstoffpolster, der Film wird per klickendem Drehrad transportiert, Doppelbelichtungen werden technisch nicht verhindert, um Lightleaks vorzubeugen nutzen einige Holga-Freunde schwarzes Klebeband, um den Deckel hinten abzudichten oder einfach nur zu fixieren und auch der Verschlussmechanismus macht keinen sehr vertrauenserweckenden Eindruck.

R0002173

Den Einsatz im Studio hatte ich ja schon erwähnt und auch schon Ergebnisse verblogt, aber ich darf auch an dieser Stelle noch einmal notieren, dass die Holga mit allen Blitzauslösern von Yongnuo und Elinchrom, die ich benutzt habe, kooperierte, allerdings blitzte es stets beim Auslösen und wenn man den Auslöser wieder losließ. Das ist ein bisschen lästig, aber billig ist nicht immer technisch perfekt.

Fazit: Wer Instagram und Hipstamatic nett findet, aber doch langweilig, wer reinschnuppen möchte in die Fotografie ohne gleich ein Vermögen auszugeben, wer eine Kamera da braucht, wo das teure Stück zu gefährdet wäre, wer einen Fotoapparat mit Kunstfell bekleben und anmalen möchte, wer ein Holgaroid-Back findet – all jenen sei der Kauf ans Herz gelegt. Mit Vernunft hat das nicht zu tun, aber mit sparsamen Unvernüftigsein!

In my bag

SONY DSC

Es lässt sich nicht leugnen, dass ich empfänglich bin für die Spielarten des Fototaschen-Porn. Der freundliche Bellamy Hunt, aka Japancamerahunter, bedient diesen Fetisch auf seiner Webseite schon seit einiger Zeit und sehr erfolgreich. Nachdem ich nun einer der ersten gewesen bin, der vor über 1,5 Jahren sein Täschchen bei ihm ausgebreitet hatte, war nun wieder Zeit, es ein weiteres Mal zu tun.

Ausgebreitet habe ich nun den Inhalt meines Incase Ari Marcopolous-Bags, der u.a. umfasst meine Mamiya 645 Super mit 3.5/150mm-Objektiv, Sucher und Winder – taktvoll begleitet durch einige Filme und das 2.8/80mm-Objektiv. Meine Hasselblad XPan kommt aus mit dem 4/45mm-Standardobjektiv und schließlich ist noch die Pentax Ricoh GR Digital Kamera dabei – als digitale Komponente des Sets. Hier habe ich noch den Weitwinkelvorsatz GW-3, wie den Filteradapter mit Hood GH-3, das USB-Ladekabel und schließlich für die SD-Karten die Think Tank SD Pixel Pocket Rocket. Meine Graufilter (49mm) sind in einem Mäppchen von Tiffen verstaut, der Kaiser Profi-Drahtauslöser, 50 cm ist für die zwei analogen Schönheiten. Die Schutzbeutel für die Objektive habe ich mal nicht mit abgelichtet.

Wie sieht es denn in euren Taschen so aus?

Ricoh GR – die Betrachtung

Schwarz, klein, stark – Geschickt, wie eingängig skizziere ich in Anlehnung an einen Slogan für einen deutschen Reifenhersteller die Grundzüge der neuen Ricoh GR (amazon-Link), die ich nun schon einige Wochen habe benutzen können und im ersten Kontakt und einer erschöpfenden Dokumentation des Auspackens bereits thematisiert hatte. Man könnte fast meinen, dass ich die Kamera zu gerne daheim aufgenommen habe und so ist es auch.

Read More

Islands Weiten

Wide

Man könnte sich vorstellen, dass nun vielleicht Gerd Ruge ins Bild tritt und weit westlich seines Hauptberichtsgebietes mit angenehmer Stimme erzählt von der Landschaft Islands, vielleicht streut er noch einen Exkurs ein über Trolle und steuert eine Anekdote über den Kauf eines Pullovers bei, doch Gerd Ruge wird nicht ins Bild treten – nicht hier. Hier zeige ich, warum ich glaube, dass eine Hasselblad XPan mit nach Island muss.

Þingvellir

Besonders wild entschlossen war ich ja, Langzeitbelichtungen der Landschaft zu machen und tatsächlich ist mir eine solche gelungen, aber so richtig lang war es nicht, was einerseits an der Helligkeit – trotz ND 10 – lag und andererseits dem Wind, dem richtigen Wind, dem Nordmänner-Wind und dem Umstand, dass wir hier Teil einer Ausflugsgruppe waren, geschuldet war.

Scan-130529-0018

Aber auch zum überlegten Schnappschuss war die XPan ein großartiges Werkzeug, zumal die Landschaft einen mit der schroffen Weite wirklich beeindrucken kann, wie hier am Feriensitz des isländischen Staatsoberhaupts.

Scan-130529-0022

Manchmal schien aber auch das 45mm-Objektiv nicht alles auf Film bannen zu können, wie hier beim großen Wasserfall zu sehen, aber da das 30mm, wie ich schon auf meiner Facebook-Fanseite unterschwellig beklagte, nicht bezahlbar ist, muss und kann man mit diesen gar schrecklichen Beschränkungen gut leben.

Scan-130529-0015

Aufgenommen wurden diese Bilder auf Fujifilm Neopan Acros 100 135/36 während der eintägigen Golden Circle Tour von Gray Line, die wir bereits von Deutschland gebucht hatten. Mit Busfahrer und Reiseleiter, dem Franzosen Gilbert, hatten wir ebenso viel Glück, wie mit dem Wetter.

Farbige isländische Streifen

Garðskagi

Weiter geht es in der lustigen Fotoshow! Vati flucht über den Diaprojektor, Mutti zerlegt den Käseigel und der Hund rennt mit den neuen italienischen Schuhen im Maul herum, die Onkel Walter aus Rücksicht auf den Teppich im Flur abgestellt hatte.

Haukadalur

Das erste Bild ganz oben zeigt den Leuchtturm Garðskagi und ist leider nicht in der Lage, den Sturm, der uns dort an der Küste heimsuchte, auch nur im Ansatz nachzuzeichnen, aber die Dunkelheit hat man ganz gut einfangen können. Das zweite Bild, ganz Sonnenschein, wurde am Rande des Geysir-Felds aufgenommen, das man auf der sehr kurzweiligen Golden Circle Tour aufsucht.

Puff

Das wäre hier dann der Strokkur (Dank an Chris für den Hinweis!) kurz nach dem Ausbruch. Man rechnet ja immer damit, dass die Fontäne gleich kommt und erschrickt dennoch so sehr, dass ich recht stolz darauf bin, die Kamera nicht völlig verrissen zu haben. Viel weiter weg hätte ich auch nicht stehen können, wenn ich die Absperrung nicht mit auf dem Bild haben wollte.

Parking

Zum Abschluss der heutigen Runde noch einmal der Honda, den wir uns geliehen hatten. Als SUV, der er nun einmal sein möchte, hatte er es ohnehin schon schwer, Zugang zu meinem Herzen zu finden, die stürmische Automatik und die schreckliche Sitzheizung nervten mich schon früh, der hohe Verbrauch trug seinen Teil dazu bei, aber in der Rückschau wäre ein Kleinwagen vielleicht suboptimal gewesen und ich denke fast dankbar an das ungefragte „Upgrade“ zurück.

Zurück aus dem Nordatlantik

_0012311

Wer hätte gedacht, dass mal jemand das gute Wetter auf Island vermissen würde, wenn er Ende Mai aus dem Nordatlantik nach Hamburg zurückkehrt? – Ich vermutlich nicht, aber wollen wir nicht zu dick auftragen: an den wenigen Sonnentagen in dieser Woche trugen nur die Isländer kurze Hosen und T-Shirts. Der Tourist an sich, und da nehme ich mich nicht aus, hält Fleece für kaum weniger angemessen.

Nach einigen Tagen in und rund um Reykjavik bin ich also wieder zurück und habe natürlich fest vor, diese Reise anhand des einen oder anderen Fotos Revue passieren zu lassen. Zunächst kommt das, was die Digitalkamera bannte, dann lege ich die Ergebnisse aus der Hasselblad XPan vor und darf schon im Vorwege verraten: so einfach war das alles gar nicht.

Mamiya 645 Super – guter Einstieg ins Mittelformat

DSC01733-Bearbeitet

Mein Einstieg ins Mittelformat war die Mamiya 645 Super nicht – über Holga und Kiev 88 kam ich schließlich zur preisgünstigten Japanerin und habe mich inzwischen nur zu gerne auf sie eingelassen, wenngleich ich gewiss zuschlagen würde, wenn ich einer Hasselblad in gewünschtem Zustand, zu gewünschten Preis bei uthopischen Lieferumfang ansichtig würde, aber bleiben wir zunächst einmal auf dem Teppich und halten fest, dass man mit der Mamiya 645 Super und auch mit der Pro recht günstig gute Werkzeuge bekommt.

larasw13

Ich habe für die Kamera inklusive Magazin, dem 2.8/80mm-Objektiv und beiden Suchern (Prisma mit Zeitautomatik sowie Lichtschacht) vor knapp zwei Jahren keine 400 Euro auf den Tisch gelegt. Das 3.5/150mm-Objektiv for Portraits schlug mit 199,00 Euro zu Buche, der Handgriff mit Motor WG 401 war für knapp einhundert Euro bei ebay zu finden, während ich dem Besitzer des von mir genutzten 2.8/45mm noch ein Angebot unterbreiten muss.

Scan-130515-0002

In kleiner Bestückung mit Lichtschachtsucher und 80mm taugt die 645 beinahe zur Schnappschusskamera, wenngleich hier entweder Licht und Zeit geschätzt werden müssen oder man sich bemüht, einen Belichtungsmesser zu benutzen. Für „Street“ wäre sie aber völlig untauglich, wie man mir in einem Forum unlängst mitteilte, doch das nahm ich zwar schweigend, aber nicht zustimmend zur Kenntnis. Mit dem Prisma-Sucher ist die Handlichkeit schon etwas eingeschränkt, aber die Zeitautomatik ist sehr komfortabel – hier muss man eben abwägen. Bei Shootings empfand ich schließlich den Einsatz der Kurbel zum Filmtransport als etwas mühsam und lauerte lange in der Bucht bis ich einen Motor für unter einhundert Euro bekomme. Er funktioniert wunderbar, macht Fotos im Hochformat deutlich einfacher und knallt die 15 Aufnahmen auch blitzschnell durch, wenn man nicht aufpasst. Mit dem anschließenden jammernden Spulgeräusch des Motors kann man übrigens auch Models zum Kichern bringen. Geheimtipp. Ohne Garantie.

Two Cars by Stephan Spiegelberg (kagamiyama)) on 500px.com

Was behalten wir also über? – Erst einmal seien jene, die mehr technische Daten und Einzelheiten erwartet habe, verwiesen auf die Webseite von Mamiya Leaf, wo sich eine englischsprachige Anleitung zur Kamera als PDF findet. Für den Rest reicht prägnant ein Für und Wider:

Pro: Günstiger Preis, hohe Verbreitung, solide Verarbeitung, durchdachte Konstruktion, umfangreiches Zubehör erhältlich, mitunter ganz hervorragende Abbildungsqualität.

Contra: Mit 1/60 keine besonders schnelle Blitzsynchronzeit, dem Manko kann man aber durch den Kauf von Objektiven mit Zentralverschluss begegnen – dann ist 1/500 möglich.

Welta Reflekta II – Spiegeltausch

SONY DSC

Ein Video-Workshop, eine skizzierte Anleitung? – Bleiben wir realistisch und finden uns ab mit den Ergebnissen gewissenhafter Recherche und ein wenig fluchender Schrauberei.

Foto 2013-04-25 04.39.44 nachm

Meine liebe Schwiegermutter hatte mir vor einem Jahr eine alte Welta Reflekta II B geschenkt, inklusive der aufregenden Geschichte, wie eine Tante die Kamera „aus der Sowjetzone“ in den Westen geschmuggelt hat. Obwohl einige Dekaden in Benutzung zeigte sich die Kamera in sehr ordentlichem Zustand, nur der Spiegel war eine Katastrophe und die Lupe ist eine trübe Nuss.

Meine ersten Anfragen bei Mr. Google führten mich zunächst nur soweit, dass ich herausfand, in Hamburg bedampft jemand Spiegel neu. Das wäre eine Option, doch die wäre auch aufwendig und teuer. Auch wurde im Netz immer wieder auf ein Reperaturanleitung verwiesen, die jedoch nicht mehr existent war, so stolperte ich die Tage eher zufällig über localbrain, wo Tom seine Lösung des Problems aufzeigt. Er hat mit der Firma MediaLas einen Anbieter für Laserbedarf ausfindig gemacht, dessen 5×5-Spiegel (Laseroptik > Laserspiegel > Laserspiegel LS 50 – 50x50x2mm) perfekt passen soll – und er tut es. Für rund 20 Euro inklusive Versand etc. bin ich durchaus zufrieden. Jetzt brauche ich nur noch eine Lösung für die Lupe …

Die Sony NEX-6 in der Praxis

_PEN7788-Bearbeitet

Die allerersten Eindrücke, jene nach einer Woche habe ich, wie auch den ersten Einsatz im Studio schon skizziert, die ersten 100 Tage habe ich verpasst, nach einem Jahr könnte schon der Nachfolger vorgestellt werden – keine Behauptung, eher eine Befürchtung! -, so möchte ich jetzt nach knapp fünf Monaten mein Fazit ziehen unter die Arbeit mit der Sony NEX6.

„Leistung für Experten. Einfache Steuerung.“ – So verkauft Sony seine Kamera auf der eigenen Webseite und ich werde mich in dieser Betrachtung nicht pedantisch prüfend an diesen zwei Schlagworten entlang hangeln, aber die Kamera wird sich schon daran messen lassen müssen. Zum Einstieg darf ich aber schon verraten: So ganz falsch ist es nicht, aber auch nicht ganz richtig!

Ich werde mich nicht weiter aufhalten mit den Allgemeinheiten, die ich in den früheren Beiträgen schon verarbeitet habe, es sei denn, mein Erkenntnisgewinn in den letzten Monaten war dermaßen groß, dass ich die hochgeschätzte Leserschaft daran teilzuhaben gedenke. Werfen wir also einige Stichworte in den Raum.

Bedienung und Ausstattung im Allgemeinen

Da man der NEX-6 im Vergleich mit den kleineren Modelle mehr Knöpfe und einige Einstellräder gegönnt hat, geht die Bedienung im Alltag sehr leicht von der Hand, nur, wenn man ins Menü muss, dann muss man sich auch mit der umständlichen Architektur dessen anfreunden. Bei meiner a850 oder den beiden RX-Modellen hat man auf eine klassische Ordnung gesetzt und die wünschte ich mir auch bei der NEX-6, aber so oft muss man ja zum Glück nicht ins Menü.

NEX-6-von-Sony_03

Was die NEX-6 besonders interessant macht, ist der Umstand, dass sie als eine von erst drei Kameras in Sonys Portfolio über einen ISO-Blitzanschluss verfügt. Ich hatte vom Blitzen mit der Kleinen ja schon mal berichtet, aber mit etwas Routine und Gleichmut habe ich meine Klagen eigentlich in die Vergangenheit verabschieden können. Mit meinem Elinchrom D-Lite RX ONE und dem EL-Skyport Transmitter Eco kommt die Kamera bestens und ohne Umwege über Kabel oder Adapter zurecht.

Objektive

In den letzten zwei Jahren hat nicht nur Sony, sondern haben auch Sigma und Tamron zum Teil sehr gute Autofokus-Linsen auf den Markt gebracht, Zeiss (Schnappschuss auf der Facebook-Fanpage) kommt in diesem Jahr mit drei lichtstarken Festbrennweiten dazu und damit ist es ja nicht getan, denn ob des geringen Auflagemaßes und des gut hinnehmbaren Cropfaktors von 1,5 lassen sich ja dermaßen viele Objektive mit anderen Bajonetten adaptieren, dass man fast und gewagt von „relativer Grenzenlosigkeit“ sprechen kann. Alleine der deutsche Hersteller Novoflex hat 16 Adapter für die NEX im Angebot und die Weiten des Internets halten noch zig weitere (von unterschiedlicher Qualität) bereit. Von hochwertigen Zeiss-, Leica- oder Pentax Takumar-Objektiven, über jene für die Hasselblad XPan führt der Weg in meinem Alltag bis zum vermeintlichen (Pentax 110) bis echten (Holga) Trashlinsen.

rhinoCam-511x400

Es gibt sogar schon einen Adapter, der die NEX (in kleinen Schritten wohlgemerkt) dazu befähigt, das gesamte Blickfeld von 6×4,5cm Mittelformatlinsen abzulichten. Die Vizelex RhinoCam kostet rund 500 US-Dollar, dazu kommen weitere einhundert Dollar für den Mamiya- oder Pentax-Adapter. Das ist schon etwas für den Bereich „very special interest“, aber der elektronische Adapter von DEO-Tech/MX-Camera für die Verwendung von Contax G-Objektiven inklusive (sic!) Autofokus dürfte einige Interessenten mehr ansprechen.

So verlockend die Möglichkeiten, nutze ich selbst zumeist das Sigma 30 mm F2,8 (amazon-Link), hoffe aber auch sehr auf das 16-70mm von Zeiss, dass einem Gerücht nach kommen soll, während das Sony SEL24F18Z Carl Zeiss ja nicht lieferbar war, als ich es haben wollte. Da ich jedoch schon geübt war mit dem Umgang mit dem manuellen Carl Zeiss Sonnar 1.5/50mm, entschied ich mich zum Kauf des 4/25mm von Voigtländer (siehe erstes Bild oben), einem kompakten Pancake. Als Teleobjektiv hält derzeit ein 2.8/135mm Pentacon die Stellung, im Fotostudio adaptierte ich zudem auch einmal das 2.8/24-70mm von Carl Zeiss für die Sony Alpha.

Foto 2013-04-12 04.23.04 nachm

Woran es meiner Beobachtung nach bei Sony immer wieder hakt, ist die Lieferbarkeit der Objektive. War das bereits angesprochene 24mm von Zeiss über viele Monate nur gegen gierigste Aufschläge bei dubiosen Händlern im Internet zu bekommen, weil Sony – nicht nur ob der Naturkatastrophen in Thailand und Japan – nicht liefern konnte. Jetzt gerade warten einige Interessierte zum Beispiel auf das 2.8/20mm Pancake, das vor Monaten angekündigt worden war.

Ich habe einmal einen aStore mit Objektiven und Adaptern zusammengestellt, um den Beitrag nicht noch weiter mit amazon-Links zu befüllen. Mein geschätzter Fotofreund K. wird mir zumindest relativ dankbar sein. (✿◠‿◠)

Fokussieren

Der Autofokus ist bei normalen und hellen Lichtverhältnissen ein treuer Freund, stellt scharf, wenn er soll und das auch durchaus schnell. Ich kann diese Behauptung nur insoweit empirisch stützen, in dem ich bereit bin, zu gestehen, dass ich kein Formel 1-Rennen oder einen Hummelschwarm zu fotografieren versucht habe. Wobei der AF mich aber ein wenig enttäuscht hat, war bei der Arbeit im Studio bei vielleicht zu diffizilem Licht.

DSC01092-Bearbeitet-2

Bei dieser Lichtsituation (allerdings ohne Blitz und nur mit leichtem Einstelllicht von vorne) versagte die NEX-6 mit adaptierten 24-70mm ein ums andere Mal, sodass ich auf den manuellen Fokus umstellte. Im Ergebnis bei den meisten Schüssen nicht von Nachteil, doch wenn ich nicht einigermaßen geübt gewesen wäre, im manuellen Scharfstellen, hätte es ärgerlich werden können. In diesem Zusammenhang sei noch eingestreut, dass ich darauf hoffe, dass sich – sofern per Firmware lösbar – das Niveau des Focus Peaking an das der Ricoh GXR angleichen möge. Außerdem würde ich die Ausschnittsvergrößerung gerne noch auf den „Fn“-Knopf legen können, damit ich den „AEL“ seiner eigentlichen Bestimmung wieder zuführen kann.

Exkurs: Im September 2012 hatte ich ja schon Die Beantwortung der M-Frage (zur Adaption manueller Linsen) in 1, 2, 3 Teilen versucht und damals hatte sich die Sony NEX-7 knapp durchgesetzt und die NEX-6 schlägt sich nicht schlechter, eher besser, vorallem mit weitwinklingen Objektiven! Allerdings hat Fuji der X-Pro 1 inzwischen ein großes Update verpasst, dessen Auswirkungen ich nicht in der Praxis kennengelernt habe.

Wi-Fi

Einklinken ins Wireless LAN, Schaffung eines eigenen „Hotspots“ zur Kommunikation mit Smartphone oder Tablet! – Ich glaubte, dass Sony verstanden hat, wohin der Weg führen könnte und dann die Ernüchterung, dass das Einsatzfeld des Wi-Fi nicht den Bedürfnissen des ambitionierten Fotografen entspricht, sondern vielmehr einer Annahme eines großen Unterhaltungkonzerns und hier liegt ein großes Problem. Die Smartfernbedienung mit Sucherbild auf dem Telefon/Tablet ist ganz nett, ich kann Bilder von der Kamera auf Computer und mobile Geräte überspielen, es gibt auch eine Software, die ich nicht habe nutzen können, weil sie nur für PCs verfügbar ist und es gibt zig Apps, die ich zum Teil kostenpflichtig auf meiner NEX-6 installieren kann. So sinnvoll ich eine geschlossene App-Welt ob möglicher Gefahren durch Lücken in Android o.ä. finde, so überflüssig erscheint mir das Gros des Angebots. Der Lächelauslöseautomatik entsprechend, brauche ich das Zeug nicht. Ich möchte mit dem Wi-Fi Tethering-Shooting per Lightroom realisieren, ich möchte direkt (sic!) auf mein iPad streamen, nur geht es nicht mit dem, was mir angeboten wird und so muss ich einen Umweg wählen: Mit der Eye-Fi Pro X2 SDHC 8GB  funktioniert es nämlich tadellos, wie der kleine Testbericht meines Freundes Paddy am Rande skizziert.

Details

Es gibt ja eine Kleinigkeit, die mich bei der NEX so richtig wahnsinnig macht und das ist die Klappe für Akku und Speicherkarte. Die SD-Karte ist nämlich so dicht am Deckel platziert, dass ich mit den dicken Fingern immer wieder meine Probleme habe, das Medium da heraus zu fummeln. Das ist nicht wirklich schlimm, war vielleicht auch nicht anders lösbar und ist auch das einzige Detail, das mich hardwareseitig nervt, aber es muss auch mal gesagt werden.

SONY DSC

Zubehör

Für die Sony NEX-6 gibt es reichlich Zubehör und man könnte diesen Komplex wirklich erschöpfend betrachten, man könnte hinweisen auf die schönen Halfcases aus Leder, könnte ein kleines Stativ, wie das Cullmann Magic in den Ring werfen oder ich könnte mich darauf beschränken, zu skizzieren, welches Zubehör über die Objektive und Adapter hinaus ich so in der Praxis benutze. Zum einem wäre da das Really Right Stuff BNEX6-L Set – ein sperriger Name für einen sehr fein gearbeiten L-Winkel, um die Kamera schnell und flexibel auf einer ARCA SWISS-kompatiblen Stativplatte zu befestigen. Man kann diesen entweder in den USA bestellen oder bei einem deutschen Internethändler, der einerseits saftig teuer ist, aber bei Zoll und Versand wiederum spart. Um diese Hürden kommt man indes nicht herum, wenn man, wie ich, ein Street Strap als Tragegurt verwenden möchte. Einst für die Fuji X100 angeschafft, tut er nicht zuletzt ob Form und Länge seinen guten Dienst mit der NEX-6. Schließlich noch habe ich einen Weiss NP-FW50 Li-Ion Akku gekauft und freute mich, dass ich noch der NEX-3 ein ordentliches Ladegerät bekommen habe, das bei ambitionierter Nutzung unverzichtbar ist.

Lektüre

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf „Das Sony α NEX-6 Handbuch“ von Cora und Georg Banek, das mir der Fotograf Michael Omori Kirchner freundlicherweise überlassen hat. Neben einem Kennenlernen der Kamera, Abarbeitung von Punkten, wie Fokus, Belichtung, Kontraste, Farben usw. gibt es kurze technische Exkurse, eine sehr aktuelle Objektivübersicht, eine Übersicht über Zubehör und einen kleinen Praxisteil. Das Buch wendet sich besonders an jene, die mit Sonys Anleitung nicht glücklich werden, erklärt einige fotografische Grundlagen und ist eigentlich ganz kurweilig geschrieben, aber nicht frei von Fehlern. So gehen die Autoren zum Beispiel davon aus, dass die NEX-6 mit dem Blitzschuhadapter ADP-MAA ausgeliefert würde, was nicht zutrifft oder im Kapitel über die Verbindung der Kamera mit anderen Geräten wird einerseits verschwiegen, dass das Programm „Play Memories Home“ nicht auf dem Mac läuft und der angegebene Pfad zum Senden von Bildern an den Rechner ist nicht „Menue > Kamera > An Computer senden“, sondern „Menue > Wiedergabe > An Computer senden“ – ich habe mich ja bereits abgefunden mit dem Menü der NEX, aber andere könnten an derartigen Nachlässigkeiten verzweifeln. Davon abgesehen ist das Buch dennoch eine gute Hilfe für Ein- und Umsteiger, wie ich meine.

Tipps

Im Grunde ist es nur ein Tipp, der das Thema Langzeitbelichtungen betrifft. Da kameraseitig der Verschluss im BULB-Modus nur solange offen gehalten wird, wie der Auslöser gedrückt ist, ein Drahtauslöser ebenso wenig vorgesehen ist, wie ein Kabelauslöser, behelfe ich mir mit der Tinxi Infrarot-Fernbedienung , die ich für schmales Geld erstanden habe und den Verschluss mit dem ersten Drücken öffnet und dem zweiten Drücken schließt.

Fazit

Leistung für Experten hat Sony versprochen und sieht man von Schwächen im Detail ab, bekommt der Käufer diese auch. Die Kamera ist kompakt, wertig verarbeitet, liefert gute Bildergebnisse und ist damit eine wirkliche Alternative zu der digitalen Spiegelreflex. Man wird einwenden können, dass es keinen optischen Sucher mehr gibt, aber die Entwicklung ist soweit fortgeschritten, dass man hier einen wirklich guten elektronischen Sucher mit großem Blickfeld bekommt. Sicherlich haben große Kameras, wie die a850 einen wunderbaren und hellen Sucher, aber wenn man die Kamera kompakt halten will, muss man Kompromisse eingehen. Fuji hat mit seiner X-Pro 1 eine Systemkamera mit Hybridsucher im Angebot, doch die Kamera ist dann auch größer.

DSC01443

Die Vielseitigkeit habe ich im Verlaufe dieses epischen Textes schon skizziert, Verbesserungspotential gesehen, notiere noch, dass es weder GPS noch PictBridge gibt, doch am Ende gibt es DIE Kamera eben doch nicht. Für mich ist es meine erste Wahl ob der Größe, ob der Möglichkeit, derart viele Objektive zu adaptieren, sogar meine alten Minolta Autofokus-Linsen. Ich bin also vorbelastet in das Rennen um meine Gunst gegangen, aber was Nikon und Canon zum Beispiel als Systemkameras anbieten, ist für mich gänzlich uninteressant und Ricoh wie Fuji haben sich am Ende knapp geschlagen geben müssen.

Auf der Straße mit der Hasselblad XPan

Breites Street

Jetzt habe ich die kleine japanische Schwedin Hasselblad schon ein paar Wochen in meinem Besitz und nachdem ich mich zunächst versucht habe, in der Aufnahme der Weite, möglicherweise klassischen Panoramen, bin ich nun geneigt, auf die Suche zu gehen nach anderen Feldern der Betätigung für mein kleines Liebchen.

Obiges Bild zeigt nun die Kreuzung Ottenser Hauptstraße und Bahrenfelder Straße in Altona und die Gelehrten und Trolle mögen streiten darüber, ob das „Street“ ist oder nicht, aber es ist zumindest eine Menge los auf dem Bild, man sieht mehrere Passanten, die stehen, sich unterhalten, unsichtbare Linien ziehen durch die Szenerie. Freilich ist Ottensen nicht Manhatten, dieser Platz nicht der Time Square und der Moment nicht WOW, aber ich ahne Potential für die XPan in der Stadt.