Posts Tagged: analog

Es ist alles noch viel schlimmer

SONY DSC

Anfang September hatte ich schon meine Konsumblockade beklagt, und der Dings weiß, dass ich mich nach Kräften gegen diese zu stemmen versuchte. Ich hatte vielleicht schon irgendwo erwähnt, dass mir eine vielversprechende Fujifilm GW 690 III in Tokyo durch die Lappen gegangen ist und auch erschöpfend davon berichtet, dass ich eine Leica M9 nur wenige Stunden besaß.

Natürlich war es ärgerlich, dass nicht gelang, was ich wollte und ich zweifelte schon an meinem Karma. Tatsächlich scheint es aber so, dass die äußeren Umstände viel besser zu wissen scheinen, was richtig ist.

Ist es die Abkehr von der einst in Stein gemeißelten Weisheit “Haben ist besser als Brauchen!”? – Ich fürchte, es ist sogar die tiefgreifende Einsicht in “It’s not the f*cking Camera!” und ich fühle mich zu meinem großen Entsetzen nicht schlecht damit. Es durchzog mich noch einmal ein kurzes Wasweißich als ich einer Hasselblad 903 zu einem wirklich sehr guten Preis ansichtig wurde, aber als früherer Raucher habe ich ja auch nach Jahren immer wieder einen Sekunden-Schmachter. Das geht schnell vorüber.

Auf dem Gebiet der Fototechnik habe ich mehr Ausrüstung als ich brauche und damit meine ich nicht das ganze Zeug, dass ich, nicht zuletzt, weil schön billig, kistenweise beim Chinesen im Internet bestellt hatte. Ich habe auch höherwertige Dinge, die ich kaum nutze, wie ich gerade feststellte, als ich im Schrank einen elinchrom-Blitz fand.

Gewiss eröffnet mir das ganze Zubehör unter Umständen neue Möglichkeiten, vorausgesetzt, ich selbst bin in der Lage, die Werkzeuge richtig einzusetzen. Nichts von all dem, was ich angehäuft habe, macht mich zu einem besseren Fotografen. Ich könnte mit einer Sony A7s, einem wundervollen Fotoapparat, natürlich im Dunkeln Streetfotografie machen oder Veranstaltungen im fahlen Licht fotografieren, aber das geht auch anders.

Wie versessen war ich in den letzten Jahren darauf, bloß immer die neusten Sachen bei mir auf dem Tisch zu haben und zumindest ausgiebig zu testen. Das hat sich in diesem Jahr weitgehend beschränkt auf zwei Apparate, die ich wirklich gut fand – nämlich die eben genannte Sony, die ich zusammen mit den Zeiss Loxia-Objektiven hatte ausprobieren dürfen, und die Pentax 645Z. Die Photokina strich unaufregend an mir vorbei.

Nicht ganz unschuldig an dieser Zäsur ist gewiss die Geburt meiner Tochter im letzten Dezember, die mich neben der Arbeit zum Broterwerb gut einzuspannen weiß. Andererseits habe ich mit ihrem Auftauchen in meinem Leben angefangen, für mich sehr bewusst sehr wichtige Fotos zu machen und bin immer wieder dankbar darüber, dass meine Beschäftigung mit der ganzen Technik und besonders darüber hinaus (sic!) der Fotografie, mich in die Lage versetzt, von der Geburt an, das Wachsen und Entdecken meiner Tochter – gerne auf Film und auch als Schnappschuss – festzuhalten.

Konsumblockade

DSC00263-Bearbeitet

Ich nahm an, das “Gear Acquisition Syndrome” (G.A.S.) wäre nicht heilbar. Was ich mir über Jahre in die Höhle geschleppt hatte, hätte meine aus Kriegserinnerungen resultierend Nahrungsmittel hortende Großmutter mehr als beeindruckt. Gewiss habe ich auch immer wieder Fotoapparate und Zubehörteile abgegeben, aber ich brauchte den neuen Impuls, ich wollte ihn und ich gab mir, was ich begehrte (und bezahlen konnte).

Sollte meine Frau am Ende richtig gelegen haben mit der Annahme, dass die im letzten Herbst und damit noch vor der Geburt unserer Tochter gekaufte Hasselblad zunächst die finale Anschaffung sein sollte? Ich kann es mir noch nicht so recht erklären, warum ich mich schon längst wieder rückfällig geworden bin. Das Kind hat alles, was es braucht und dazu noch vieles, was es nicht braucht.

Gewiss habe ich in einem leichtfertigen Moment gesagt, dass ich in diesem Jahr keine Kamera mehr kaufen würde, weil ich keine bräuchte und das ist ja auch richtig. Aber was ist es für ein “Versprechen”, wenn es mich nicht wirklich fordert? Ich erklärte dieses Vorhaben für nichtig, führte ich doch sonst nur einen Drôle de guerre gegen das G.A.S. Ich war also wieder bereit, die Geldbörse zu öffnen, aber es passierte zunächst nichts …

Mit wurde das 30mm Objektiv für die Hasselblad XPan angeboten, zu einem soweit vernünftigen Preis – ich wäre, sieht man von den Centerfiltern ab, komplett. Die reizvolle Gelegenheit und die Erinnerung daran, dass mir das Objektiv am Strokkur im isländischen Haukadalur wirklich fehlte, ermunterten mich dennoch nicht dazu, zuzuschnappen. Ein anderer Fall war der einer Leica M9, zwei Jahre alt, perfekt passend zu meinen Objektiven mit M-Bajonett, VB 2800 Euro. Der Tarif ist in Ordnung für den Markt, aber schon ob des schrecklichen Displays und des jämmerlichen ISO-Bereichs war es mir kein so großes Investment wert. Vielleicht war ich auch in Sorge, dass ich stets und ständig Hastags mit dem Bestandteil “leica” verwenden würde. Eine Lytro Lichtfeld-Kamera hatte ich auch noch gesehen und zwar für schmale 149 Euro. Uninteressant.

Ach ja, und Großformat wollte ich doch auch haben. Wie hatte ich die Leute mit meinen Fragen genervt … Puff, kein gesteigertes Interesse mehr, zu umständlich, zu groß. Ich weiß ja eigentlich, dass mir das Negativ nicht groß genug sein kann, aber ich sehe mich am Ende mit einer Fujifilm GW690 III dastehen. Die hat große Negative und kaum mehr als das. Das hat auch was, nur müsste ich jetzt nochmal richtig heiß auf die Texas-Leica werden. Leica? Ups! Orr!

Festgehalten

scan0001-Bearbeitet

Mehr ein Nachkommen der Chronistenpflicht als ein fotografisches Meisterwerk, wenngleich mir die Einrahmung wirklich sehr gut gelungen ist. Wir sehen einen Parkplatz in Hamburg-Ottensen. Er ist in schlechtem Zustand, aber Parkraum ist knapp im Viertel und so hat er seine Berechtigung.

Allerdings sind die Grundstückspreise in den letzten Jahren in schwindelerregende Höhen geklettert, so dass auch hier in den nächsten Monaten ge- bzw. bebaut wird – an der Ecke Behringstraße und Friedensallee.

Latenter Trennungsschmerz

SONY DSC

Ich hatte es ja nicht anders gewollt, ich selbst hatte etliche meiner Fotoapparate zum Verkauf angeboten und nun haben mich in den letzten Wochen und Monaten einige Kameras verlassen – ohne, dass ich einen Neuzugang vor mir und der Weltöffentlichkeit hätte präsentieren können.

Den Weg in andere, bei einigen Exemplaren auch nachweislich gute Hände haben gefunden die Fujifilm GA645, meine Sony NEX-3, die Fujifilm Klasse S und schließlich die Mamiya 645 Super mit der gesamten Entourage. Mit allen Kameras verbinde ich gute Erinnerungen. Die GA645 war mit in Kanada dabei, ganz dicht an den Niagarafällen, die Sony dokumentierte die Tage im Krankenhaus rund um die Geburt meiner Tochter, die Klasse S war die analoge “Immerdabei” und mit der Mamiya hatte ich die ersten schönen analogen Shootings. Ich lebte bewusst nach dem Motto “haben ist besser als brauchen”, aber als der eine oder andere Apparat im Schrank Reihe um Reihe nach hinten rückte, war mir klar, dass Reduktion Not tut.

Ich war durchaus anfällig für das “Gear Acquisition Syndrome”, aber ich kann kaum in Worte fassen, wie befreiend es ist, die Sammlung auf ein halbwegs vernünftiges Maß zu reduzieren, sich im Umgang mit weniger Kameras zu üben, damit sie mehr williges Werkzeug als technisches Spielzeug werden. Das schließt nicht aus, dass ich in Zukunft auch einmal einen neuen Impuls benötige, denn der Spieltrieb ist der Vernunft nicht gänzlich gewichen, doch in diesem Jahr – beim Teutates! – soll kein neuer Apparat durch meine vorsätzliche Schuld Einzug finden. Das heißt freilich nicht, dass ich fortan darauf verzichten werde, das eine oder andere Gerät einer Betrachtung zu unterziehen.

Garðskagaviti

Garðskagaviti

Ob die Einbindung dieses Bildes in diesem Format auf dem Blog Unsinn ist, das mag man sich fragen und von den Fragenden werden es vermutlich nicht wenige mit “Ja!” antworten. Ich finde es schön portrabund und der Scrolldaumen ist der neue Wii-Arm!

Aufgenommen auf dem letzten Trip nach Island in der Nähe von Reykjavik mit meiner Hasselblad Xpan und Kodak Portra 160-Film. Wer hat gesagt, dass ein Panorama immer im Querformat aufgenommen werden muss?

Der Schriftsteller als Landschaftsfotograf

_DSC9332

Natürlich ist hier nicht gemeint der Schriftsteller an sich, sondern in diesem Fall der bereits 1979 verstorbene Arno Schmidt, dessen Geburtstag sich in diesem Jahre zum 100. Male gejährt hätte. Mit der Ausstellung über seine Fotografien wird nun bis Mitte September im Altonaer Museum zu Hamburg (Projektleitung Dr. Nicole Tiedemann-Bischop) Einblick gewährt in eine bislang weitgehend unbekannte Facette des Schriftstellers.

SONY DSC

Neben seiner literarischen Tätigkeit war Arno Schmidt Zeit seines Lebens ein passionierter Fotograf. Seine seit den 1930er Jahren entstandenen Bilder lassen sich in zwei große Gruppen einteilen: in Dokumente, die über das Leben und Arbeiten des Schriftstellers berichten, und in Bilder, die in ihrer Gestaltung und Komposition weit mehr sind als dokumentarische vielen Natur- und Landschaftsbilder, die während seiner Kurzreisen durch Norddeutschland entstanden sind und die Farbaufnahmen aus den sechziger und siebziger Jahren aus der Heidelandschaft um Bargfeld, Arno Schmidts Wohnort seit 1958. Stets standen seine Fotografien im Zusammenhang mit seinem literarischen Schaffen. Wer Arno Schmidts Roman Kaff auch Mare Crisium oder die Erzählungen des Bandes Kühe in Halbtrauer liest, wird viele seiner Bargfelder Landschaftsbilder in den Texten wiederfinden. (aus der Pressemitteilung zur Ausstellung)

SONY DSC

Die von Kurator Janos Frecot (Foto) gezeigte Schau zeigt Impressionen durchgehend im Quadrat. Über eine Yashica 44, eine japanische zweiäugige Spiegelreflexkamera, die ihm der Schriftsteller und Übersetzer Hans Wollschläger zum 50. Geburtstag schenkte, freute er sich sehr. Vermutungen, Schmidt hätte Schauplätze seiner Geschichten gesammelt, bildlich festgehalten, halten Jan Philipp Reemtsma, Vorstand der Arno-Schmidt-Stiftung, und Kurator Frecot für wenig wahrscheinlich, doch seine Texte und Fotos zeigen den gleichen Blick auf seine Umgebung.

Mein Eindruck: Ich habe keinen wissenschaftliche Zugang zu Fotografien, ich bin in Ausstellungen, beim Betrachten von Bildbänden, Konsument, der nicht unbedingt auf dicke Special Effects wartet, aber das je ne sais quoi erhofft und hier doch vermisst. Am Ende liegt alles im Auge des Betrachters und die Ausstellungsgestaltung finde ich trotz des recht niedrigen Raums sehr gelungen.

Schöne alte Stücke

Scan-130713-0009-Bearbeitet

Eigentlich wollte ich in den Keller gehen und die Fotoapparate fotografieren, die ich in nächster Zukunft zu veräußern gedenke, dann aber kam es natürlich anders und ich schaute mir noch einmal die Bilder an, die ich mit den Kameras gemacht hatte und verlor das Tagesziel beim Schwelgen in Erinnerungen ein wenig aus den Augen.

Die Kamera, die mir half, diese Szene auf Film zu bannen, die Fujifilm GA645, habe ich Ende letzten Jahres schon verkauft, aber zeitnah werde ich die anderen Apparate mal ablichten und mit Dreizeiler und Preisvorstellung hier feilbieten.

Aufgenommen habe ich diese Szene am Hafenbahnhof, wo sich bei gutem Wetter besonders Sonntags in der Regel Freunde und Freundinnen von Muscle Cars und anderen Old- wie Youngtimern einfinden. Bislang hatten diese Sportsfreunde auch keine Einwände, wenn ich fragte, ob das Ablichten ihrer Karossen in Ordnung ginge.

Die Mär vom Ende der Analogfotografie

IMGP0243-Bearbeitet

Auch wenn es schwer fällt: jetzt ist der Zeitpunkt gekommen sich von der analogen Fotografie zu verabschieden. Niemand weiß wie lange analoge Geräte überhaupt noch verkäuflich sind.

Nicht nur, dass diese Zeilen an Satzzeichen sparen, auch inhaltlich ist diese Behauptung kein Grund, jetzt unruhig zu werden.

Dieser Satz findet sich auf einem Beilageblatt in einem Fotomagazin und ist Teil einer Anzeige eines Gebrauchtkamerahändlers aus München. Es klingt beinahe so, als ob man ein krankes Kätzchen zum Einschläfern abgeben solle, um es von den Leiden zu befreien oder – weniger brachial – danach, als sei diese Firma so freundlich, die Besitzer alter Kameras von diesen Altlasten zu befreien. “Nepper, Schlepper, Bauernfänger” – Ede Zimmermann, übernehmen Sie!

Diese Anzeige appelliert an die Angst, dass man in nächster Zukunft auf Schrott sitzen bleibt, wenn man den freundlichen Herren nicht die Sammlung überlässt, die man selbst vor Jahren mühsam und teuer zusammengetragen hat oder jene, die aus einem Nachlass stammt.

Diese Angst ist aber völlig unbegründet!

90s 6x4,5

Die digitale Fotografie mag sehr bequem sein, man kann die Bilder auf etlichen Plattformen hochladen, man verzichtet auf die Postkarte und schickt eine Mail mit Fotos, es geht alles so schnell, das einzelne Bild kostet fast nichts, man muss sich nicht mit Filmen “herumschlagen”. Das lässt sich alles nicht von der Hand weisen, ebenso wenig, wie der Umstand, dass auch in der professionellen Fotografie die digitalen Bilder dominieren. Aber ist das gut und richtig und der Weisheit letzter Schluss?

Das wird man selbst entscheiden müssen, aber ich möchte doch zumindest den einen und auch den anderen Punkt zu bedenken geben, wenn er am Ende auch nur dazu beiträgt, dass man einzuschätzen weiß, welche Schätze man mitunter daheim hat und diese nicht unter Wert veräußert. Es gibt einen großen Markt für hochwertige (sic!) analoge Fotoapparate!

Wenn man sich einmal die Mühe macht, den Gebrauchtmarkt zum Beispiel auf www.photohaus.de oder www.leicashop.com oder www.meister-camera.com zu betrachten, sieht, dass sogar in Deutschland/Österreich mitunter sehr gute Preise verlangt werden für gute analoge Kameras – beim Verkauf in solchen Geschäften muss man jedoch darauf gefasst sein, dass der gebotene Ankaufspreis etwas ernüchternd ist, aber man sollte den Preis im Wissen um den möglichen Marktwert zumindest in Frage stellen, auch wenn natürlich das Risiko des Händlers (Ladenhüter, Defekte, etc.) nicht vergessen werden darf. Auf den asiatischen Markt, besonders Japan und Hong Kong, weise ich am Rande hin, doch ich habe den Eindruck, dass sich dort noch auf Jahre hinaus ein Einbruch nicht einstellen wird.

Mamiya 645 Super

Ich bin der Meinung, dass die in diesen Jahren so beschworene Nachhaltigkeit und Wertbeständigkeit alleine auf die analoge Fotografie anwenden lässt. Wer wird in 100 Jahren noch mit einer heute aktuellen Digitalkamera fotografieren? Wer kann sich sicher sein, dass die Daten aus einem solchen Apparat dann überhaupt noch lesbar sind? Ich habe hunderte oder tausende Fotos auf abgerauchten Festplatten verloren, musste mir ein Lesegerät für Smart Media-Karten in den Tiefen des Netzes besorgen, damit ich Daten einer Kamera von 1998 per USB noch auslesen konnte. Über solche Zeiträume lacht man doch nur in der analogen Fotografie. Heute noch können Bilder von Glasplatten, die man ohne ein technisches Gerät betrachten kann (!), ohne Probleme abgezogen werden. Nicht ohne Grund, wird das Wissen unserer Zeit, werden Urkunden, Publikationen und Bilder für die Nachwelt auf Mikrofilm gespeichert (Beitrag auf einestages zum Barbarastollen) anstatt auf einem “ZIP-Drive”, das die heute rund 40-Jährigen vielleicht noch kennen und ich vor einem halben Jahr weggeworfen habe. Ich dokumentiere die ersten Lebensjahre meiner Tochter auf Film, damit sie die Zeit überdauern.

Analog ist für mich das Mittel für die wichtigen Bilder, die Sicherheitskopie für die Abzüge. Ich bin nicht frei von dem Verlangen, digitale Fotos rauszukloppen, aber diese Schwemme beinhaltet sehr, sehr viele verzichtbare Bilder, die ich zum Beispiel per Instagram in die Welt blase. Über das wichtige Foto denkt man nach, wählt Kamera und Film. Die Analogfotografie ist nicht die Lösung gegen die Belanglosigkeit, auch will ich nicht die arg strapazierte “Entschleunigung” bemühen, aber einige Bilder sind den höheren Aufwand wert und die analoge Fotografie bietet soviel und seien es nur Kameras, die sich gut anfühlen und klingen und wertbeständig sind: Ich zahle für eine 30 Jahre alte Hasselblad mehr als für eine 15 Jahre alte Digitalkamera.

Was ich am Ende der Aus- und Abschweifungen zu sagen versuche: Erfreut euch an den analogen Geräten und wenn ihr sie schon nicht mehr benutzen wollt, lasst euch nicht über den Tisch ziehen.

Unbedingt möchte ich noch zur Lektüre empfehlen den Beitrag von meinem Kumpel Bellamy Hunt, der in Japan und von da weltweit mit gebrauchtem analogen Gerät handelt. Er thematisiert hier u.a. die Frage nach der Zukunft der Filmproduktion und versprüht dabei durchaus einen gewissen Optimismus. The future of film: A new hope.

Hasselblad XPan – die Betrachtung

SONY DSC

Prolog – Es gibt ja Kameras, die sind zeitlos und ich bin kaum bereit, dieses Prädikat einer digitalen Kamera zu verleihen, ich denke, es steht nur sehr ausgewählten Apparaten zu, auch wenn sie ein wenig Etikettenschwindel betreiben und gar keine Schwedin sind, sondern eine Japanerin. Die Hasselblad XPan ist nämlich in Wirklichkeit eine Fujifilm TX1 Panoramakamera mit Messsucher in leicht anderem Kleid und sie ist sehr gut!

SONY DSC

Die Besonderheit – Der Kleinbildfilm wird in der Kamera nicht nur in der Standardgröße von 36×24 mm belichtet, was geht, aber witzlos ist, sondern auch im Format 65×24 mm, wobei dann statt 36 Aufnahmen derer 20 zur Verfügung stehen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass man heutzutage ja alles digital machen könne, einfach einige Bilder neben einander aufnimmt, sie zusammenfügt und die Verzeichnungen heraus rechnet. Das geht in der Tat bei diesem oder jenen Bild, aber ich würde es bei Langzeitbelichtungen oder Portraits oder Bildern, auch denen Bewegung zu sehen ist, nicht machen wollen. Die XPan bannt das Foto mit einem Schuss. Manch einer mag nun einwenden, man könne ein mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommenes Bild ja oben und unten beschneiden – solche Leute glauben auch, dass das Bild nicht bei der Aufnahme gemacht wird. Wer die ganzen Vorzüge noch etwas blumiger, etwas euphorischer, etwas dings lesen möchte, dem steht auf hasselbladpages.com der Originalkatalog zu Ansicht und Download zur Verfügung.

SONY DSC

Bedienung – Die Bedienung geht sehr übersichtlich von statten. Vorne auf der Kamera haben wir Blitzsync-Anschluss, ISO-Wahl und die Objektiventriegelung. Oben wählt man die Belichtungszeit (A und B bis 1/1000s) sowie Belichtungskorrektur (-2 bis +2), löst aus und hat den digitalen Bildzähler. Der Anschluss für den Drahtauslöser befindet sich rechts an der Seite, das Bildformat wird an der Rückseite gewählt, dort befindet sich auch ein Display, das z.B. bei Einsatz der Belichtungsautomatik die Verschlusszeit anzeigt oder die ISO-Zahl.

Scan-130528-0016

Marktlage – Ich klammere bei der Betrachtung einmal die XPan II aka TX2 aus, auch wenn die Fujifilm mit dem Holzgriff wirklich sehr “sexy” daherkommt, aber wer baut schon eine derart emotionale Verbindung zu seinen Kameras auf? – Äh, also ich war erstaunt darüber, wieviele XPans auf dem Markt angeboten werden. Zumeist mit dem auch von mir in der Regel benutzten 45mm-Objektiv liegt der Preis derzeit so um 1400 Euro, das 90mm-Objektiv ist ab 500 Euro zu bekommen, aber ich nutze es selten. Die dritte Linse im Angebot ist das 30mm, das zusammen mit dem Sucher gut und gerne 1800 bis 2500 Euro kostet und das Budget vieler wird sprengen dürfen. Oft gesucht werden auch noch ND-Centerfilter, die einige Fotofreunde und -innen ob der leichten Vignette für unabdingbar halten und zum Teil hunderte Euro zu investieren bereit sind. Das kann man bei hybrider Verarbeitung auch leicht und locker in Lightroom lösen. Wem Markennamen nicht so wichtig sind oder einem modischen Trend folgend und den eh abzukleben gedenken, sollten sich auch nach der Fujifilm TX1 umsehen, denn die ist oftmals um einiges günstiger zu bekommen.

Scan-130605-0014

ReparaturFragen Sie Ulf Kühn! Das wird man vermutlich dem Anrufer bei Hasselblad in Ahrensburg mitteilen, wenn der Techniker nicht schon in den Ruhestand gegangen ist. Ulf Kühn hat in Japan die Reparatur der XPan gelernt und hat mir ausführlich geschildert, wie er mit der Panoramakamera gearbeitet hat. Das klang sehr glaubhaft! Ich hatte leider schon einmal vor dem Gespräch Reparaturbedarf und da konnte Marek Wiese in Hamburg gut helfen. Vergleiche dazu meine Übersicht: Zur Analogfotografie in Hamburg heute. UPDATE August 2015: Ulf Kühn ist derzeit wie folgt zu erreichen: Ulf Kühn Service, An der Strusbek 32, 22926 Ahrensburg, Tel. 04102-49136, Mail: ulf-kuehn@t-online.de.

Scan-130529-0014

Fazit – Im Katalog, auf den ich weiter oben hingewiesen habe, heißt es flötend gut gelaunt: “Wie wär’s mit etwas Hasselblad für unterwegs? Leben ist Bewegung: Das Leben ist unerwartet, unvorhersehbar und spontan. Es ist flexibel, dynamisch und kann Sie an ziemlich ausgefallene Orte verschlagen.” Brechen wir das hier ab … Mir taugt die Hasselblad XPan nicht als “Immer-dabei”, dafür ist sie mir im Vergleich mit der Zeiss Ikon ZM zu schwer und zu unflexibel. Die beiden Objektive, die ich habe, verfügen über eine Einstiegsbrennweite von f4, was für Panoramen völlig ausreichend ist und auch Portraits lassen sich damit realisieren – das ist keine Frage -, aber als Universalkamera sehe ich sie nicht, sie ist eine Spezialistin, was das Format betrifft. Ich habe sie mir vor einem knappen Jahr gekauft mit Blick auf meinen Urlaub auf Island und dort war sie perfekt, ich kann sie mir auch mehr als lebhaft vorstellen auf den Straßen von New York oder Tokyo, auf Helgoland, zur Not auch für lästig große Hochzeitsgesellschaften, wo jeder mit auf’s Bild, aber unter keinen Umständen in die zweite Reihe will. Ich lege die XPan also all jenen unbedingt ans Herz, die einen soliden Fotoapparat in der Hand halten möchten, die vermeintliche Normen des Formats von 3:2 u.ä. unbedingt verlassen wollen, die Film lieben, die Geschmack haben und stilsicher sind und die eine Ahnung davon haben, worauf sie sich einlassen.

ha mu bu ru gu

Porschreh

Porschreh

Für mich ist ja schon eine neue Kurbel für die Hasselblad Anlass genug, mit ihr herauszugehen und auf dem Kuchenverzehrspaziergang mit Einkehr einige Schnappschüsse zu machen, zu dokumentieren, wie sich meine “Hood” in den letzten Jahren immer weiter verändert. In der Eckbar, die hier hinter dem Porsche zu sehen ist, war einst ein sehr passabler Burger-Laden. Er fehlt mir.

Mit einer gewissen Irritation habe ich beim Scannen auch dieses Films festgestellt, dass ich den Kodak Tri-X 400 gar nicht mehr so heiß finde. Das Korn im Himmel hat mich schon im letzten Winter genervt und jetzt schon wieder. Ich habe ja noch ausreichend Vorräte, um meine Meinung zu festigen oder über Bord zu werfen …